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Skeptischer Seitenblick: Mr. Pepper bei seiner Vorstellung im August-Stunz-Zentrum am Röderbergweg.

Pflege in Frankfurt

Senioren lehnen Roboter als Pfleger ab

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Ein humanoider Roboter stellt sich in Frankfurt im August-Stunz-Zentrum vor. Die Senioren lehnen ihn nicht rundweg ab. Bingo würden sie schon mit ihm spielen, doch pflegen lassen wollen sie sich von ihm nicht.

„Hallo, mein Name ist Pepper, ich bin 1,20 m groß, 28 Kilo schwer. Ich kann Gefühle erkennen und das Alter von Menschen schätzen.“ 

Höflich stellt sich der humanoide Roboter, programmiert von Christine Lang und Kerem Türkogullari, den Anwesenden im voll besetzten Speisesaal des August-Stunz-Zentrums vor. Bewohner der Einrichtung, Altenpflegeschüler und Mitarbeiter anderer Altenheime sind gekommen, um sich über die Fähigkeiten und Möglichkeiten zu informieren und zu diskutieren.

Sabine Kunz, Leiterin des Zentrums der Arbeiterwohlfahrt, formuliert in ihrer Ansprache die zentrale Frage der Veranstaltung: „Könnten das neue Kollegen, neue Mitbewohner sein, oder ist das gar nichts für uns?“

Die Professorin Barbara Klein ist mit den Studenten des interdisziplinären Moduls „Potenziale humanoider Roboter im Sozial- und Gesundheitswesen“ an der University of Applied Sciences, der ehemaligen Fachhochschule, gekommen, um erste Ergebnisse vor Ort vorzustellen, zu diskutieren, aber auch für die Weiterentwicklung Ideen zu sammeln. 

Einige der Bewohner haben da gleich einige Vorschläge: Memory und Bingo spielen können, oder Mensch ärgere dich nicht. Eine Mitbewohnerin erkennt zwar an, dass Pepper und seine „Kollegin“ Peppa schon einiges an Gymnastik vorführen können, dass da aber noch viel Forschungsarbeit notwendig sei, um sie etwa in der Altenpflege einsetzen zu können. Zentrumsbewohner Helmut Brieger (81) hat ganz andere Bedenken: „Ich sehe die Gefahr, dass das Personal durch Roboter ersetzt wird.“ Für ihn sollte ein Roboter nur auf Nachfrage bereitgestellt werden. Er möchte nicht aus personellem Zeitmangel einen Roboter ins Zimmer geschoben bekommen. 

Daniela Wolf arbeitet im Hufeland-Haus und bezeichnet die Fähigkeiten als „nettes Gimmick“. Die menschliche Interaktion, die in der Altenpflege notwendige Empathie könne ein humanoider Roboter nicht leisten. Darin sieht sie das Manko: „Und wenn es so weit ist, dass die ein Roboter leistet, werde ich sehr erschrecken.“

Sven Dotzauer, Leiter der Groner Altenpflegeschule, meint, man dürfe sich nicht der digitalen Weiterentwicklung versperren. „Von einer reinen Bespaßung halte ich nichts.“ Aber für ein bisschen Alltagskommunikation kann er sich einen humanoiden Roboter vorstellen. Ein Roboter mit Gesichtserkennung, der die Bewohner mit Namen begrüßt, könnte durchaus hilfreich sein. Denn eines wird an diesem Nachmittag besonders deutlich: Den Pflegekräften fehlt es an Zeit, weil zu wenig Personal da ist.

Befürworter, Kritiker, Unentschlossene: Aus jeder Richtung kommen Beiträge, und wenn es denn ein Fazit gibt, dann: Roboter zur Unterstützung ja, als Ersatz eines Menschen nein. Darauf weist auch Ken Gerlinger von der Arbeitsgruppe „Spiel und Spaß“ explizit hin: Er verstehe die Angst, ersetzt zu werden, Tatsache sei aber auch, dass die Pflegekräfte überfordert seien. Für ihn lautet die Frage: Wo kann der Roboter Arbeit übernehmen, damit ich mehr Zeit für die Menschen habe?

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