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Schiff Wikinger an der Anlegestelle am Eisernen-Steg vor der Abfahrt.

Schifffahrt

So schippert die Frankfurter Primuslinie durch die Krise

Das Unternehmen blickt zurück auf ein durchwachsenes Jahr, hat aber auch neue Ideen für die Personenschifffahrt.

Massive Geldeinbußen haben auch die Dampfer der Primuslinie getroffen. „Obwohl ich 45 Jahre in der Personenschifffahrt tätig bin, war dieses Jahr überraschend und schlimm für mich“, stellt Anton Nauheimer fest beim gemeinsamen Rückblick auf das Jahr. Seine Tochter, Geschäftsführerin Marie Nauheimer, entgegnet: „Im Vergleich zu anderen hat es uns gar nicht so hart getroffen. Wir sind gut aufgestellt.“

Podcasten, „Chill-outs“ und Erlebnisfahrten – die Unternehmerin hat viele Ideen, wofür man ein Schiff nutzen kann, wenn Abstands- und Hygieneregeln gelten. „Sonntags beim Bügeln den Primus-Podcast hören“, damit erreiche man ganz andere Menschen, zeigt sich Marie Nauheimer begeistert. Sie trifft sich auf der „Wikinger“ mit Personen aus Frankfurts Sport-, Wirtschaft- und Kulturszene und spricht darüber, was diese so beschäftigt. Ob Brauerei, Basketball oder Bildkunst auf Instagram, die Themen der fünf Podcastfolgen sind vielfältig.

Statt After-Work-Partys bot die Primuslinie im Sommer gemütliches Zusammenkommen in Form eines „Chill-outs“ für „Junge und Junggebliebene“ an. „Die DJs spielten schöne Musik, ohne dass sie zum Tanzen motivierte.“ Die Veranstaltungen erfreuten sich laut Familie Nauheimer größter Beliebtheit. „Die Gäste waren froh, auf den Schiffen zu sein.“

Das galt auch für die Tagesausflüge auf dem Main, zwischen Weinbergen, Burgen und Klöstern. Diese Ausflüge lockten in diesem Jahr vor allem regionale Touristenströme an. Die meisten hätten coronakonform Laufwege genutzt und Masken aufgezogen.

Nichtsdestotrotz machte die Unternehmerfamilie rund zwei Drittel weniger Umsatz als in den vergangenen Jahren. Mehrtägige Touren mussten fast vollständig ausfallen, internationale Reisende kamen kaum. Den rund 20 Minijobbern musste gekündigt werden. „Das war schon traurig. Manche arbeiten schon jahrelang für uns“, so Nauheimer.

Und auch, wie es 2021 weitergeht, ist unklar für die Personenschifffahrt. „Wir hoffen, dass alles wieder so wird wie früher“, meint Nauheimer. Der „Winterzauber“, das Programm für die nächsten Monate, war bereits geplant. Gruseldinner, „Grillen und Chillen“ und Familienfrühstücke – all das kann nun erst einmal nicht stattfinden. Der Gastrobetrieb muss wohl ab Montag eingestellt werden – ob weiter Fahrten auf den Dampfern der Primuslinie angeboten werden, wissen die Nauheimers noch nicht.

von Isabel Knippel

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