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Ein Blick hinter die Kulissen des Frankfurter Sets für die Netflix-Serie „Skylines“.

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„Skylines“ ist mehr als eine simple Rapper-Serie

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„Skylines“ ist die erste Netflix-Serie, die in Frankfurt entsteht. Mit dabei sind bekannte Frankfurter Rapper. Ein Besuch am Set.

„Und jetzt gute Laune bitte!“, ruft eine Stimme aus dem Dunkeln des Raumes. Kamera A und B laufen. Rapper in Jogginganzügen und Wollmützen und Girls in Federjacken posieren mit ihren Drinks rund um den Billardtisch und an der Bar. Sie feiern das neue Album eines bekannten Rappers.

In den im Alltag leerstehenden Büroräumen zwischen Innenstadt und Bahnhofsviertel auf der Mainzer Landstraße wird in dieser Nacht die Partyszene inszeniert. Und zwar für die erste Staffel der neuen Netflix-Serie „Skylines“. Die Crime-Drama-Serie wird gerade in Frankfurt gedreht. Es ist die erste deutsche Netflix-Serie, die in Frankfurt spielt.

Regisseur Max Erlenwein (Mitte) gibt Schauspieler Sahin Eryilmaz (links) und seinem Hauptdarsteller Edin Hasanovic („Jinn“) konkrete Anweisungen für die nächste Szene.

Blickt man aus einem der vielen Fenster im achten Stock des Bürogebäudes, sieht man Autolichter, die leicht verwischen, weil die Wagen so schnell vorbeifahren. Von der Dachterrasse schaut man auf die Wolkenkratzer, und etwas entfernt erblickt man die beleuchtete Alte Oper.

Mittendrin in der Drehszenerie steht mit schnieken Hosenträgern Kalifa (Murathan Muslu) – in dieser fiktiven Welt der berühmteste Rapper Deutschlands und der Gründer von Skyline Records, dem erfolgreichen Plattenlabel mit Sitz in Frankfurt. Kalifa wirft lässig eine Mandarine hoch in die Luft, umarmt Rapper Aziz. Kalifa beginnt seinen Satz: Mit „Ey, Brudi“. Und hat dann einen kleinen Hänger.

Murathan Muslu - vom Rapper zum prämierten Schauspieler

„Ich habe meinen Text für heute erst gestern Abend bekommen. Eigentlich brauche ich eine Woche, um ihn zu lernen. Ich bin da etwas langsam“, erzählt Murathan Muslu in einer kurzen Drehpause. Er lacht. Zwischendrin trainiert er an Hanteln, die in einem der Büroräume stehen. „Ich hatte nicht geplant, dass ich für die Rolle trainiere. Aber ich bekomme so ein besseres Gefühl dafür. Kalifa ist ein mächtiger Typ. Und da passt es, auch etwas breiter zu sein“, sagt Muslu und lacht.

Der 37-Jährige hat 2015 den österreichischen Filmpreis als bester männlicher Darsteller für das Drama „Risse im Beton“ erhalten. Bevor er Schauspieler wurde, war er Rapper. „Wahrscheinlich war ich auch deswegen ein guter Anwärter für die Rolle“, sagt er. Der Österreicher gehört zum Hauptcast.

Die Crew dreht am Frankfurter Osthafen, in der Innenstadt, im Bahnhofsviertel, im Westend. 

„Das ist aber keine Story über einen Rapper“, erläutert Muslu. „Kalifa versucht, seine Show abzuliefern, ist super erfolgreich, aber die Musik bedeutet ihm nichts mehr. Auch zu seinen Kindern hat er keinen Bezug mehr. Innerlich ist er leer.“ Und dann taucht sein älterer, krimineller Bruder Ardan (Erdal Yildiz) nach 16 Jahren plötzlich wieder in seinem Leben auf. Eben auf dieser Party. „Und Ardan bringt einen richtigen Orkan in die Stadt.“ Die Szene des Wiedersehens spielen sie an diesem Tag noch. „Das ist keine einfache Szene“, sagt Yildiz.

Der 53-Jährige hat bereits an der Seite von Hollywood-Legende Anthony Hopkins im Thriller „Collide“ agiert. „Ich spiele eigentlich immer einen Brutalo, einen Psychopathen“, erzählt Yildiz. „Jemand Normales, Nettes zu spielen, wäre mir zu langweilig.“

Wenn „Skylines“ voraussichtlich ab Herbst ausgestrahlt wird, wird die Serie weltweit zu sehen sein. 139 Millionen Abonnenten hat der Streamingdienst Netflix bereits.

Bekannte Rapper spielen mit - Netflix hält Namen vorerst geheim

Seit Ende November und noch bis Mitte März werden die ersten sechs Folgen gedreht: am Frankfurter Osthafen, in der Innenstadt, im Bahnhofsviertel, aber auch im Westend. In größeren Hotels, aber auch im Tanzhaus West ist die Crew unterwegs. Hinzu kommen Szenen im Offenbacher Einkaufszentrum und in einer Wiesbadener Villa. 45 Drehtage sind es in Frankfurt, 21 in Berlin. „Aber in Berlin machen wir nur ein paar Innenaufnahmen. In der Serie selbst wird man nur Frankfurt sehen“, sagt David Keitsch, einer der drei Produzenten. 250 Menschen seien an der Serie beteiligt, an diesem Abend sind allein 80 Komparsen am Set. „Berlin ist überdreht“, sagt Produzent Jonas Dornbach. „Frankfurt ist eine Weltstadt auf kleinem Raum.“

„Ich spiele eigentlich immer einen Brutalo, einen Psychopathen“, erzählt Erdal Yildiz.

Aber bei „Skylines“ wird nicht nur Kalifas Geschichte erzählt. Im Mittelpunkt steht der junge, talentierte Hip-Hop-Produzent Jinn (Edin Hasanovic). Der die vermeintliche Chance seines Lebens erhält, als er bei Skyline Records unterschreibt. Hauptdarsteller Hasanovic muss in dieser Nacht bis ein Uhr nachts vor der Kamera stehen, er schafft es nicht mehr zu den Interviews. Produzent Luis Singer erklärt dessen Rolle: „Jinn muss seine Moral aufgeben, um erfolgreich zu sein.“ Frankfurt als Stadt stehe als Symbol für eine geldorientierte Gesellschaft. „Arm und Reich treffen nirgends so krass aufeinander in Deutschland.“

Mit zum Hauptcast gehört auch der Stuttgarter „Tatort“-Kommissar Richy Müller, der einen Immobilien-Investmanager mimt. In dieser Nacht hat er frei, dafür stehen einige bekannte Rapper vor der Kamera. Manche von ihnen haben Cameo-Auftritte, andere sogar echte Nebenrollen. Die Namen der bekannten Frankfurter Rapper will Netflix aber erst in ein paar Wochen veröffentlichen. „Rapper haben auch meist ein Schauspielergen“, sagt Produzent Keitsch.

Dennis Schanz hat sich „an die Besten“ gewendet

Der Berliner Autor und Showrunner, also der ausführende Produzent, Dennis Schanz hört Hip-Hop, seit er denken kann. „Oft bleibt man aber bei HipHop-Serien oder Filmen unbefriedigt zurück“, sagt er. „Da kann man viel falsch machen, und das wollte ich vermeiden.“ Er habe sich deshalb sofort darum gekümmert, sich „an die Besten zu wenden“.

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Für die Musik und musikalische Stimme von Jinn arbeitete er beispielsweise mit Benjamin Bazzazian zusammen. „Bazzazian ist für mich der Hip-Hop Produzent in Deutschland. Er hat auch viel mit dem Offenbacher Rapper Haftbefehl gearbeitet.“

Das Tor zur Hip-Hop- Szene in Frankfurt öffnete Schanz aber nicht Haftbefehl, sondern das hier ansässige Label 385idéal. Rap-Stars wie Olexesh und Nimo sind dort unter Vertrag. „Eine Woche durfte ich beim Label Mäuschen spielen“, erzählt Schanz.

„Ey, Brudi“: Sahin Eryilmaz und Murathan Muslu („Kalifa“).

Mit am Set ist auch Schauspielerin Peri Baumeister. Die 33-jährige Berlinerin, unter anderem bekannt als Grete Trakl aus dem Inzestdrama „Tabu“ an der Seite von Lars Eidinger oder aus der BBC-Serie „The Last Kingdom“. Bei „Skylines“ spielt sie Sara, die Vertrauenspersonführerin des Landeskriminalamtes. „Sara ist aufgewachsen in der Offenbacher Plattenbausiedlung“, erzählt Baumeister. Und sie habe eben eine Vergangenheit auf der Straße, von der sie nicht loskomme. Es mache Sara Spaß, nachzutreten, auch wenn jemand schon am Boden liege.

„Was mich an Sara gereizt hat, ist ihr Aggressionspotenzial“, sagt Baumeister, ihre Halbschwester ist Muriel Baumeister. Für die Rolle habe sie sogar Kickboxen gelernt. „Ich wollte einen Zugang finde, der ein rein körperlicher ist. So ein Gefühl von ,immer bereit sein zum Kampf‘.“

Sie selbst sei mit Hip-Hop aufgewachsen: von Tupac bis Tic Tac Toe. Und dann erzählt sie, wie vor ein paar Tagen die Kostümbildnerin in die Garderobe kam, und sagte: „Ey ,weißt du noch: Sabrina Setlur und ihr Song „Du liebst mich nicht“?“ Und dann hätten sie den Titel abgespielt. „ Und wir standen in Frankfurt, und ich konnte den ganzen Text noch auswendig“, sagt Baumeister und lacht. „Warum ich mir das merken konnte, aber Kurvendiskussionen nicht, weiß ich auch nicht.“

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