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Blick in ein Frankfurter Wahrzeichen. Ganz, ganz hinten sitzt der Dalai Lama.
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Blick in ein Frankfurter Wahrzeichen. Ganz, ganz hinten sitzt der Dalai Lama.

Waldstadion

Als Sepp Blatter das Stadion eröffnete

  • Georg Leppert
    VonGeorg Leppert
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… und alle pfiffen. Die WM-Arena im Stadtwald wird zehn Jahre alt – Anlass für einen sehr persönlichen Brief eines Eintracht-Fans.

Liebe WM-Arena, liebes neues Waldstadion, liebe Betonschüssel im Stadtwald (du siehst, wir versuchen auch nach zehn Jahren noch, deinen von der Commerzbank gekauften Namen zu vermeiden)! Viele von uns Eintracht-Fans haben geweint, als zu Beginn des Jahrtausends das alte Waldstadion abgerissen wurde. Plötzlich haben Leute mit Helmen auf dem Kopf die Gegentribüne in die Luft gesprengt, wo die Älteren unter uns den Uefa-Cup gewonnen haben (1980), und die – na ja – Jüngeren den tollsten Klassenerhalt aller Zeiten feierten (1999). Eine Schande, dachten wir traditionsbewussten Fans.

Heute singen wir zwar immer noch im Chor „Waldstadion, Waldstadion“ und spielen Lotto, um mit dem Gewinn den alten Stadionnamen zurückzukaufen (leider waren’s noch nicht einmal 400 Euro). Aber irgendwie finden wir es ja schon schön bei dir in der Arena, wo man von jedem Platz aus gut sieht, wo es nicht nur auf der Haupttribüne Rückenlehnen gibt (gegen die man nach Gegentoren treten kann) und wo wir endlich eine echte Fankurve haben. Früher hatten wir ja nur den G-Block. So viele Leute, wie heute behaupten, sie hätten da bei jedem Heimspiel gestanden, so viele passten gar nicht in den Block.

Nun feierst du, liebe WM-Arena, deinen zehnten Geburtstag, und da wollen wir nicht verhehlen, dass du einen schweren Start hattest. Eröffnet wurdest du beim Confederations Cup der Fußballer im Juni 2005, und wer hielt die erste Rede? Der Blatter Sepp. Den haben wir natürlich gnadenlos ausgepfiffen, weshalb er beleidigt war und übers Stadionmikrofon herumnörgelte, die Buh-Rufe passten doch gar nicht zum Motto der WM 2006. Aber da hat er was falsch verstanden. Das Motto lautete „Die Welt zu Gast bei Freunden“ und nicht: „Wir sind wirklich mit jedem befreundet“.

Das offizielle Eröffnungsspiel war dann das Finale des Wettbewerbs am 29. Juni 2005. Brasilien gegen Argentinien, die ganze Welt schaute zu. Und plötzlich war da dieser Wasserfall unweit der Eckfahne. Das Cabrio-Dach, das ja eigentlich das Beste an der Arena sein sollte, hatte den Wassermassen bei einem der schlimmsten Unwetter in der jüngeren Frankfurter Geschichte nicht standgehalten. Tagsdrauf sagten die Verantwortlichen, man müsse das positiv sehen, in jedem anderen deutschen Stadion hätte das Spiel wegen des Gewitters abgebrochen werden müssen. Das stimmt, aber der Welt blieb halt nur dieser Wasserfall in Erinnerung. Denn bei der Pressekonferenz am Tag danach waren nur die üblichen Verdächtigen von FR, Bild, FAZ und Neuer Presse. Und noch einer vom Kicker. Das brasilianische Fernsehen war schon längst wieder abgereist.

Immer wieder Dachschäden

Überhaupt, dieses Dach. Es steckt im Videowürfel und lässt sich innerhalb von 20 Minuten ausfahren. Es ist nur ziemlich oft kaputt. Ein paar Monate nach dem Brasilien-Spiel gab es wieder so einen Wasserschaden. Diesmal beim Eintracht-Heimspiel gegen Schalke. Da ist der sonst so gutmütige Sportdezernent Achim Vandreike stinkesauer geworden. Außerdem darf man es im Winter gar nicht schließen wegen der Schneelast. Und jetzt hat es wieder einen Riss. Aber Patrik Meyer, der Geschäftsführer vom Stadion, sagt, bis zum Konzert von Udo Lindenberg am 18. Juli werde der Schaden voraussichtlich behoben sein.

Das Konzert von Panik-Udo wird sicher gut. Weil so ziemlich alle Konzerte bei dir, liebe Arena, gut sind. Zuletzt war Helene Fischer da, und bis auf den FR-Kritiker hat es allen supertoll gefallen. Außerdem haben in den vergangenen zehn Jahren im Stadion gespielt: Depeche Mode. Bruce Springsteen. Herbert Grönemeyer. U2. Der Dalai Lama. Madonna (da haben die Fans den Rasen derart ruiniert, dass das wenige Tage später geplante Eintracht-Spiel abgesagt werden musste, was im Nachhinein ein Glücksfall war, weil wir zum angesetzten Termin mit Sicherheit verloren hätten). Celine Dion war auch da. Die Rolling Stones. Und Bon Jovi.

Wobei Jon Bon Jovi, nicht mehr wiederkommen darf. Das sagt Patrik Meyer zwar nur so im Spaß, aber geärgert hat es ihn schon, als der Jon Bon im Juni 2008 etwa zur Mitte des Konzerts rief: „This building sounds like shit.“ Das könne Mr. Jovi von seinem Platz aus gar nicht beurteilen, sagt Meyer. Aber danach gab es ein paar Jahre lang nach fast jedem Konzert Beschwerden. Von „Soundbrei“ war etwa nach U2 im August 2010 die Rede, und immer wieder ging es darum, ob das Dach geöffnet oder geschlossen werden müsse, um einen guten Klang zu erzielen. Eigentlich ist das ziemlich egal, sagt Meyer, die Tontechniker könnten sich auf beides einstellen. Offenes und geschlossenes Dach. Mittlerweile hätten sie das auch geschafft, Beschwerden über den Sound gebe es kaum noch. Aber beim Bon-Jovi-Konzert vor sieben Jahren sei so ein Auftritt in einem geschlossenen Stadion halt noch ziemlich ungewohnt gewesen.

Bald wieder Ort eines Rekords

Zehn Jahre neues Stadion, da fielen auch ein paar Weltrekorde an, die Meyer und sein Kollege Henning Enste am Montag ziemlich stolz präsentieren. Im vergangenen Jahr kamen zum Beispiel mehr als 40 000 Zuschauer zu einem Handballspiel. Das steht nun im Guiness Buch der Rekorde. Der überflüssigste Abstieg in der Geschichte der Fußball-Bundesliga steht nicht in dem Buch. Den hat die Eintracht im Sommer 2011 geschafft, und damit der Besitzgesellschaft Sportpark Stadion Frankfurt einige finanzielle Schwierigkeiten bereitet, weil in Liga zwei viel weniger Zuschauer kommen. „Aber auch dieses sportlich desaströse Jahr haben wir weggesteckt“, sagt Lothar Schäfer, Chef der Gesellschaft.

Liebes neues Stadion, im nächsten Jahr sollst du wieder Ort eines Rekords werden. Das größte Orchester der Welt soll auftreten. 15 000 Musiker. Details nennen Meyer und Enste zwar noch nicht, aber der Abend könnte vergnüglich werden.

So eine Entwicklung, so viele Veranstaltungen „hatten wir uns nicht vorgestellt“, schwärmt Sportdezernent Markus Frank (CDU). Wobei die Events Teil des Refinanzierungskonzepts sind, insofern hatte sich die Stadt diese Entwicklung durchaus vorgestellt. Aber vielleicht meint Frank ja auch die vielen Veranstaltungen in der 2007 eingeweihten Stadionkapelle. Dort wurden 82 Kinder getauft, und 18 Paare haben geheiratet. Zum Teil trugen die Eheleute Eintracht-Trikots. Wie sich das gehört, wenn man bei dir, liebes Stadion, zu Gast ist.

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