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Hessisches Silvester wie vor Corona

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Von: Timur Tinç

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Auf der Frankfurter Zeil wird in der Silvesternacht ein Lagerfeuer entfacht.
Auf der Frankfurter Zeil wird in der Silvesternacht ein Lagerfeuer entfacht. © Rolf Oeser

Zehntausende feiern in der Frankfurter Innenstadt. Laut Polizei bleibt es in allen hessischen Städten weitgehend friedlich. Ein Supermarkt in Bonames brennt aus.

Arbeitsintensiv, aber friedlich. So bilanziert die Frankfurter Polizei die Silvesternacht, die nach zwei Jahren ohne jegliche Corona-Beschränkungen stattfand. Mehrere Zehntausend Menschen haben den Jahreswechsel von 2022 auf 2023 in der Frankfurter Innenstadt gefeiert. Schon ab 22 Uhr wurde am Mainufer kontinuierlich geböllert und Raketen in die Luft geschossen.

Allerdings stellte die Polizei auch fest, dass mehrere Menschen in Höhe der Konstablerwache und Hauptwache sich gegenseitig oder Autos mit Feuerwerk beschossen. Personen seien aber nur vereinzelt verletzt worden.

Im Verlauf der Nacht kam es laut Polizei zu 52 „freiheitsentziehenden Maßnahmen“. Dazu zählen sowohl Festnahmen wegen Körperverletzungsdelikten, Verstößen gegen das Waffengesetz sowie wegen des Verdachts der sexuellen Nötigung und Sachbeschädigung. Hinzu kamen „Ingewahrsamnahmen von aggressiven oder stark betrunkenen Personen“. Bislang wurden 65 Strafanzeigen gestellt. Den größten Brand gab es in Nieder-Eschbach. Im Ben-Gurion-Ring brannte ein Tedi-Markt aus, der daher auf unbestimmte Zeit nicht öffnen kann. Die Polizei schätzt den Schaden auf 100 000 Euro. Sie nahm zwei Tatverdächtige fest. Verletzt wurde niemand, eine bettlägerige Frau in der Wohnung über dem Supermarkt habe betreut werden müssen, hieß es. Doppelt so hoch war der Schaden in einem Autohaus in Lohfelden. Dort sind drei Fahrzeuge abgebrannt.

Die Frankfurter Feuerwehr hatte 232 Rettungsdienst- und 146 Feuerwehreinsätze zwischen 20 und 5 Uhr. „Es war ein Silvester, wie man es zwei Jahre lang nicht kannte und wie es vor Corona war“, sagte ein Sprecher der Feuerwehr. Bei den Bränden habe es sich meist um kleinere Einsätze gehandelt, etwa Feuer in Mülltonnen. Allerdings standen neben dem Supermarkt auch ein Balkon und mehrere Gartenhütten in Flammen.

Die Rettungswagen hätten sich vor allem um chirurgische Verletzungen sowie medizinische Notfälle wegen Alkohols kümmern müssen. In der Berufsgenossenschaftlichen Unfallklinik (BGU) Frankfurt wurden 15 Personen mit Böllerverletzungen versorgt. „Die meisten vor Mitternacht“, berichtet Oberarzt Stefan Barzen am Sonntagvormittag. Dabei habe es sich um Verbrennungen im Unterarm- und Handbereich gehandelt. Ansonsten seien um die 25 Personen über die Nacht verteilt in die Ambulanz gekommen. Darunter viele Schnittverletzungen bei Stürzen in Glasscheiben. Hinzu kamen Verletzte nach zwei Verkehrsunfällen. „Für einen Silvesterdienst war es erfreulich normal“, sagte Barzen. Die Befürchtungen, dass deutlich mehr los sein würde, habe sich nicht bestätigt.

Das gilt für ganz Hessen. „Es ist nichts Größeres passiert“, hieß es aus dem Lagezentrum der Polizei in Wiesbaden am Sonntag. Auch für Nordhessen sprach ein Sprecher des Polizeipräsidiums Kassel von einem ruhigen Verlauf. „Es war eine normale Silvesternacht wie vor drei Jahren auch“, sagte er. In der Bilanz des Polizeipräsidiums in Offenbach war am Sonntag von einem „insgesamt relativ friedlichen und weitgehend unspektakulären Jahreswechsel“ die Rede. Am Sonntagnachmittag wurde bekannt, dass ein 19-Jähriger in Dreieich im Kreis Offenbach in der Silvesternacht zwei Feuerwehrleute mit Reizgas angegriffen und verletzt hatte.

„Es war ruhig. Die Temperaturen waren gut, so dass die Leute mehr rausgegangen sind“, meldete das Polizeipräsidium in Darmstadt. In Südhessen seien die spektakulärsten Ereignisse der Nacht Mülltonnen- und Heckenbrände gewesen. Die Silvesterfeiern seien ohne besondere Vorkommnisse zu Ende gegangen. Ein Sprecher der Polizei in Wiesbaden sagte, „es war der normale Wahnsinn, aber kein Riesen-Highlight“.

Wie die Feuerwehr mitteilte, gab es zwischen 20 Uhr am Samstag und 8 Uhr am Sonntag mehr als 40 Feuerwehreinsätze, etwa wegen brennender Mülltonnen oder als eine Silvesterrakete durch ein offenes Fenster in ein Hotelzimmer flog. Rund 110-mal musste in der Landeshauptstadt der Rettungsdienst ausrücken, überwiegend wegen Handverletzungen beim Böllern oder Alkoholvergiftungen. mit dpa

Transparenzhinweis: Wir haben die Angabe des Frankfurter Stadtteils, in dem ein Ladengeschäft brannte, in „Nieder-Eschbach“ geändert. Zudem wurde der Laden präziser als Tedi-Markt benannt. (In ersten Informationen hieß es, es handle sich um einen Supermarkt in Bonames.)

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