"Ärzte gegen Tierversuche" in Frankfurt

Protest gegen Tierversuche

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Die "Ärzte gegen Tierversuche" organisieren einen stummen Protest auf der Zeil. Die Kundgebung richtet sich auch gegen Frankfurter Forscher.

Die Frankfurter Forscher spritzen Mäusen fünf Millionen Krebszellen unter die Haut. Dann behandeln sie die Tiere mit unterschiedlichen Wachstumsfaktoren. Bei einigen Tieren verändern sich die Tumore eitrig oder geschwürartig, manche leiden bald unter Apathie, Zittern, Atembeschwerden, Durchfall, einer Blaufärbung der Haut und sinkender Körpertemperatur. „Zwölf Tage nach Injektion der Krebszellen werden die Mäuse getötet“, heißt es weiter. „Die Erkenntnis ist, dass die Gabe von Wachstumsfaktoren das Tumorwachstum fördert.“

Berichte wie diesen sammelt der Verein Ärzte gegen Tierversuche, und auch in Frankfurt wird er fündig. Manches liest sich paradox, wie der Krebstest an den Mäusen mit seinem naheliegenden Ergebnis. Noch fragwürdiger erscheint, was andere Frankfurter Forscher Ratten antun: Sie verabreichen den Tieren Alkohol per Sonde direkt in den Magen, nehmen ihnen später so viel Blut ab, dass ein tödlicher Blutungsschock eintritt, und beleben sie mit einer Infusion samt dem zuvor abgenommenen Blut wieder.

Dann töten sie die Ratten. „Die Autoren schließen, dass nach einem starken Blutverlust mit anschließender Wiederbelebung eine Alkoholvergiftung die Überlebenschance erhöht“, fassen die Tierversuchsgegner zusammen und urteilen: Das Beispiel zeige, „wie realitätsfern und absurd Tierversuche sind“.

Dass solche Praktiken aufhören müssen, fordern viele Kritiker mit Protestaktionen rund um den internationalen Tag zur Abschaffung der Tierversuche. Am heutigen Samstag gehen sie auch in Frankfurt auf die Straße, in OP-Kitteln, mit Schildern mit markanten Sätzen in der Hand. „Silent Line“ heißt die Demonstrationsform, gesprochen wird nicht. „Wir klagen stumm an“, sagt Simone Peters, die Sprecherin der Frankfurter Ärzte gegen Tierversuche. Wer Fragen hat, kann sich an die Vereinsmitglieder wenden, die dabei sind. „Wir geben Auskunft über die Aktion und haben auch Infomaterial dabei“, sagt die Sprecherin.

Jedes Jahr müssten etwa 2,8 Millionen Mäuse, Ratten, Kaninchen, Fische und andere Tiere in deutschen Laboren im Namen der Forschung leiden und sterben, schickt der Verein seinen Aktionen in 23 deutschen Städten voraus. Rund 115 000 dieser Tiere seien besonders leidvollen Versuchen unterworfen. Die Regierung lasse die Möglichkeit ungenutzt, solche Praktiken zu verbieten, kritisieren de Ärzte.

Wie ist die Lage in Frankfurt? „Wir haben hier die Goethe-Uni, einen ganz großen Platz für Tierversuche“, sagt Simone Peters. Ein Großteil werde geheimgehalten, und sehr oft seien die Tests nicht nur unnötig, sondern gefährlich. Ein erheblicher Anteil der an Tieren scheinbar mit positivem Effekt getesteten Medikamente würde sich beim Menschen als lebensbedrohlich erweisen und müsste vom Markt genommen werden, berichtet die Sprecherin. „Davon weiß kaum jemand. Deshalb stellen wir uns mit Mahnwachen auf die Straße.“

Die Datenbank des Vereins im Internet sei frei zugänglich. „Unsere Motivation ist der Tierschutz“, sagt Peters.

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