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Frankfurt

Shoppen in Frankfurt: Entspannt im Wandel

Die Frankfurter Einkaufszentren kommen mit einem blauen Auge durch die Pandemie und sehen sich gut aufgestellt. Onlinekaufen habe seien Grenzen.

Joachim Stoll scheut sich nicht, den Finger in die Wunde zu legen. „Einkaufszentren sind wie kleine Innenstädte.“ Zumindest haben sie die gleichen Probleme, fügt der Vizepräsident des Handelsverbands Hessen-Süd hinzu. Der stationäre Einzelhandel leidet unter der Konkurrenz aus dem Internet. Die war schon vor Corona groß und ist in der Pandemie nicht gerade kleiner geworden, im Gegenteil.

Deutschlandweit hätten die Center unter der Pandemie gelitten, sagt Stoll. Erst waren die Geschäfte zu, dann sind die Kunden nur verhalten zurückgekehrt. „Viele haben die Enge eines Centers gemieden“, sagt Stoll. Gleichwohl wolle er die großen Einkaufstempel nicht schlechtreden. „Sie müssen sich verändern, und sie verändern sich auch.“

Wie die Innenstädte auch, stünden die Center unter Anpassungsdruck. Den hat die Pandemie nicht herbeigeführt, höchstens verstärkt. Seit längerem habe kein Center mehr auf der sogenannten grünen Wiese eröffnet. Nur noch in den Innenstadtlagen. Zusätzliche Flächen für den Einzelhandel sind, so scheint’s, nicht mehr nötig. Der bloße Einkauf, das Shopping, ist nicht mehr das maßgebliche Erlebnis, das die Menschen in ein Center zieht. Sie müssen einen Mehrwert davon haben, ein zusätzliches Erlebnis, sagt Stoll. Kinos, Veranstaltungen, Restaurants, ausgefallene Imbisse, ersetzen Teile des Handels.

Bei diesem Wandel scheinen die Center auf einem guten Weg zu sein. Zumindest ihre Managerinnen und Manager sind ausgesprochen optimistisch. „Wir sind positiv gestimmt“, sagt etwa Janine Marz, die Centermanagerin des Skyline Plaza am Güterplatz, das Scharnier zwischen Gallus und Europaviertel. Stand das Plaza nach der Eröffnung 2013 noch etwas verloren zwischen den Baustellen rings um den Güterplatz (Europaviertel, Tunnel der U5, diverse Hochhäuser), hat das Plaza mit der Entwicklung des Quartiers ringsum mehr und mehr Kundschaft gewonnen. Und gerade die Baustellen führt die Centermanagerin inzwischen als Plus beim Einkaufserlebnis an. „Von unserer Dachterrasse hat man den besten Blick auf das Geschehen“, sagt Marz.

Die Besucherfrequenz habe sich seit der Wiederöffnung im Sommer positiv entwickelt, bilanziert die Managerin. „Sie ist aber noch nicht auf Vor-Corona-Niveau“, schränkt sie ein. Marz hofft nun auf die Messen und anderen Veranstaltungen, die ab Ende September anstehen und Publikum in die Stadt und ins Einkaufszentrum bringen.

Natürlich habe man die Konkurrenz von Online stark gespürt in der Pandemie, sagt Marz. Das Management habe sich Gedanken gemacht, wie die Menschen wieder zu gewinnen wären. Alle Parteien des Centers hat sie „zusammengetrommelt“. Vertreterinnen und Vertreter von 170 Shops. Das Ergebnis ist ein Couponheft, das am Montag erscheint und an der Kundeninfo am Eingang erhältlich ist. Darin sind natürlich Coupons zu finden, auch Informationen über Services, etwa wo die Elektroladesäulen sind.

„Wir sind mit einem blauen Auge durch die Pandemie gekommen“, sagt auch Andrea Poul. Dabei betont die Managerin von My-Zeil, nur für ihr eigenes Center sprechen zu wollen. Auf der Habenseite verbucht sie, dass die Mall keine pandemiebedingten Insolvenzen unter den Mietern zu verzeichnen habe. „Das ist bei anderen anders.“ Nicht so schön: Die Zahl der Besucherinnen und Besucher liegt bei 70 Prozent verglichen mit dem Vorjahr. Dazu sei gesagt: Von Januar bis Mitte März 2020 gab es noch keine pandemischen Einschränkungen. „Das waren umsatzstarke Monate.“

Seit Juni erholt sich das Haus, die Menschen kehren zurück, auch weil es wieder Veranstaltungen am Main und in der Innenstadt gibt. „Davon profitieren wir“, sagt Poul. Auch wenn Touristen und Messegäste noch fehlten. Und viele Frankfurterinnen und Frankfurter noch im Homeoffice säßen. Doch nicht nur schließen keine Läden im My-Zeil, es kommen Geschäfte dazu. Bis zum Frühjahr 2022 sind acht Neueröffnungen geplant. Nicht für temporäre Geschäfte, die nur den Leerstand überdecken sollen, „langfristige Mietverträge“ habe Poul abgeschlossen. Ganz frisch unterzeichnet ist etwa der Vertrag mit Dyson, einer Firma, die exklusive Designer-Staubsauger, Haarpflegegeräte oder Luftreiniger vertreibt. Sonst ist Dyson als Shop im Shop in großen Geschäften zu finden. Im My-Zeil soll es aber ein eigener Store sein.

Vor der Konkurrenz aus dem Internet ist Poul nicht bang. „Dinge anfassen“, sagt sie, „können Sie im Internet nicht.“ Bücher oder CDs könne man so verkaufen. Aber schon beim Handy höre der Spaß auf. Das wolle die Kundschaft anfassen, entscheiden, ob es gut in der Hand liege. Schuhe müsse man anprobieren. Ebenso einen neuen Kopfhörer, ob er auf den Kopf passt. Ein Produkt der Firma Bose klinge auch anders als eines von Bang und Olufsen. Zumindest „für Musikliebhaber“.

Generell ließen sich die Unternehmen Neues einfallen. Läden verbesserten ihre Onlineshops. Onlineplattformen eröffneten Geschäfte. „Weil sie festgestellt haben, dass Menschen Dinge nicht kaufen, die sie nicht kennen. Was die Menschen in der Pandemie ebenfalls lange missen mussten: ausgehen. Sich mit Freunden zu treffen, einzukehren. „To go ist nicht gut gelaufen“, erinnert sich Poul. Bei der Gastro gehe es ja ums soziale Miteinander, nicht so sehr um die Nahrungsaufnahme.

Auch Rainer Borst, Manager des Nordwestzentrums im Norden der Stadt ist die Gelassenheit in Person. „Uns geht es eigentlich ganz gut“, sagt er zufrieden. Und: „Wir sind da, wo andere noch hinwollen.“ Stichwort Mehrwert beim Shopping.

Seit Jahren setze das Nordwestzentrum auf Zusatzangebote zum klassischen Shopping. Nicht nur die komplette Palette an Grundversorgung ist im Center zu finden, Supermärkte, Drogerien. Dazu gesellen sich Arztpraxen, das große Schwimmbad, die Titus-Thermen, das Bürgeramt, der Saalbau, die Volkshochschule, mittwochs ein Wochenmarkt für den frischen Einkauf, sogar eine Kita. Dazu Gastronomie und bekannte Handelsmarken, wie Decathlon, Peek und Cloppenburg oder Media Markt. Das spiegele sich in der Vermietung, findet Borst. „Wir haben keine nennenswerten Leerstände.“ Statt dessen Konzepte, die „man sonst so nicht findet“. Erst am Donnerstag hat das neue Lokal Eselei eröffnet, ein Ableger des Lahmen Esels aus Niederursel.

So werden die Einkaufscenter tatsächlich immer mehr zu kleinen Innenstädten. Das Main-Taunus-Zentrum im Westen baut sich sogar die grüne Wiese mit Wohnungen zu. Zusammen mit der Gemeinde Sulzbach plant Centerbetreiberin ECE eine Siedlung für rund 1000 Menschen. Praktisch: Kundinnen und Kunden als Nachbarn.

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