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Bekommen Sinti und Roma ein Kultur- und Gemeindezentrum im Amt für multikulturelle Angelegenheiten? 

Frankfurt

Ein Ort für Sinti und Roma in Frankfurt

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Die Stadt Frankfurt prüft derzeit die Voraussetzungen für ein Gemeinde- und Kulturzentrum im Amt für multikulturelle Angelegenheiten.

In die Debatte über den großen Leerstand im städtischen Integrationszentrum „Stadtraum Frankfurt“ an der Mainzer Landstraße kommt Bewegung. Der Magistrat prüft derzeit die Möglichkeiten, ob ein Gemeinde- und Kulturzentrum für Sinti und Roma eingerichtet werden kann. Dem vorausgegangen ist ein Antrag der Linken im Ausschuss für Bildung und Migration.

Darin heißt es, dass das Zentrum einen Raum für Integrations- und interkulturelle Arbeit für Sinti und Roma bieten solle. Mit der Einrichtung eines Gemeinde- und Kulturzentrums in diesen Räumen würde die Stadt Frankfurt ihrem Anspruch, offen für alle zu sein, gerecht werden, heißt es weiter. Darüber hinaus könne ein Dokumentationszentrum für die Geschichte der Frankfurter Sinti und Roma angebunden werden, wo deren Geschichte vor, während und nach der Naziherrschaft aufgearbeitet würde.

Dominike Pauli, Fraktionsvorsitzende der Linken im Römer, engagiert sich schon seit vielen Jahren für die Interessen der Sinti und Roma. Das Zentrum soll nach Ansicht von Pauli Beratungen anbieten, aber auch deren Kultur durch Konzerte oder Vorträge eine breiten Öffentlichkeit zugänglich machen. Sie ist zuversichtlich, dass ihr Antrag im Stadtparlament eine Mehrheit finden wird. Sie habe „mehrere positive Signale“ von einzelnen Stadtverordneten vernommen.

Die Forderung nach einem Gemeindezentrum ist nicht neu. Vor 30 Jahren bereits gründete sich der Vorläufer des Fördervereins Roma, der „Verein zur Schaffung eines Roma-Gemeindezentrums“. Joachim Brenner, Vorsitzender des Vereins, ist „zweckoptimistisch“, wie er sagt. „Die positiven Rückmeldungen der Stadtverordneten freuen mich.“

„Anlass und Gründe für ein Gemeindezentrum gibt es ja genügend“, sagt er. Dies seien zum einen historische Gründe. „Die Stadt Frankfurt war tief verwickelt in die Deportation von Sinti und Roma und deren Verfolgung“, sagt Brenner. In dem geplanten Dokumentationszentrum könnte die Frankfurter NS-Zeit aufgearbeitet werden, aber auch die Zeit danach. „Nach 1945 sind viele Roma, vor allem aus Osteuropa, nach Frankfurt geflüchtet. Doch in der Gesellschaft sind sie nie angekommen.“

Denn in der Stadt gebe es eine „festzustellende Diskriminierung und Ausgrenzung“, sagt Brenner. Er erinnert an die brennenden Baracken in Fechenheim im September des Jahres 2016. Die Brandursache ist bis heute nicht aufgeklärt. Oder die Wohnwagensiedlung Bonameser Straße, die seit 53 Jahren in Eschersheim besteht. Den etwa 80 Bewohnerinnen und Bewohnern drohen Kündigungen und Zwangsräumungen. Anfang des Jahres kritisierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in einem offenen Brief die Stadtregierung, wie die FR berichtete.

„Diese Menschen brauchen einen Zufluchtsort, wo sie frei sind von tagtäglicher Diskriminierung, Übergriffen, Rassismus und Gewalt,“, sagt Brenner. Er betont abschließend, dass es vor allem wichtig sei, die zentralen Akteure aus Förderverein, Zentralrat und Landesverband deutscher Sinti und Roma in die Planung miteinzubeziehen.

Ob aus diesem Gemeinde- und Kulturhaus für Sinti und Roma letztendlich etwas wird, ist noch völlig offen. Die Prüfung des Magistrats laufe und sei noch nicht abgeschlossen, sagt Jan Pasternak, Sprecher von Integrationsdezernentin Sylvia Weber (SPD). Danach muss der Antrag eine Mehrheit in der Stadtverordnetenversammlung finden. Eine solche Einrichtung sei jedenfalls „sinnvoll und begrüßenswert“, findet Pasternak.

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