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Nach dem Polizeieinsatz sagten die Ultras ihre Choreographie ab. Zurück blieb ein Fahnenmeer am Boden.

Polizei-Einsatz

Eintracht-Fans reagieren mit Shitstorm gegen die Polizei

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Eintracht-Fans greifen die Frankfurter Polizei in den sozialen Medien heftig an und werfen den Beamten vor, die Meinungsfreiheit zu missachten.

Dass nach einem emotionalen Eintracht-Spiel in den sozialen Medien noch lange über die Geschehnisse im Waldstadion diskutiert wird, kommt vor. Dass es dabei aber kaum um die Eintracht, dafür umso mehr um die Polizei geht, hat es vermutlich zuletzt 2005 gegeben, als eine Polizeikette die Fans daran hinderte, nach dem Aufstieg in die erste Liga den Platz zu stürmen.

Damals jedoch diskutierte die Polizei im Internet noch nicht mit. Das hat sich geändert. Die Frankfurter Behörde hat ein vierköpfiges Team eingerichtet, dass sich um den Auftritt der Polizei in den sozialen Medien kümmert. In der Nacht auf Freitag mussten die Beamten Schwerstarbeit leisten – und einen veritablen Shitstorm aushalten.

Auf Twitter beschimpfen User die Frankfurter Polizei

Auf Twitter hatte die Polizei darüber informiert, dass die Beamten vor der Fankurve ein Transparent mit „mutmaßlich beleidigendem Inhalt“ sichergestellt hätten. Auf dem Banner, das die Ultras nach der Durchsuchung der Fankurve angefertigt hatten, stand: „Beuth, der Ficker fickt zurück.“ Doch das teilte die Polizei nicht mit. Auf Twitter vermeldeten die Beamten nur, der Wortlaut befinde sich auf „unterstem, beleidigendem Niveau, das wir hier nicht wiedergeben wollen“.

Das nahmen viele Twitter-User der Polizei übel. In zahlreichen Beiträgen wurden die Beamten heftig angegangen. Tenor: Wenn die Polizei sich gewaltsam ein Banner schnappt und ihren Einsatz hier rechtfertigt, muss die Behörde zumindest sagen, was darauf steht. Doch das Twitter-Team blieb stur und verwies nur auf „lokale Medien“ – offenbar waren die FR und die Internetseite der Hessenschau gemeint – die den Text bereits veröffentlicht hätten.

Doch in der Diskussion auf Twitter ging es nicht nur um den Text des Banners. Der Polizei wurden auch Übergriffe bei der Sicherstellung des Transparents vorgeworfen. Zugleich hieß es in immer schärfer werdenden Worten, die Behörde akzeptiere die Meinungsfreiheit nicht.

Ein User forderte gar, Eintracht Frankfurt müsse der Polizei Hausverbot erteilen, woraufhin die Beamten antworteten, es gebe in Deutschland keinen rechtsfreien Raum. Die Diskussionen zogen sich bis nach Mitternacht hin, und zwischenzeitlich wirkte das Social-Media-Team reichlich angefasst. Dabei treten die Polizisten ansonsten oft betont locker auf und arbeiten mit vielen Smileys, um Polizeiarbeit für die Generation Internet verständlich zu machen.

Nordwestkurve-Rat: Fans erlitten „erhebliche Verletzungen“ bei Polizeieinsatz

Scharfe Kritik an der Polizei und ihrer Öffentlichkeitsarbeit gab es auch am folgenden Tag. In einem Statement ging der Nordwestkurve-Rat, ein Zusammenschluss der aktiven Frankfurter Fanszene, auf die Sicherstellung des Banners ein. 

Dabei hätten mehrere Fans „erhebliche Verletzungen“ erlitten, was die Polizei verschweige. „Die wenigen Schubsereien und Unmutsäußerungen wurden jedoch sofort von der Polizei auf ihrem Twitter-Account reißerisch ausgeschlachtet“, schreiben die Fans und kommen zu dem Schluss: „Generell zeigte die gestrige Öffentlichkeitsarbeit der Polizei ein extrem hohes Maß schlechter Rechtfertigungsversuche und allem voran extreme Inkompetenz und Hilflosigkeit.“

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