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Slalomparcours für Jedi-Ritter in Frankfurt

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Von: Thomas Stillbauer

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Licht. Und Schatten.
Licht. Und Schatten. © Renate Hoyer

Den Frankfurter Palmengarten verzaubern wieder die Winterlichter – im Einklang mit dem Klimaschutz, heißt es.

Wenn es dämmert im Palmengarten, treffen sich all die fleißigen Glühwürmchen, von denen wir immer dachten, sie seien im Winterurlaub auf den Bahamas, und ziehen ihre schicksten Fummel an. Stellen sich gruppenweise zusammen und sorgen für die tollsten Lichtspektakel.

Frieren sie nicht? Kaum. Nicht so sehr wie jemand, der eine Dreiviertelstunde mit dem Rad hingefahren, eine Stunde durch den Garten gelaufen und eine Dreiviertelstunde mit dem Rad zurückgefahren ist, um über die Winterlichter zu schreiben. Aber das ist eine andere Geschichte.

Die Glühwürmchen jedenfalls sind Mitarbeiter von Wolfgang Flammersfeld, dem Mann aus Unna, der mit seinem „World of Lights“-Team nun zum zehnten Mal den Frankfurter Jahreswechsel durch-, beziehungsweise be-, aber auch erleuchtet. Nicht jeder Mensch kann die Glühwürmchen sehen. Aber wer fest an sie glaubt, erlebt ihren Zauber.

Plötzlich dreidimensional

Wie sie in Form eines Boots über dem Brunnen am Eingangsschauhaus Siesmayerstraße glitzern – und im Brunnenwasser plötzlich dreidimensional. Oder wie sie in bewegten Bildern über den Hydroschild auf dem Oktogonbrunnen wirbeln, wie stets ein Höhepunkt der Schau.

Anders als sonst ist Künstler Flammersfeld diesmal nicht selbst am Vorabend der Eröffnung vor Ort, um der im Dunkeln tappenden Presse die Gedanken hinter seinen Kreationen an 18 Stationen zu erläutern. Das übernimmt charmant Anika Liebert, Leiterin des Veranstaltungswesens im Palmengarten. Der Hydroschild, eine Wand aus Wasser, auf die Videosequenzen projiziert werden, behandelt diesmal ein Thema, das ihm naheliegt, erklärt sie: das Element Wasser. Dazu Musik.

Für das Spiel auf dem Wasser wurde das erwähnte Element eigens noch im Brunnen belassen. Sonst wäre es mit der zur Wand fontänisierten Projektionsfläche schwierig geworden. Auch für die Glühwürmchen natürlich.

WINTERLICHTER

Bis zum 8. Januar leuchtet der Palmengarten nun jeden Abend (außer Heiligabend und Silvester) in vielen Farben.

Die Winterlichter-Ausstellung ist täglich von 17 bis 21 geöffnet; letzter Einlass ist um 20 Uhr.

Eintrittskarten gibt es im Online-Vorverkauf (zehn Euro, ermäßigt fünf, Familien 20 Euro) bei www.frankfurtticket.de sowie an der Abendkasse, sofern Restkarten übrig sind (12/6/24 Euro). Beim Vorverkauf wird ein Zeitfenster für den Einlass und ein Einlassort gewählt (Siesmayer- oder Palmengartenstraße). Die Schau ist von beiden Eingängen auf Rundkursen zu durchwandern. Jahreskarteninhaberinnen und -inhaber haben Zutritt ohne zusätzliche Kosten.

Im Rahmenprogramm zeigt Kustodin Hilke Steinecke ihre „Insektenwelten“-Fotoausstellung in der Villa Leonhardi. Gastronomie gibt es im Café Siesmayer, im Lindengarten (heißer Apfelwein), in der Villa Leonhardi (Snacks) und im Kiosk am Wasserspielplatz (Getränke, Waffeln und Suppen).

Wasser ist wichtig, aber auch: Sichtachsen. Der Blick durch den Garten ist ein anderer, sobald die Nacht und die Glühwürmchen ihren Dienst antreten. Bunt leuchtende Wellen und geometrische Figuren spielen in diesem Jahr Rollen, auch im Verbund mit der Geometrie des einzigartigen Tropicariums. Und sie spiegeln sich in der Fassade des Subantarktishauses, herrlich verschwommen aus der Ferne.

Selbstverständlich sind Bäume und Gehölze illuminiert. Am Haus Leonhardsbrunn zieht ein geheimnisvoller Nebel auf, in dem sich angeblich Laserstrahlen tummeln (wir wissen, es sind Glühwürmchen). An einer Wand können Besucherinnen und Besucher selbstständig Schattenspiele inszenieren. „Drei Grazien“ erwarten die Passierenden in schicken 60er-Jahre-Leucht-Outfits.

Am Blüten- und Schmetterlingshaus müssten sich jeden Moment Captain Kirk und Lieutenant Uhura materialisieren – dort sind eindeutig die Beamer von der Enterprise angebracht. Gegenüber: große, farbenfrohe Schmetterlinge, mit zahllosen Kabelbindern der Natur angenähert.

Ein Schwan begrüßt die Rundgehenden, ein echter, und zwei Nilgänse. Sie gehören strenggenommen nicht zu den Winterlichtern, sind aber willkommen und bestaunen ein Feld aus Leuchtstäben, die Palmengartendirektorin Katja Heubach an die Ausrüstung von Jedi-Rittern erinnern und Anika Liebert an Slalomstangen. Man sähe die Ritter gern auf Skiern hindurchwirbeln, doch ist das Gelände, wie die meisten anderen Areale auch, mit Seilen gegen Unfug abgegrenzt. Es gelte, Zertrampelungsschäden zu vermeiden, sagt Katja Heubach, und man möchte das Wort nie wieder aus seinem aktiven Wortschatz entlassen. Wiesen schonen, eine Priorität auch in Zeiten der Winterlichterseligkeit.

So viel Licht - aber „maximale Effizienz“

Um ehrlich zu sein: Es sind höchstwahrscheinlich gar keine Glühwürmchen, die all die Lichter in den Palmengarten zaubern. Man hätte halt gern eine glücklichmachende Erklärung dafür, dass mitten in der Energiekrise einen Monat lang so viel Licht gemacht wird. Wir alle mit einer Funzel vor dem Fernseher, der Palmengarten volles Rohr. Ist aber gar nicht so, versichern Katja Heubach und auch Klimadezernentin Rosemarie Heilig (Grüne). Beim LED-Licht sei auf maximale Effizienz geachtet worden, und die Häuser seien, anders als früher zur Winterlichter-Zeit, um 16 Uhr zu – Heizung sparen.

Den Menschen Schönes geben in trüben Zeiten, darum geht es bei den Winterlichtern. Der Felsen am großen Teich, bunt, ein traumhafter Anblick. Dazu heult und heult Wolfgang Flammersfelds Bild „Wolf im Mond“, während der Trabant zu- und wieder abnimmt. Vielleicht sind es auch Mondfinsternisse, die da vorbeiziehen, jeden Abend, im Palmengarten, in der Dämmerung.

Bäume. Illuminiert.
Bäume. Illuminiert. © Renate Hoyer
Wellen aus Licht. Und geometrische Formen.
Wellen aus Licht. Und geometrische Formen. © Renate Hoyer
Mond. Und heulender Wolf.
Mond. Und heulender Wolf. © Renate Hoyer
Hampelmann. Auf Knopfdruck.
Hampelmann. Auf Knopfdruck. © Renate Hoyer

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