Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Das soll ein Radweg sein. Situation auf der Königsteiner Straße. Foto: Peter Jülich
+
Das soll ein Radweg sein. Situation auf der Königsteiner Straße.

Mobilität

Frankfurt: Ein Radnetz wird vermisst

  • Florian Leclerc
    VonFlorian Leclerc
    schließen

Leserinnen und Leser reagieren auf den Aufruf der FR, uns Problemstellen beim Radverkehr in Frankfurt zu schildern.

Frankfurt - Die Frankfurter Rundschau hat ihre Leserinnen und Leser gebeten, Problemstellen im Frankfurter Radnetz zu benennen. Die Resonanz ist gewaltig. Binnen weniger Tage gingen mehr als hundert Zuschriften ein, per Mail und auf Twitter.

Wenn man so etwas wie eine Grundtendenz herauslesen will, dann, dass Frankfurt noch keine Fahrradstadt ist. Zwar sind die Zahlen ermutigend. Der Anteil des Radverkehrs am Gesamtverkehr lag 2018 bei knapp 20 Prozent. Diese Marke dürfte nun überschritten sein. „Es gibt aber kein Radwegenetz, das ist das Problem“, schreibt Winnie Knorr.

Frankfurt: Unverständnis über Radnetz-Lücke auf Friedberger Landstraße

Die neuen Radwege werden durchaus gelobt, vor allem, wenn sie baulich vom Autoverkehr getrennt sind wie auf der Taubenstraße. Aber auch diese endeten irgendwo und ließen die Radfahrerinnen und Radfahrer oft im fließenen Autoverkehr zurück.

Am Hauptbahnhof sieht es für den Radverkehr mau aus.

Ein Beispiel, das häufig genannt wird, ist die Friedberger Landstraße. Sie hat, nach zähen politischen Diskussionen über mögliche Staus, einen breiten Radweg bekommen. Der steht den Vorbildern aus den Niederlanden, Münster oder Kopenhagen nicht nach. Doch sie „verstehe einfach nicht“, warum die Lücke zwischen Friedberger Platz und Matthias-Beltz-Platz nicht geschlossen werde, sagt Sybille Endner. Das seien doch nur 200 Meter. „Wie lässt sich eine solch krasse Lücke rechtfertigen?“, fragt sie.

Das fragen sich viele. Die Zuschriften strotzen nur so vor Unverständnis über diese Situation. Die neue Koalition bekennt sich zum Radentscheid-Kompromiss. Dort steht, auf Wunsch des früheren Koalitionspartners CDU, immer noch, dass der Radverkehr an dieser Stelle über die Rotlintstraße geführt werden soll.

Frankfurt: Äußere Stadtteile vom Radentscheid-Kompromiss vernachlässigt

Vom Radentscheid-Kompromiss vernachlässigt fühlen sich auch die Radfahrerinnen und Radfahrer in den äußeren Stadtteilen. Genannt werden Problemstellen in der Nordweststadt („desaströser Radweg auf dem Erich-Ollenhauer-Ring rund ums Nordwestzentrum“); in Rödelheim (die Zu- und Abfahrten der A66 auf die Ludwig-Landmann-Straße), die Frankfurter Seite der Carl-Ulrich-Brücke in Fechenheim, der fehlende Radweg zwischen Nieder-Eschbach und Nieder-Erlenbach:

„Mir wurde zur Einschulung prophezeit, dass ich bald mit dem Fahrrad zur Otto-Hahn-Schule nach Nieder-Eschbach fahren kann. In zwei Wochen habe ich mein Abi und nicht mal zur Abschlussfeier kann ich über den Radweg“, schreibt Tim Schmidt.

Viele Zuschriften kamen zum Frankfurter Westen. Vielerorts würden vorhandene Radwege zugeparkt, mit Sperrmüll verstellt, von Bauzäunen blockiert. „Das ganz wesentliche Problem im Frankfurter Westen ist das völlige Fehlen von Kontrollmaßnahmen, um Radwege freizuhalten“, sagt Ralf Lemster. Er nennt die Königsteiner Straße, Emmerich-Josef-Straße und Kasinostraße. Auch Sindlinger Bahnstraße und Farbenstraße: „Die Radquerung wird regelmäßig zugeparkt, was Radfahrer zwingt, an einer völlig unübersichtlichen Stelle in den Gegenverkehr zu fahren.“

Frankfurt: Verkehrsinseln zu klein

Geschildert werden auch Problemstellen auf der Eschersheimer Landstraße, die keinen durchgängigen Radweg hat, und die Gegend rund um den Hauptbahnhof, wo Autos dominieren. Es sind aber auch viele Details, die den Radfahrerinnen und Radfahrern, die mit offenen Augen durch die Stadt fahren, auffallen.

Radfahrer und Lkw kommen sich auf der Darmstädter Landstraße bedrohlich nahe.

Mal sind es Radwege, die durch Baumwurzeln buckelig geworden sind wie auf der Zeppelinallee. Oder Verkehrsinseln, die für die Vielzahl an Menschen, die sich dort aufhalten, bis die Ampel auf Grün springt, nicht ausgelegt sind - wie am Eschenheimer Turm nahe dem Flemings Hotel. „Ich finde das sehr gefährlich“, sagt Kerstin Costa. Ob man die Ampelschaltung nicht so ändern könne, dass Menschen zu Fuß oder mit dem Rad in einem Schwung über die Straße kämen?

Die Konjunktur der Farbe Rot für Radwege wird auch angesprochen. Vor dem Jahr 2016 wurde sie nur an Gefahrenstellen aufgetragen. Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) begann, sie an zahlreichen Stellen einzusetzen. Wer Böses dabei denkt, könnte meinen, er habe Rot, die Farbe der SPD, verbreitet, um den Ausbau des Radnetzes symbolisch mit seiner Partei zu verknüpfen. Doch letztlich geht es um Sichtbarkeit, die die Sicherheit erhöhen soll.

Frankfurt: Farbmarkierungen für Radwege sind keine baulichen Trennungen

Rot schreckt Autofahrerinnen und Autofahrer ab, auf den Radweg entlang der Friedberger Landstraße auszuweichen, der nicht baulich getrennt ist. Mopedfahrerinnen und Mopedfahrer beeindruckt die Farbe weniger.

„Farbe ist keine Infrastruktur“, schreibt Amie Wang. Ihr Statement zeigt, dass sich die Debatte zu sicheren Radwegen in den vergangenen Jahren weiterentwickelt hat. Wurden unter Verkehrsdezernent Stefan Majer (Grüne) bis 2016 noch gestrichelte Radschutzstreifen als Meilensteine der Radverkehrsförderung gefeiert, waren es unter Oesterling breite rote Radwege. Majer, der im Herbst wieder Verkehrsdezernent werden soll, wird die Radfahrerinnen und Radfahrer künftig nur noch mit baulich getrennten, breiten Radwegen zufrieden stellen können - wie sie auch der Radentscheid fordert. Die Radwege müssten dann auch nicht eingefärbt sein.

Wie geht die Frankfurter Rundschau nun mit den gesammelten Reaktionen der Leserschaft um? Wir sichten sie, fassen sie zusammen und schicken sie an die Verwaltung. Dabei treffen wir eine Auswahl. Die Verwaltung, das Radfahrbüro und die Stabsstelle Radverkehr im Verkehrsdezernat haben sich bereit erklärt, die Anfragen zu beantworten. Die ersten Reaktionen aus der Verwaltung wollen wir in der kommenden Woche veröffentlichen. (Florian Leclerc)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare