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Papierbahnen, die zum Imagieren einladen. Arbeit von Aliena Mariaschk beim Rundgang des Instituts für Kunstpädagogik.

Kunst in der Stadt

Ein Rundgang im Institut für Kunstpädagogik in Frankfurt

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Der Rundgang im Institut für Kunstpädagogik zeigt in diesem Jahr unter anderem kunstgeschichtliche Referenzen und politische Kunst.

Der Rundgang im Institut für Kunstpädagogik in Bockenheim beginnt in diesem Jahr mit einer großen Referenz. Die Bilder der Studentin Aliena Mariaschk in der Ausstellungshalle erinnern an die berühmten Wolken von Gerhard Richter. Durch die Halle spannte sie außerdem Bahnen aus Papier, die dem 22 Meter langen Finnwal aus dem Senckenberg-Museum ähneln - oder doch einem Schiff?

Die Besucher befänden sich in einer Unterwasserwelt, erklärt Kerstin Gottschalk, die am Institut für Kunstpädagogik Malerei und Grafik unterrichtet und sich mit raumgreifenden Arbeiten beschäftigt. Auch die Wolken seien nicht das, was sie schienen, vielmehr zeige die junge Künstlerin den verschwommenen Blick unter Wasser.

Rund 570 junge Menschen studieren am Institut für Kunstpädagogik und stellen noch bis zum heutigen Samstag ihre Arbeiten aus – in der Ausstellungshalle der Sophienstraße 1–3, im Keller des Gebäudes und auf vier Geschossen. Titel des Rundgangs ist „Verortungen“. Es ist einer der letzten Rundgänge im Institutsgebäude. Die Kunstpädagogik soll in zwei Jahren in den Neubau des Fachbereichs 9, Sprach- und Kulturwissenschaften, auf den Campus Westend ziehen. „Ich freue mich schon auf die interdisziplinäre Vernetzung“, sagt Gottschalk.

Im Keller des Instituts, Raum 01, drehen sich unterdessen drei Krähen im Kreis. Die Studentin Teresa Wolf hat ein Lockkarussell aufgestellt. Mit Plastikvögeln, die zur Jagd auf Krähen eingesetzt werden, wenn die Population anderer Tiere, wie etwa die von Rebhühnern, gefährdet ist. Das Lockkarussell steht nun im Kunstkontext. „Objet trouvé“ heißt das Prinzip, bei dem ein Alltagsgegenstand wie ein Kunstwerk behandelt wird. Während der Drehmechanismus ächzend kräht, zerkratzen die Krähen den Sand unter dem Karussell.

Von informeller Kunst und abstraktem Expressionismus ist der Student Jonas Kaden beeinflusst, der in Raum 212 eine Holzfaserplatte, kurz MDF, mit schwarzer Acrylfarbe bestrichen und die Farbe anschließend mit einer Stahlbürste abgekratzt hat. Die aufgeraute Oberfläche bewirkt beim Betrachten der zweidimensionalen Arbeit den Effekt räumlicher Tiefe. Damit reiht sich Jonas Kaden in eine Reihe von Künstlern ein, die mit Stereoskopie arbeiten, bei der ein zweidimensionales Bild einen 3D-Effekt auslöst.

Ein politisches Anliegen hat das Künstler*innenkollektiv Feministische Zusammenkunft (FeZ). Als Abtreibungsgegner im Herbst 2018 vor der Beratungsstelle von Pro Familie im Frankfurter Westend demonstrierten, trat das Kollektiv zum Gegenprotest an, um auf das Recht der körperlichen Selbstbestimmung von Frauen zu verweisen. Die Zelte, die sie dabei hatten, seien im geschützten Raum des Instituts der Kunstpädagogik entstanden, sagt die Studentin Lina Laetitia Blatt.

Sie hat den Raum 422 interaktiv gestaltet. Besucher reagieren auf Fragen einer Lautsprecherstimme, in dem sie im Raum bei Ja nach vorne gehen oder bei Nein stehen bleiben. Ob man in jedes beliebige Land reisen dürfe, sich den Zeitpunkt der Familienplanung selbst aussuchen könne, in der Gesellschaft gehört werde, wird unter anderem gefragt. Es gehe darum, sich selbst in der Gesellschaft zu verorten, und zu hinterfragen, welche Vor- oder Nachteile man aufgrund von Hautfarbe, Bildung, Geschlecht habe, sagt Blatt.

Der Rundgang dauert noch bis Samstagabend.

Der Rundgang im Überblick

Studierende des Instituts für Kunstpädagogik an der Goethe-Universität stellen ihre Arbeiten aus. Der Rundgang ist bis zum heutigen Samstag in der Sophienstraße 1–3, von 12 bis 20 Uhr, im Anschluss ist eine Party.

Die meisten Absolventen der Kunstpädagogik arbeiten in der Folge als Lehrer oder in der Kunstvermittlung, ein Teil geht nach dem Abschluss dem Beruf des Künstlers nach. In diesem Semester sind 570 Studierende am Institut eingeschrieben.

Begleitend zum Rundgang zeigt Alexandra Schneider eine Examensausstellung im Studierendenhaus auf dem Campus Bockenheim, Mertonstraße 26–28, 2. Stock, Raum K4, heute von 12–20 Uhr. fle

Infos auf der Website sophienstrasse1-3.de sowie auf instagram.com/verortungen_rndgngffm

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