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Seit Ende August wird auf dem Gelände „In der Römerstadt 126-134“ unter der Leitung des Denkmalamtes archäologisch gegraben.
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Seit Ende August wird auf dem Gelände „In der Römerstadt 126-134“ unter der Leitung des Denkmalamtes archäologisch gegraben.

Archäologie in Frankfurt

Siedlung Römerstadt: Ortsvorsteherin fürchtet um römisches Erbe

  • Andreas Hartmann
    VonAndreas Hartmann
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Das Denkmalamt Frankfurt beginnt mit Ausgrabungen auf einem künftigen Baugrundstück in der Siedlung Römerstadt - Ortsvorsteherin Katja Klenner ist fassungslos.

Eine Frankfurter Sehenswürdigkeit liegt so gut versteckt in der Siedlung Römerstadt, dass selbst Ortsvorsteherin Katja Klenner (CDU) sie bisher erst einmal bei einer Begehung mit dem Ortsbeirat besuchen konnte. „Es kommen Fachleute aus der ganzen Welt, um sich den außergewöhnlich gut erhaltenen antiken Töpferofen, der hier ausgegraben wurde, anzusehen“, sagt sie. Eine Hütte schützt den Fund vor Verwitterung.

Nun soll das zugewucherte Grundstück, eine der letzten Freiflächen hier, bebaut werden, der Ofen würde dann vermutlich weichen müssen. „Das ist ein Frevel an der Geschichte. Wir können nicht nachvollziehen, warum die Stadt so wenig Interesse an ihrem römischen Erbe hat“, sagt Ortsvorsteherin Klenner. Am Montag haben die archäologischen Ausgrabungen in einer Ecke des Areals begonnen, sehr zum Ärger des Ortsbeirats, der sich übergangen fühlt. Denn das sei wohl der entscheidende letzte Schritt vor einer Bebauung, fürchtet Klenner. „Wäre nicht zufällig kürzlich ein Mitglied vorbeigelaufen und hätte bemerkt, dass hier Arbeiten vorbereitet werden, hätten wir davon nichts mitbekommen“, sagt sie im Namen des Ortsbeirats 8 (Heddernheim/Niederursel/Nordweststadt).

Eigentlich sind es zwei nebeneinander liegende Grundstücke, das eine gehörte früher der Stadt Frankfurt, das andere war ein US-Militärgelände und wurde nach dem Abzug der Amerikaner an die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) übertragen. Archäologisch gegraben wird zunächst auf dem ehemals städtischen Grundstück, wo ein Supermarkt mit tiefem Keller stand. „Archäologische Funde sind wegen der Störung durch die Altbebauung in diesem Bereich nicht zu erwarten“, sagt Andrea Hampel, Leiterin des Denkmalamts Frankfurt. „Wissenschaftlich ist das sehr interessant, aber wir sind nicht in Rom auf dem Forum Romanum.“ Überhaupt sei das Gelände bereits gut erforscht, die Ergebnisse in dem Buch „Archäologie in Frankfurt“ publiziert. „Es gibt aus diesen Grabungen etwa 800 Befunde.“ Die Ausgrabungen auf dem zweiten Grundstück sollen folgen und etwa ein Jahr dauern.

Beide Flächen gehören inzwischen der Frankfurter Wohnungsbaugesellschaft ABG, die hier neben einer Kita knapp 200 Wohnungen bauen will. „Das wird in Frankfurt dringend benötigt“, sagt ABG-Chef Frank Junker auf Anfrage. Die Entscheidung, wie lange hier gegraben werde, treffe die Denkmalbehörde, die ABG habe die Verzögerung wegen der Grabungen eingeplant. „Wir wussten, dass hier möglicherweise Funde zu erwarten sind. Ich sehe das entspannt“, sagt er. „Dass hier gebaut wird, ist seit Jahren bekannt.“ Gäbe es Sensationsfunde, könnten diese, wenn möglich, in eine Freiflächenplanung einbezogen werden.

Der Ortsbeirat, so betont Klenner, sei nicht grundsätzlich gegen eine Bebauung. Sie hätte sich aber gewünscht, dass das Denkmalamt und die ABG mit den Grabungen erst noch die Präsentation im Ortsbeirat am 16. September abgewartet hätten. „Wir erfahren so etwas in der Regel leider erst aus der Presse“, meint sie.

Die antike Geschichte sei trotz der einstigen Bedeutung Nidas kaum noch präsent. „Und ob man auf dem Hof der neuen Römerstadtschule irgendwie sichtbar macht, dass hier einst ein römischer Tempelbezirk lag, ist noch sehr ungewiss“, sagt Klenner. Auch ein antiker Torbogen, der beim Bau der neuen Feuerwehr entdeckt wurde, sei trotz großer Pläne dann doch nicht wieder aufgebaut worden. Das beschäftige die Bürgerinnen und Bürger im Stadtteil.

„Es ist schade, wenn das die Stadtpolitik nicht interessiert“, bekräftigt die Ortsvorsteherin. Die großen Pläne, hier eine Art Freilichtmuseum antiker Lebensweise aufzubauen, seien wohl vom Tisch. „Aber nur die Straßen nach den Römern zu benennen, das ist doch ein bisschen wenig.“

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