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Sanierungsarbeiten in der St. Leonhardskirche.

St. Leonhardskirche

Was Skelette über Frankfurt erzählen

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Blick in das historische Frankfurt: Ein Buch des Denkmalamts analysiert Bestattungen in der St. Leonhardskirche.  

Dass ein 800 Jahre altes Gebäude ausreichend Möglichkeiten für wissenschaftliche Untersuchungen bietet, liegt in der Natur der Sache. Wie umfangreich dies aber letztendlich im Fall der Frankfurter St. Leonhardskirche ausfällt, beweist die neuste Publikation des Denkmalamtes, die sich mit den Grabungen und Funden der vergangenen Jahre befasst.

Auf mehr als 280 Seiten gehen die Autoren sowohl auf die Archäologischen Grabungen ein, die seit 2009 vorgenommen wurden, und ziehen aus den dort gefundenen Skeletten und Gräbern Rückschlüsse auf das Leben der Menschen im Mittelalter. Im Zuge der Arbeiten wurden Überreste von mindestens 119 Individuen gefunden. Die Wissenschaftler analysierten schließlich 70 davon. „Nur vier der gefundenen Skelette waren Geistliche“, sagt Andrea Hampel, Leiterin des Frankfurter Denkmalamtes. Die anderen Überreste sind mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit der damaligen Oberschicht zuzuordnen.

Der Großteil der untersuchten Bestatteten war erwachsen, etwa ein Drittel waren Kinder oder Jugendliche. Bei den Erwachsenen konnten die Forscher den überwiegenden Teil als Männer identifizieren. Bei den Kindern gestaltete sich die Geschlechtsbestimmung als schwieriger, so dass mehr als die Hälfte unbestimmt oder indifferent blieb. Die Wissenschaftler datierten die Funde mit Ausnahme einer Bestattung im Chor auf die Zeit zwischen der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts und dem Ende des 18. Jahrhunderts. Eine Innenbestattung in Kirchen erforderte ein nicht unerhebliches Vermögen und Ansehen.

Anhand der Skelette versuchten die Wissenschaftler mehr über den Gesundheitszustand der Menschen zur damaligen Zeit herauszufinden. Dabei kam zu Tage, dass alle erwachsenen Untersuchten an Karies litten. Auch Anzeichen von Meningitis, Arthrose, Syphilis und verschiedene Knochenbrüche konnten nachgewiesen werden.

Nicht weniger spannend ist der erste Teil des Buches, der sich mit den sonstigen archäologischen Funden und der Vorgehensweise in den vergangenen Jahren beschäftigt. So wurde beispielsweise am Engelbertportal mehr als zwei Meter in die Tiefe gegraben, wo die Forscher schließlich den Fußboden aus der Anfangszeit der Kirche fanden. „Eigentlich gab es 800 Jahre lang Baumaßnahmen in der Kirche“, resümiert Andrea Hampel. Immer wieder wurden Teile angebaut oder alte Abschnitte überbaut. Interessant sind die zweiseitigen Daten zur Baugeschichte der Kirche, die auf Nachweisen von Baumaßnahmen beruhen, beispielsweise als 1605 ein Blitz einschlug oder als 1748 eine Überschwemmung für Schäden sorgte.

Die zahlreichen Bilder im Buch zeigen nicht nur die baulichen Besonderheiten der Vergangenheit, sondern dokumentieren zum Teil auch akribisch die Funde während der Arbeiten. Angefangen von den Skeletten bis hin zu Münzen, Pilgermuscheln und der im Brommenchor gefundenen Marienfigur.

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