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Nikoläuse sind freundliche Gesellen.

ADVENT

Sich einigeln und alles schön schmücken

  • Judith Köneke
    vonJudith Köneke
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Wenn man draußen schon nichts mehr machen kann, wollen es sich die Frankfurter zu Hause gemütlich machen - und kaufen jede Menge Deko.

Der Song „White Christmas“ dudelt aus den Lautsprechern, auch an einem Vormittag unter der Woche tummeln sich viele Menschen in den Ladenketten in der Innenstadt, die Weihnachtsschmuck verkaufen. So auch in der Filiale des Einrichtungshändlers Butlers unweit der Zeil. Unechte Zweige und Kränze, Lichterketten, bunte Kugeln und schimmernde Accessoires, so weit das Auge reicht.

„War es sonst vor allem am Wochenende voll, ist im Moment jeden Tag viel los“, sagt Mitarbeiter Mourad Yahya. Es werde mehr verkauft als letztes Jahr, das merke man in den Kassen. „Das ist schon Wahnsinn.“ Die Leute haben Spaß daran, sich mit Accessoires einzudecken. Ein Grund werde sein, dass es sich die Leute im eigenen Heim gemütlich machen wollen, vermutet er. „Das Zuhause steht mehr im Fokus.“ Und was ist besonders gefragt? Da muss er nicht lange überlegen: Der Christbaumanhänger mit Motiv Klopapierrolle, er sei bereits ausverkauft.

Kugeln gehören einfach an den Baum.

Einige der Kundinnen berichten, dass sich ihr Kaufverhalten nicht verändert habe, andere schlagen mehr zu. Silke Leuthäuser hält bereits einen gut gefüllten Korb in der Hand. „Ich hab schon Lust, mehr zu schmücken.“ All die Feiern und das gemeinsame Essen mit Freunden fielen ja weg, da müsse man sich anders Freude bereiten.

Klar, die meisten verbringen momentan viel Zeit in den eigenen vier Wänden. „Cocooning“ heißt der Begriff: sich ins häusliche Privatleben zurückziehen und die stressige Welt hinter sich lassen. Der Trend ist nicht neu, hat sich aber durch Corona und Lockdowns noch verstärkt. Warum also nicht auch die Zeit nutzen und das Zuhause besonders hübsch gestalten? Statt in Urlaubsreisen wird in neue Küchen und Sofas investiert.

Gewinner und Verlierer

Der Handelsverband Deutschland prognostiziert für die Monate November und Dezember zwar trotz Corona-Krise ein Umsatzwachstum von 1,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Gut läuft es aber vor allem für den Onlinehandel, der erstmals fast ein Fünftel des Weihnachtsgeschäfts erwirtschaften dürfte, für den Lebensmittelhandel und bestimmte Segmente wie Fahrradhandel, Baumärkte und Einrichtungsgeschäfte.

Händler in Innenstädten rechnen nach Zahlen des Verbands dagegen im Schnitt mit sinkenden Einnahmen. Insbesondere der stationäre Bekleidungshandel, Parfümerien und der Handel mit Spielwaren litten enorm unter den coronabedingt geringen Kundenfrequenzen.

Da viele Menschen wegen der Hygienevorgaben oder auch aus Sorge um ihre Gesundheit mehr Zeit zu Hause verbrächten, hätten die Wohnung oder das Haus einen deutlich höheren Stellenwert erhalten, sagt auch Hanns-Peter Laux von der IHK Frankfurt. Von Renovierungen und dem Kauf neuer Möbel profitierten Baumärkte, Möbel- und Einrichtungshäuser. „Es ist davon auszugehen, dass Gleiches auch für Dekorationsartikel und Wohnaccessoires gilt, die allerdings statistisch nicht als eigenes Warensortiment erfasst werden.“

Natürlich sind die Gewinner vor allem große Unternehmen mit Onlineshops wie Ikea oder Otto. Der Edelhändler Manufactum merkt die Kauflust für daheim bereits seit dem Frühjahr. Da seien es vermehrt Gartenartikel, aber auch Sportgeräte gewesen, sagt Pressesprecherin Theresa Frigger. „Und ja, wir sehen in diesem Jahr auch einen größeren Absatz an Weihnachts- bzw. Adventsdekoration.“ Die Produkte stammten vorwiegend aus kleineren, handwerklichen Betrieben in Deutschland. Da keine Weihnachtsmärkte stattfänden, ziehe es die Manufactum-Kund:innen auch in ihre Warenhäuser oder in den Onlineshop, weil man dort diese traditionellen Produkte weiterhin finde.

Aber auch kleinere Läden haben Grund zur Freude. Seit April laufe es ziemlich gut, erzählt Cordula Fanger, Inhaberin von Schmidt’s Papeterie an der Schweizer Straße. Und auch derzeit sei eine Menge los. „Ich bin erschöpft, aber im positiven Sinne.“ In dem kleinen Laden gibt es neben Schreibartikeln auch jede Menge Weihnachtsdeko und kleine Wohnartikel. Die hohe Frequenz könne auch daran liegen, dass eine große Zahl an Käufern die Innenstadt meide, vermutet Fanger. Viele Kunden erzählten auch, dass sie bewusst bei ihr einkauften, statt online zu bestellen – um sie zu unterstützen.

Besonders gefragt seien bunte, ausgefallene Weihnachtsbaumanhänger, nicht mehr die klassische Kugel. „Wir verkaufen auch unendlich viele Karten“, sagt die Chefin. Leicht zu erklären, wenn sich die Menschen nicht treffen können. Ob der Umsatz und die Kundenzahl gestiegen sei, werde man sehen. Im November sei es sensationell gelaufen, nun will Fanger abwarten, wie es im Dezember weitergeht.

Meike Fiedler-Herrmann, der das Geschäft Noord an der Friedberger Landstraße gehört, spürt die Kauflaune ebenfalls. „Viele haben ja jetzt mehr Zeit und mehr Muße.“ Dieses Jahr habe die Suche nach Geschenken auch früher angefangen. Wahrscheinlich, weil viele Pakete verschicken und die rechtzeitig ankommen sollen. Und man sei durchs Homeoffice flexibler und müsse nicht alles wie sonst kurz vor Heiligabend erledigen. „Unsere Bestseller sind gerade Kerzen, Kerzenständer und Teelichter, aber auch Vasen, um schöne Zweige hineinzustellen.“ Als besonderes Angebot können Kunden außerhalb der regulären Öffnungszeiten exklusive Termine vereinbaren, vor oder nach der Arbeit. In diesem Rahmen könne ausgiebig beraten, gestöbert und verpackt werden.

Bei Meike Fiedler-Herrmann vom „Noord“ kann man auch nach der Arbeit einen Termin vereinbaren.

Eine große Auswahl an Weihnachtlichem gibt es auch beim Interior-Laden Liebesdienste am Oederweg. Und die Leute griffen zu, sagt Inhaber Goran Djokic. Wer von Herzen etwas schenken wolle, besorge es jetzt, denn es könnte ja später ausverkauft sein. Viele Arbeitgeber bestellten zudem Geschenke für ihre Mitarbeiter, die Weihnachtsfeiern fielen ja aus. Und sie seien durchaus bereit, etwas mehr auszugeben.

Man habe schon in den letzten Monaten gemerkt, dass viele ihre Wohnung verschönern wollten, meint Djokic. Und auch mehr Wert legten auf Qualitätsartikel. Er hat umgebaut, es gibt nur das, was die Kunden und Kundinnen sofort mitnehmen können. Denn bei großen Möbeln gebe es momentan Lieferschwierigkeiten.

Aber dass er das Jahr mit einem Plus abschließe oder mit dem Weihnachtsgeschäft die Verluste wieder aufhole, damit rechnet er nicht. „Das ist fast unmöglich.“ Drängten sich vor Weihnachten mitunter bis zu 70 Menschen in den Räumen, können jetzt gerade mal 15 gleichzeitig ins Geschäft. Hinzu kämen andere Kosten, wie für einen Aufpasser an der Tür. Djokic wäre aber zufrieden mit den Weihnachtsumsätzen vom letzten Jahr.

Experten gehen übrigens davon aus, dass Cocooning sich auch in der Zukunft fortsetzen wird – unabhängig von Corona. Die Ausgaben für das eigene Heim würden steigen, prognostiziert die Beratungsfirma Accenture. Der Trend, mehr Freizeit in den eigenen vier Wänden zu verbringen, werde sich verstärken.

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