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Chef Tufan Atilla Özden nimmt auch mal seinen Bruder Atakan Özden für das Foto in den Würgegriff.

Gallus

Sein eigener Bodyguard sein

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Die bundesweite Kampfkunst-Akademie All-Aacht findet immer mehr Anhänger. Allein in Frankfurt lassen sich 350 Mitglieder regelmäßig in Selbstverteidigung ausbilden. Mit dabei sind Ärzte, Bänker, Polizisten und Security-Mitarbeiter. Am Samstag und Sonntag, 3. und 4. November, ist Tag der offenen Tür im Gallus.

Heiko Diefenbacher atmet tief ein, dann atmet er aus. Seine Hände schweben vor ihm in der Luft, die Finger hat er kerzengerade ausgestreckt. Nur ab und zu bewegt er sich, macht einen Schritt nach vorne oder lässt die Hände kreisen. Runterkommen, konzentrieren, den eigenen Körper spüren. Diefenbacher trägt einen dunklen Trainingsanzug, er kommt gerade von der Arbeit. Der Frankfurter ist im Vertrieb tätig und ständig auf Achse. „Ich habe den ganzen Tag Stress“, sagt er. „Aber hier kann ich mich komplett gehen lassen.“

Während Diefenbacher und die anderen Besucher sich aufwärmen, sitzt Tufan Atilla Özden hinter einem schwarzen Holzschreibtisch. Der 33-Jährige ist der Inhaber der All-Aacht-Kampfkunst-Akademie in der Mainzer Landstraße. Die Schule wirbt mit dem Slogan „Ich bin mein eigener Bodyguard“ und hat in den vergangenen Jahren großen Zulauf erfahren. 350 Mitglieder kommen regelmäßig zum Selbstverteidigungstraining vorbei. „Die Leute wollen sicher sein, wenn sie spät aus dem Haus gehen“, sagt Özden. Vor allem seit den Vorfällen an Silvester in Köln sei das zu spüren.

Die Kampfkunst All-Aacht hat sein Vater Birol Baris Özden in den Achtzigerjahren entwickelt. Der Senior ist ein angesehener Kungfu-Großmeister, der nach eigenen Angaben schon mehr als 150 000 Schüler auf der ganzen Welt unterrichtet hat. Vor Jahren hat Tufan Atilla Özden die Geschäfte vom Papa übernommen, neben der Akademie im Gallus, die es seit 2008 gibt, findet man 16 weitere in der Bundesrepublik, in Hamburg, Dortmund, Stuttgart oder Köln.

Beim All-Aacht-Selbstschutz geht es in erster Linie um Effektivität. Und um Notwehr. „Unser Ziel ist es, dass man einen Kampf nach maximal acht Sekunden für sich entscheidet“, sagt Özden. Der beste Kampf sei natürlich der, der gar nicht erst beginne. „Aber wenn es nicht mehr zu verhindern ist, muss man was Effektives haben, dann muss man in Millisekunden reagieren.“ Özden bringt seinen Schülern bei, die Schwachpunkte des Gegners zu attackieren. „Augen, Unterleib, Gelenke – das funktioniert immer.“ Nach acht bis zwölf Monaten an der Akademie sei man „verteidigungsfähig“, verspricht Özden, „auch gegen mehrere Gegner“. Die Bewegungen beim All-Aacht sind rund, weich, fließend. So wie die Ziffer 8 – daher der Name. Doch bei der Methode geht es um mehr als ums Kämpfen. „Es geht um Willensstärke, Durchhaltevermögen, Ehrgeiz“, erklärt Özden, „darum, dass man sich selbst kennenlernt.“

Die Akademie ist sieben Tage die Woche geöffnet, von frühmorgens bis spätabends, zehn Gruppen gibt es, dazu Einzel- und Personal-Coachings. Security-Mitarbeiter und Polizisten gehören zur Klientel, auch Ärzte und Bänker. Die Selbstverteidigung spielt immer eine Rolle, genauso Krafteinheiten und Mental-Coaching. „Man muss nicht kämpfen, man kann hier auch einfach Dampf ablassen, Stress abbauen“, sagt Özden.

Wer sich selbst ein Bild von der All-Aacht-Akademie machen will, der kann Samstag, 3., oder Sonntag, 4. November, beim Tag der offenen Tür vorbeischauen, jeweils von 12 bis 18 Uhr, Mainzer Landstraße 250-254. So hat einst auch Heiko Diefenbacher seine Leidenschaft für die Kampfkunst entdeckt. Er fuhr mit dem Rad durch Frankfurt, sah, dass die Akademie einen Tag der offenen Tür veranstaltete, und ging hinein. „Ich habe nicht gesucht“, sagt er, „aber All-Aacht hat mich gefunden.“

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