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Mit Drachenmut den Grüngürtel verteidigen!

Grüngürtel

Wir sind schuld

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Sollte der Frankfurter Grüngürtel nicht zu retten sein, liegt das an uns – genau wie beim Klima. Zwei Faktoren spielen dabei die Hauptrolle.

Am Ende der Woche das Resümee. Unsere ein wenig freche These lautete ja bekanntlich diesmal: „Der Grüngürtel ist nicht zu retten.“ Und? Ist er wirklich nicht zu retten? Nach allem, was wir wissen: nein. Tatsächlich nicht.

Viele kämpfen zwar für ihn, aber bisher reicht das nicht, und zwar aus zwei gewichtigen Gründen: Siedlungsdruck und Klimakrise. Die zwei Gründe haben auch zwei Verursacher, also zwei Schuldige: dich und mich.

Wir sind schuld, du und ich, weil wir Fleisch essen. Das provoziert Flächenverbrauch für die Weiden, auf denen die Tiere grasen, und für den Anbau des Kraftfutters, das die Tiere schneller wachsen lässt, damit wir sie schneller auf dem Teller haben, du und ich. So verursachen wir mehr schädliche Gase und haben weniger Bäume übrig, die gutes Gas produzieren – Klima kaputt, Wald kaputt, Grüngürtel kaputt.

Wir sind schuld, weil wir mit dem Flugzeug fliegen, du und ich. Wir könnten den Zug nehmen, aber hey: Der Flieger ist nur halb so teuer. Verrückt eigentlich, aber wenn die Preise nun mal so sind, wären wir ja doof, das teurere Verkehrsmittel zu nutzen. Oder sind wir womöglich doof, gerade weil wir das billigere Verkehrsmittel nutzen? Stopp, hier sollen ja nicht schon wieder Fragen stehen, sondern Antworten. Also: Fliegen (oder Kreuzfahrtschiff fahren) bedeutet CO2-Belastung – Klima kaputt, Wald kaputt, Grüngürtel kaputt.

Schuld sind wir auch, du und ich, weil wir mit dem Auto fahren. Wir könnten das Fahrrad nehmen, den Bus oder die Bahn. Dann brauchen wir länger. Aber ist das schlimm? Das entschleunigt doch! Schon, und dennoch wäre es absolut logisch, das Verkehrswesen so umzubauen, dass wir mit Rad und Bahn besser vorwärtskommen als mit dem Auto, denn es verursacht CO2 in Produktion und Betrieb – Klima, Wald, Grüngürtel kaputt.

Wir sind außerdem schuld, weil wir nach Frankfurt ziehen, in die kleine Metropole, die schon aus den Nähten platzt. Das muss ich jetzt leider dir ankreiden, denn ich wohne ja schon hier. Du aber willst hinein in die Stadt, obwohl unsere Mieten bereits so albern teuer sind, dass man sich darüber kaputtlachen müsste, wäre es nicht so traurig. Damit du auch noch Platz in der Stadt findest, müssen Äcker bebaut werden, Räume verdichtet, Kaltluftzonen verriegelt. Ergo: Damit mehr Menschen reinpassen, wird der Platz für Tiere und Pflanzen verknappt und damit auch das Wohlfühlgefühl der Menschen. Ich weiß, du kannst nichts dafür, aber sorry: Du machst langfristig den Grüngürtel kaputt.

Wir sind auch schuld, du und ich, weil wir glauben, dass es noch einen dritten Schuldigen gibt: den Politiker. Der hat doch den ländlichen Raum ausbluten lassen! Der hat doch zugesehen, wie die idyllischen Dörfer zugrunde gehen, weil die Mega-Einkaufszentren auf der grünen Wiese auch den letzten Tante-Emma-Laden plattgemacht haben! Der hat doch seit Jahrzehnten den Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs so verschleppt, dass manche Regionen total abgehängt sind! Dieser Politiker ist es doch, der unserer alternden Gesellschaft die pure Panik in die Glieder treibt bei dem Gedanken, krank und bettlägerig in einem Geisterdorf zu vegetieren, das früher so schön war, aus dem aber längst alle geflohen sind, die noch kriechen können, kein Arzt mehr vor Ort, kein Bäcker und schon lang kein Mensch mehr hinter einem Sparkassentresen! Der war es doch, dieser Politiker, der Zugtickets hat teurer werden lassen als Flugtickets! Und der hat doch die Menschen mit Privatfernsehen und Internet so verblödet, dass sie ihn dauernd wiederwählen.

Oder Moment – ist das vielleicht gar kein dritter Schuldiger? Bist du der Politiker? Und ich bin dein Wähler? Dann wäre ja doch noch Hoffnung. Dann könntest du das ja alles noch ändern. Und ich könnte sagen: Wenn du das nicht sofort änderst, Politiker, dann wähle ich dich halt nicht. Dann wähle ich nämlich die andere Politikerin, die mein Klima rettet und meinen Grüngürtel (und auch mein Sozialwesen, nebenbei bemerkt, meine menschenfreundliche Solidargemeinschaft, aber das hängt sowieso alles zusammen).

Wie sieht’s aus, gibt es diese Politikerin, gibt es sogar mehrere von ihr, die mit ihrer Partei und ihrer Koalition all jene völlig logischen Schritte fürs Klima und fürs friedliche Zusammenleben durchsetzen? Im Prinzip schon, denn das bist ja du. Ich als Wähler muss dir nur klarmachen, dass du nicht drum herum kommst. Es lohnt sich – der Grüngürtel ist nämlich viel zu schön, um ihn zu verlieren.

FR-Stadtgespräch

Frankfurt wächst: Unter diesem Motto steht auch ein FR-Stadtgespräch zu unserer Serie, zu dem die Frankfurter Rundschau für Donnerstag, 12. September, 19 Uhr, in das Haus am Dom, Domplatz 3, einlädt.

Wie viel Wachstum verträgt die Stadt noch? Wo können neue Wohnungen entstehen? Wie kann Frankfurt eine Stadt für alle bleiben? Was kann die Politik tun, damit die Mieten nicht noch weiter steigen? Solche Fragen stehen im Mittelpunkt der Diskussion.

Auf dem Podium sprechen Planungsdezernent Mike Josef (SPD), Lisa Hahn von der Initiative Mietentscheid, Architekt Stefan Forster und Bauunternehmer Wolfgang Ries. Die FR-Redakteure Claus-Jürgen Göpfert und Georg Leppert moderieren. (cm)

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