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Einmal in der Woche probt der Chor Phosannajets in Unterliederbach, neue Mitglieder sind stets willkommen.

Frankfurt-Unterliederbach

Singen ist wie eine Sprache lernen

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Im Gemeindechor "Phosannajets" der St. Johannes Apostel in Unterliederbach musizieren seit zehn Jahren Anfänger und Fortgeschrittene gemeinsam. Das liegt vor allem am engagierten Chorleiter Dominik Herrmann.

Die „Phosannajets“ sind kein gewöhnlicher Gemeindechor. Zwar wurde die Formation 2007 als Chor der St. Johannes Apostel in Unterliederbach gegründet. Aber die Musiker haben mehr als nur Kirchenmusik zu bieten. „Das Besondere ist die Stimmvielfalt“, erklärt Chorleiter Dominik Herrmann. Die Bandbreite reiche von der 16-jährigen Schülerin bis zum 60-jährigen Senior. „Das spiegelt sich positiv im Klang wieder.“ Eine Kostprobe ist am Samstag zu hören. Da feiert das Ensemble sein zehnjähriges Bestehen.

Alter oder Vorerfahrung der Sänger spielen seit jeher eine sekundäre Rolle. „Dominik vertritt die Ansicht, dass man das Singen wie eine Sprache lernen kann“, erklärt Chorsprecherin Simone Hacker. Der diplomierte Gesangspädagoge fordere und fördere seine Schützlinge kontinuierlich. „Er traut uns mehr zu, als wir uns selbst vornehmen würden.“

Hacker ist Chormitglied der ersten Stunde. 2007 mit acht Sängern angefangen, zählt das Ensemble heute 16 Mitglieder. „Eigentlich gab es in Unterliederbach immer einen katholischen Gemeindechor“, erinnert sie sich. Sie selbst sei mit der Kirchenmusik aufgewachsen. „Eine Zeit lang lag die Chorlandschaft brach, weil ein Mentor fehlte.“ Als Herrmann sich 2008 als Chorleiter bewarb, „war es Liebe auf den ersten Blick“, scherzt sie. Immer mehr Sänger schlossen sich fortan den Phosannajets an. „In Spitzenzeiten waren wir 26“, sagt Hacker. „Und es dürfen gerne wieder mehr werden.“

Mit dem neuen Ensemble sei der Stadtteil belebt worden. Zugezogene hatten die Möglichkeit, sich über den Chor in der Gemeinde einzubringen. „Eine junge Mutter fand nach der Elternzeit bei uns Anschluss“, erzählt Hacker. Inzwischen habe die Unterliederbacherin drei Kinder und käme nach kürzeren Pausen stets gerne zurück zur Probe.

Einmal die Woche trifft sich der Chor zum Üben. Durch die Ankoppelung an die Kirche St. Johannes Apostel fällt kein Mitgliedsbeitrag an, dafür spielt die Formation bis zu vier Konzerte im Jahr für die Gemeinde. Neben den Auftritten in Gottesdiensten veranstalten die Phosannajets auch ein Adventssingen und treten bei Taufen oder Hochzeiten auf. „Ein Highlight war das Bartholomäus-Fest im Dom am Römer“, erinnert sich Hacker. Alle katholischen Chöre aus Frankfurt seien 2011 eingeladen worden, um dort gemeinsam aufzutreten. „Das war ein Gänsehautmoment, zumal wir im großen Rahmen zeigen konnten, was wir können.“

Als ausgebildeter Musiker bringt Dominik Herrmann ein großes Repertoire mit, über das andere Gemeindechöre nicht verfügen. Neben neuen geistlichen Liedern im Popgewand studiert der Chor klassische, barocke und jüngere weltliche Lieder in deutscher, englischer, französischer oder lateinischer Sprache ein – oftmals begleitet von Orgel, Schlagwerk und Klavier. „Wir hatten auch einen Schauspieler dabei, der unsere Musik szenisch inszenierte“, erzählt Herrmann.

Was anspruchsvoll klingt, ist reine Übungssache. „Dominik ist ein Zauberer, er hat jedem das Singen beigebracht.“ Spaß an der Sache und Motivation zum Lernen seien die einzigen Voraussetzungen – und das verkörpere die ganze Gruppe. „Unsere 16 Mitglieder bringen es auf die Stimmkraft von 30 Sängern“, meint Herrmann. „Darauf bin ich schon stolz.“ Da fällt es ihm nicht leicht, die Chorleitung nach zehn Jahren abzugeben. „Ich arbeite hauptberuflich als Musiker und habe einfach nicht mehr die Zeit dafür“, erklärt er. Und so wird das Konzert am Samstag zugleich seine Abschiedsvorstellung sein.

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