+
Thorsten Lieb will Energie aus dem Industriepark nutzen.

Kommunalwahl 2021

„Singapur kann Vorbild für Frankfurt sein“

  • schließen

Der Frankfurter FDP-Chef Thorsten Lieb spricht im FR-Interview über das Zukunftskonzept seiner Partei.

Der Frankfurter FDP-Vorsitzende Thorsten Lieb hat auf dem Dreikönigstreffen des Kreisverbands ein Zukunftskonzept für die Stadt angekündigt. Was darunter zu verstehen ist, erklärt er im Interview mit der FR.

Herr Lieb, Sie sprechen von einem Zukunftskonzept für Frankfurt, aber verbirgt sich dahinter nicht einfach nur das Kommunalwahlprogramm der FDP?

Wir wollen in einem Konzept darstellen, wie sich Frankfurt in den nächsten zehn oder zwanzig Jahren entwickeln soll. Richtig ist, dass sich daraus unser Wahlprogramm ergibt, das wir im Oktober verabschieden wollen. Spannend ist, wie wir die Themen erarbeiten. Wir haben Werkstätten gegründet, in denen die Experten der Partei über die einzelnen Felder beraten. Den Anfang haben wir im vergangenen Jahr mit der Verkehrspolitik gemacht, Ende Januar folgt der Komplex „Bauen, Wohnen und Planen“.

Ihr Verkehrskonzept hat damals für einige Verwunderung gesorgt. Ausgerechnet die FDP, die vielerorts noch als die Autofahrer-Partei schlechthin gilt, setzt sich für eine weitgehend autofreie Innenstadt ein.

Diese Zuspitzung, dass wir bei der FDP allesamt notorische Autofahrer seien, ist natürlich Quatsch. Ich fahre zum Beispiel jeden Tag von Kalbach mit der U-Bahn ins Büro. Ich wäre doch verrückt, würde ich mich mit dem Auto durch die Innenstadt quälen. In der Tat kann die City weitgehend autofrei werden, wenn es andere Angebote gibt. Deshalb muss der ÖPNV attraktiver werden.

Trotzdem: Wenn ausgerechnet die FDP für weniger Autos in der Innenstadt plädiert, was fordern Sie dann beim Komplex Bauen und Wohnen? Die Mietpreisbremse?

Thorsten Lieb ist Kreisvorsitzender der Freidemokraten in Frankfurt.

Mit Sicherheit nicht, denn das wäre kontraproduktiv. Frankfurt ist eine Stadt für alle, auch Krankenschwestern und Polizisten sollen hier leben können ...

Das können sie angesichts der hohen Mieten aber oft nicht. Dagegen tut die FDP nichts, weil sie nicht in den Markt eingreifen will.

Mit Marktwirtschaft alleine wird der Wohnungsmangel in Frankfurt nicht verschwinden, das ist uns auch klar. Es nutzt aber auch nichts, mit neuen Regularien Investoren abzuschrecken. Wie gesagt: Frankfurt ist eine Stadt für alle. Aber wir werden nicht für jeden eine Wohnung im Westend bauen können. Grundsätzlich müssen wir jedoch ohnehin über ganz andere Konzepte nachdenken und dabei auch weit über den Tellerrand hinausschauen. Nehmen Sie das Beispiel Singapur. Dort gibt es noch viel stärker als hier das Problem, dass viele Menschen auf engem Raum unterkommen müssen. Deshalb hat man dort weite Teile der Infrastruktur unter die Erde verlegt. Das wäre doch auch ein Vorbild für Frankfurt.

Was meinen Sie konkret?

Wenn wir jetzt darüber sprechen, ob der Fernverkehr der Bahn auch unterirdisch durch Frankfurt fahren kann, lassen Sie uns doch größer denken. Können wir nicht weite Teile des Straßennetzes unter die Erde verlegen und den Raum darüber anders nutzen?

Das wichtigste Thema bei den vergangenen Wahlen war der Klimaschutz. Macht Ihnen das Sorgen, schließlich wird dieser Komplex nicht gerade mit der FDP in Verbindung gebracht?

Richtig ist, dass die FDP in den vergangenen Jahrzehnten in den Augen der Wählerinnen und Wähler nicht unbedingt für Klimaschutz stand. Das muss sich ändern. Es ist innerhalb der Partei ja auch völlig unstrittig, dass die Umweltbelastung so nicht weitergehen kann. Das sehen Sie ja auch an unserem Verkehrskonzept. Aber auch in diesem Punkt fehlt es in der aktuellen Stadtregierung an Ideen und Innovation. Wenn von der Verkehrswende die Rede ist, geht es fast immer nur um Elektromobilität. Dabei wäre es viel sinnvoller, auch auf Wasserstoff zu setzen – nicht nur für ein paar Linienbusse. Wir haben in Frankfurt ja einen Schatz vor der Haustür. Im Industriepark Höchst entsteht bei ganz vielen Prozessen Wasserstoff, der derzeit noch weitgehend ungenutzt entweicht.

Interview: Georg Leppert

Nach der Ministerpräsidenten-Wahl in Thüringen: Der Frankfurter FDP-Chef Thorsten Lieb sieht im FR-Interview die Wahl seines Parteifreundes Thomas Kemmerich in Thüringen kritisch - zeigt aber auch Verständnis.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare