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Erst in der Nase, dann im Röhrchen rühren: Jana macht ihren ersten Selbsttest. renate hoyer (3)
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Erst in der Nase, dann im Röhrchen rühren: Jana macht ihren ersten Selbsttest. renate hoyer (3)

Coronavirus

So liefen die ersten Selbsttests an Frankfurter Schule

  • Sandra Busch
    VonSandra Busch
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Gemeinsam wird in der Nase gebohrt: An der Helmholtzschule testen sich Schülerinnen und Schüler erstmals selbst.

Es ist Deutschunterricht. Aber es wirkt, als hätte der Kurs des Abiturjahrgangs an der Frankfurter Helmholtzschule am Donnerstag in der ersten Stunde gerade Chemie. Oder zumindest ein Fach, in dem experimentiert wird. Auf Einmal-Handtüchern liegen auf jedem Tisch bereit: ein Plastikröhrchen, ein Tropfaufsatz, verpackte Teststäbchen, ein Testgerät und eine Wäscheklammer – das Equipment für einen Corona-Selbsttest. „Wir werden Schritt für Schritt gemeinsam durchgehen, damit alle wissen, was zu tun ist“, sagt Lehrerin Yvonne Engelmann. „Keine Sorge, es geht schnell und ist einfach.“

An diesem Tag testen sich in der Helmholtzschule Schülerinnen und Schüler das erste Mal selbst. Das Gymnasium im Ostend ist eine der 21 Pilotschulen in Hessen, an denen das Kultusministerium vor den Osterferien einen Probelauf mit Corona-Selbsttests durchführen lässt. In Frankfurt wird in zwei Schulen getestet, neben der Helmholtzschule auch in der Panoramaschule. Das Ministerium will so Schwierigkeiten erkennen, bevor nach den Osterferien an allen Schulen einmal in der Woche die Tests angeboten werden sollen.

Im Deutschkurs sind zehn Schülerinnen und Schüler. Der Test ist freiwillig, neun wollen ihn machen. Nina nicht. „Ich arbeite in einer Eisdiele und mache zweimal in der Woche einen Selbsttest“, sagt sie. „Ich denke, das reicht.“ Die Utensilien für den Test liegen für die anderen neun bereit, die Wäscheklammern auch. Dort soll das mit Flüssigkeit gefüllte Röhrchen eingeklemmt werden, damit es stehen kann. Die Klammer gehört eigentlich nicht zum gelieferten Testkit, sie kommt von der Schule. Angeschafft wurden sie nicht für diesen Zweck, aber auch wegen Corona: Um Notenblätter am Ständer festzuklammern. Schließlich dürfen Schulbands nur draußen proben, da fliegt ein Blatt schnell weg.

Um 8.17 Uhr geht es los. Alle öffnen zur selben Zeit die Verpackung des Teststäbchens. „Ihr könnt nun kurz die Masken absetzen und das Stäbchen vorsichtig in die Nase einführen“, sagt Engelmann. „Und dann rühren. Wie wenn ihr Kaffee mit Milch und Zucker verrührt.“

Freitag vergangener Woche hat Schulleiter Gerrit Ulmke erfahren, dass sein Gymnasium für den Probelauf ausgewählt ist. Für die Kurzfristigkeit sei das aber „generalstabsmäßig geplant“ gewesen, sagt er. 500 Testkits hat er am Mittwoch für diese Woche bekommen, sie lagern bei ihm im Büro. Täglich sind knapp 200 Schülerinnen und Schüler anwesend. Durch den Wechselunterricht testet sich die eine Hälfte der Klassen 5 und 6 am Donnerstag, die andere am Freitag. Der Abiturjahrgang ist jeden Tag da. Auch Lehrkräfte, Hausmeister und Mitarbeitende im Sekretariat können ein Kit bekommen. Doch die Lehrkräfte an der Helmholtzschule können sich ohnehin jeden Mittwoch testen lassen, dafür kommt eigens ein Arzt an die Schule.

Dieser Arzt hat am Vortag auch einige Lehrkräfte im Umgang mit den Selbsttests geschult. Zudem gibt es Videos des Ministeriums zur Durchführung, die den Schüler:innen in der Schule gezeigt wurden. Eine Einverständniserklärung der Eltern muss vor dem Test vorliegen. Ulmke hält die Tests auch für seine fünften Klassen für unproblematisch und glaubt, dass alle es gut hinbekommen. „Man muss ja mit dem Stäbchen nur zwei Zentimeter in den vorderen Nasenbereich rein.“

Die Schüler und Schülerinnen im Deutschkurs haben die Stäbchen in der Nase und beginnen zu rühren. Leicht gequälte Blicke bei den einen, verhaltenes Stöhnen bei anderen. Einer muss niesen. „Viermal herumrühren“, sagt Engelmann. Und alle rühren und rühren. Jana kullert eine Träne aus dem Auge. „Ein kleines bisschen tut es weh“, sagt sie. Aber deswegen laufen keine Tränen. Wirklich schlimm findet sie es nicht. „Man muss ja nur die Nasenwand berühren“, sagt sie. „Aber man hat einfach so einen Niesreiz und die Träne kommt dabei von selbst.“

Ihr Mitschüler Leif ist ganz routiniert bei der Sache. Es ist nicht sein erster Selbsttest. „Ein bisschen unangenehm in der Nase, aber alles nicht sehr kompliziert“, sagt er. Ihn stört es nicht, wenn er das einmal in der Woche in der Schule machen muss. „Es ist ganz beruhigend, dass man ein wenig Sicherheit hat, nicht mit potenziell Positiven in die Schule zu gehen.“

Auch Ulmke ist „dankbar“, dass die Testungen beginnen. Und Julia Stolze vom Schulelternbeirat sagt, dass es in der Elternschaft keinerlei negative Rückmeldungen zum Testen gegeben habe. Im Gegenteil. „Es hilft, dass die Kinder in die Schule gehen können.“ Für Ulmke ist die Testung in Schulen auch eine „gute Nachricht für Familien. Wenn das Kind kein Corona hat, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass es niemand in der Familie hat.“

15 Sekunden lässt Engelmann die Schüler:innen in der Nase bohren. Dann: Stäbchen aus der Nase, ins Röhrchen mit der Flüssigkeit stecken und wieder rühren. Rausziehen, Tropfaufsatz auf das Röhrchen, vier Tropfen aufs Testgerät. Und natürlich Maske wieder aufsetzen. Es ist 8.22 Uhr, nun heißt es mindestens 15, höchstens 30 Minuten warten. Die Lehrerin geht in der Zeit herum, und sammelt den Abfall bis auf Testgerät und Wäscheklammer in einer Mülltüte ein.

Bisher sieht Ulmke keine Schwierigkeiten in der Durchführung der Selbsttests. Bei den ersten Malen dauere alles natürlich länger, aber da werde eine Routine entstehen. „Ich gehe davon aus, dass die Schülerinnen und Schüler die Tests dann in zwei Minuten machen, der Unterricht beginnt und die Lehrkraft den Test nach 15 Minuten einsammelt“, sagt der Schulleiter. „Das Testen wird dann wie ein Begrüßungsritual.“

Im Deutschkurs des Abiturjahrgangs sind an diesem Tag alle negativ. Wären Schüler:innen positiv gewesen, wären sie in einen extra Raum geschickt worden. Dass es zu Stigmatisierungen bei einem positiven Testergebnis kommen könnte, glaubt Ulmke nicht. „Wir haben ja schon Erfahrung mit Kindern, die Covid-19 haben“, sagt er. „Die Erfahrungen waren nie negativ. Das Klima ist da an der Schule entspannt.“

Die Testgeräte sammelt Engelmann nun mit der Mülltüte ein. „Es ist besser, sie werden nicht als Souvenir mit nach Hause genommen“, sagt sie. Denn liegt der Test länger herum, können sich die Teststreifen noch verfärben. „Und dann kann man glauben, doch positiv zu sein – das ist aber eine Verfälschung.“ Deshalb weg mit den Tests. Bis nächste Woche wieder neue ausgepackt werden.

Lehrerin Yvonne Engelmann erklärt, wie’s geht.
Gemeinsam werden die Teststäbchen ausgepackt.

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