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Ponyreiten im Meisterpark: Die dreijährige Emilia genießt den Ausflug auf Julchen.  

Sindlingen

Villa Meister Sindlingen: Reiter wollen bleiben

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Ortsbeirat kritisiert, die Stadt habe die gute Gelegenheit verpasst, das Anwesen zu in Frankfurt-Sindlingen kaufen. Und damit ihrem eigenen Entwicklungskonzept 2030 widersprochen.

Der Reiterverein Sindlingen kämpft um seine Existenz und sein Vereinsgelände – die Ställe der Villa Meister und den dazu gehörenden Park. Das Anwesen hat die Erbengemeinschaft jüngst an die Cairos-Gruppe verkauft (die FR berichtete). Was die neuen Eigentümer vorhaben, ist noch nicht bekannt. „Wir sind aber zuversichtlich“, sagt Yvonne Rimkus vom Reiterverein, „dass auch die neuen Eigentümer die Arbeit des Vereins und seine Bedeutung für Sindlingen anerkennen.“

„Wir sind Teil des Lebens von Sindlingen“, sagt Rimkus. So richtet der Verein Feste aus, sommers wie winters, auch einen Tag der offenen Stalltür. Vor allem Familien mit kleinen Kindern freut das, die bei diesen Gelegenheiten auf den Ponys reiten. Seit Mai führt der Verein in Kooperation mit der Meisterschule eine Reit-AG durch, um Stadtkinder mit Tieren in Kontakt zu bringen. Und nebenbei ans Reiten und den Verein heranzuführen. Reitunterricht für Flüchtlinge hat die Sindlinger 2017 zum Stützpunktverein „Integration durch Sport“ des Deutschen Olympischen Bundes gemacht.

Wegen eines möglichen Verkaufs sei der Club stets im Austausch mit der Erbengemeinschaft gewesen, sagt Rimkus. Dabei war eine – zumindest befristete – Verlängerung des Pachtvertrags durchaus Thema. Mit den neuen Eigentümern haben sich die Reiter noch nicht ausgetauscht. „Somit können wir nicht sagen, ob wir langfristig den Reitbetrieb hier fortführen können“, sagt Rimkus. Nach Vertragslage müsste der Verein das Gelände Ende des Jahres räumen.

Der Ortsbeirat 6 hat in seiner Sitzung am Dienstag Kritik am Vorgehen des Magistrats geübt – das Anwesen nicht zu erwerben, was die SPD vorgeschlagen, die CDU aber abgelehnt hatte. Einen bissigen Antrag der Linken im Ortsbeirat hat das Gremium mehrheitlich beschlossen. Beim Beispiel Villa Meister widerspreche die Stadt ihrem eigenen Entwicklungskonzept 2030, moniert die Linke. Darin sei von einer aktiven Liegenschaftspolitik die Rede, also dass die Stadt gezielt Flächen oder Bauten für eine kommunale Nachnutzung ankaufen möchte.

Demnach hätte die Stadt zugreifen müssen, sagt Fraktionssprecherin Dominike Pauli. Über die Nutzung hätte eine Stadtteil-Planungswerkstatt brüten können. Eine „profitable Investition“ wäre es bestimmt gewesen, glaubt auch Fraktionskollege Dieter Storck. Sonst hätte der Investor ja nicht zugeschlagen.

Der habe aber andere Möglichkeiten, findet dagegen die CDU, etwa, hochpreisiges Wohnen zu ermöglichen und so eine Rendite einzufahren. Für eine kommunale Nutzung wäre „kein wirtschaftlich tragfähiges Konzept“ möglich gewesen, sagt Albrecht Fribolin. Immerhin müsse der Hausherr einen hohen zweistelligen Millionenbetrag in die Sanierung stecken.

Das Tor des Parks möchte auch Fribolin nicht für immer geschlossen sehen. Das befürchten aber viele, wenn auf dem Gelände tatsächlich hochpreisiges Wohnen entstehen sollte. Auch den Reiterverein sieht Fribolin an Ort und Stelle. Der Lokalpolitiker hofft, dass die Stadt im Zuge anstehender Baugenehmigungen die Möglichkeit hat, den neuen Eigentümern Vorgaben in diese Richtung zu machen.

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