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Die Stichwaffen sind abgestumpft - doch der Tragödie tut das keinen Abbruch.

Macbeth im Botanischen Garten

Kampf um die Macht im Grünen

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Das Ensemble „Shakespeare-Frankfurt“ inszeniert Macbeth im Botanischen Garten.

Schwerterklirren ist dieser Tage im Botanischen Garten zu hören, wenn das Ensemble um Tracey Grey für ihre Interpretation des Shakespeare-Klassikers Macbeth probt. Die Kämpfe um den schottischen Thron transportieren sie und Regisseur PJ Escobio aus dem Theater in den Park und aus dem 11. Jahrhundert in eine möglicherweise nicht mehr allzu ferne, postapokalyptische Zukunft. Übermäßige Ressourcenverschwendung hat dort zum Ausfall der Elektrizität und Wegfall aller Industrie geführt, Die Menschheit kämpft nun um die verbliebenen Ressourcen und streitet – wie in allen Zeiten – um Macht.

Von Anfang an ist der Zuschauer mittendrin im Gefecht - Teil des Dramas. Geschlagen und pariert wird auf allen Seiten, während das Publikum entlang der Handlung durch den Park geführt wird.

Damit Schauende und Spielende unverletzt bleiben, berät Kampftrainer Mathias Kunzle bei den Proben. Er setzte sich beispielsweise dafür ein, dass die rasiermesserscharfen Klingen der Waffen abgestumpft wurden. Die verwendeten Macheten seien im Internet frei zu kaufen gewesen. Kunzle gefalle besonders die Vielseitigkeit der Gewaltszenen im Stück, sagt er.

Vorbei an großen Schlachten im Gebüsch und kleinen Morden unter Baumwipfeln folgt man dem Leidensweg des Macbeth über Kies. An einem Teich, umgeben von blühenden Blumen und quakenden Fröschen, prophezeien Hexen dem königlichen Heerführer, er selbst werde Herrscher sein. Seinen Aufstieg zum König durch Verrat und Mord begleiten seine Partnerin Lady Macbeth und Eichhörnchen am Wegesrand.

Natur als Kulisse in Shakespeares Werken hat Tradition. Bereits zu ihrer Entstehungszeit wurden seine Stücke unter freiem Himmel, in sogenannten elisabethanischen Theatern ohne Decke gezeigt. In Ermangelung künstlichen Lichts war man abhängig von Wetterverhältnissen und Tageszeiten.

Auch das Ensemble in Frankfurt hat bereits Licht- und Schattenseiten ihrer Bühne im Freien kennengelernt. Schon seit März proben sie - auch bei Sturm und Regen. Zusätzlich herrsche in einem Park mit Vogelzwitschern und Grillenzirpen eine andere Geräuschkulisse als in einem stillen Theater, mit der es stimmlich umzugehen gelte, erzählt Macbeth-Darsteller Michael Kinzer, Dennoch sei das Spiel draußen ein tolles Erlebnis für Schauspieler wie Zuschauer, insbesondere, weil neben dem eigentlichen Geschehen in anderen Teilen des Parks immer wieder Nebenkriegsschauplätze und Hintergrundhandlungen zu entdecken sind.

Trotz des wilden Treibens herrsche zwischen dem Ensemble und dem Team des Botanischen Gartens ein Vertrauensverhältnis, sie alle seien bemüht, Wege zu finden um die Pflanzen im Park nicht zu beschädigen, versichert Grey. Für die Aufführungen im Juni hoffe sie, dass es trocken bleibt, wenn nicht müsse im Pavillon gespielt werden. Abenddämmerung und grauen Himmel fände sie aber passend für „Macbeth“.

Das Schicksal des Königsmörders wendet sich in dem Moment, da er sich mit dem Widernatürlichen einlässt und der Prophezeiung der Hexen Glauben schenkt. Seine rücksichtslose Machtgier, getrieben von Egoismus und den Einflüsterungen Lady Macbeths’ kosten ihn erst den Schlaf, dann den Verstand und schließlich das Leben. Seine Selbstsucht schadet der Gesellschaft im Ganzen, die unrechtmäßige Herrschaft wider der Ordnung stürzt das Volk ins Chaos.

Shakespeares Stücke seien zeitlos, sagt Tracey Grey, die Auswahl von „Macbeth“ in diesem Jahr sei aber auch ein Kommentar auf die aktuelle politische Situation.

Obwohl das internationale Ensemble im englischen Originaltext spiele, hätten Zuschauer in den vergangenen Jahren häufig gefragt, ob die Version neu sei, weil sie so modern gewirkt habe, berichtet die Produktionsleiterin Grey. Im Stück spielt sie außerdem einen einfachen Soldaten und König Duncan. Sie ist auch Gründerin des Ensembles „Shakespeare Frankfurt“, mit dem sie seit 2016 jedes Jahr ein anderes Drama des englischen Dichters inszeniert.

Grüne Bühne

Shakespeare’s „Macbeth“ in der englischen Originalfassung interpretiert vom Ensemble „Shakespeare Frankfurt“ feiert am 2. Juni um 16 Uhr seine Premiere im Botanischen Garten, Siesmayerstr. 72, 60323 Frankfurt Weitere Spieltermine sind am 6. Juni, am 13. Juni, am 15. Juni , am 20. Juni, am 22. Juni und am 27. Juni um 19.30 Uhr, und an den Sonntagen 16. Juni und 23. Juni um 16 Uhr.

Karten kosten für Erwachsene 28,85€; Schüler und Studenten bezahlen ermäßigt 17,85€ Weitere Informationen und Tickets zu kaufen gibt auf http://bringingyoutoyourstage.de/shakespeare-frankfurt und unter Tel.: 069-13 40 400 (prpd)

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