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Ganz in Weiß: Ministrantin Christl Trinler (li), Edgar Lühn (re) und Klaus Ottenhus.

Kirche

Senioren helfen als Ministranten aus

Die katholische Kirche bildet für den Altardienst nun auch Ältere aus. Ein Mann von 55 Jahren ist das "Nesthäkchen".

Christmetten und Osternachtfeiern – das war in früheren Zeiten in vielen katholischen Gemeinden das ganz große Kürprogramm, mit viel Weihrauch, Kerzen und einem Großaufgebot an Ministranten, die hinter dem Gemeindepriester in einer feierlichen Prozession in die Kirche zogen. Der Bevölkerungswandel und geänderte Freizeitprioritäten sind allerdings auch an den Kirchen nicht spurlos vorbeigegangen. „Im vergangenen Jahr hatten wir in der Osternacht zwei Ministranten“, sagt Ralf Alben-soeder, Pastoralreferent der Gemeinde St. Markus in Nied. Früher seien es dagegen auch schon mal 20 gewesen.

In diesem Jahr soll der Pfarrer an den Ostertagen keine gähnende Leere um sich im Altarraum spüren. Bereits vor mehreren Monaten startete Albensoeder einen Aufruf, um auch Erwachsene jenseits des klassischen Ministrantenalters für den Altardienst zu rekrutieren. Mittlerweile haben acht die Ausbildung absolviert.

Christl Trinler ist mit ihren 81 Jahren die Älteste in der Gruppe, Klaus Ottenhus gehört mit 55 zu den „Nesthäkchen“. In ihren langen wollweißen Gewändern versammeln sie sich unter dem Altarkreuz, das in der Karwoche traditionell mit einem Tuch verhüllt ist.

„Ich fand es schade, dass wir früher nie mitmachen durften am Altar, weil wir „nur“ die Mädchen waren“, sagt Trinler. Nur zum Putzen und Schmücken der Kirche seien die Frauen damals im Altarraum gut gewesen. Als der Aufruf nach Ü-40-Ministranten gestartet wurde, musste Trinler nicht lange überlegen: „Ich bin sowieso da. Ob ich nun in der ersten Bank bin oder am Altar, das ist mir egal.“ Wenn ihre Kollegen zum Weihrauchfass greifen, hält sie sich aber zurück. Allerdings nicht aus übertriebener Bescheidenheit: „Ich bin allergisch gegen Weihrauch.“

Mit der Enkelin im Dienst

In St. Markus sei die Lage eigentlich noch ganz gut, erzählt Albensoeder. Es gebe zahlreiche Kinder und Jugendliche, die als Ministranten aktiv seien. Aber da viele aus polnischen oder kroatischen Familien stammen, verbrächten sie gerade die Feiertage bei den Großeltern in Oppeln, Gleiwitz oder anderswo – und in der Kirche herrsche dann akuter Messdienermangel. Außerdem sei ganz klar: Die Zeiten, in denen Kinder und Jugendliche von der Erstkommunion bis zum Erwachsenenalter in der Gemeinde engagiert waren, seien vorbei. Gerade an Wochenenden gebe es „Konkurrenz“ durch Sportveranstaltungen oder andere Freizeitaktivitäten. Die Ü-30- oder Ü-40-Generation soll Abhilfe schaffen.

Edgar Lühn aus der Gemeinde in Nied ist mit seinen 75 Jahren ebenfalls schon lange im Rentenalter, aber über eine Re-Aktivierung als Messdiener musste er nicht lange nachdenken. „Ich war mit Begeisterung Ministrant“, versichert er und streicht versonnen über seinen weißen Kinnbart. „Das war so eine wunderbare Gemeinschaft.“

In Lühns Fall ist der Altardienst auch Familienangelegenheit – seine Enkelin ist ebenfalls Ministrantin. „Einmal haben wir schon zusammen Dienst gehabt“, erzählt der Senior-Messdiener stolz. „Und am Ende sagte sie: ,Opa, bis auf einen kleinen Fehler war das ganz in Ordnung‘.“

„Ministranten über 30 oder 40 sind ein recht neues Phänomen“, sagt Alexander Bothe, Referent für Ministranten-Pastoral bei der Arbeitsstelle für Jugendarbeit der Deutschen Bischofskonferenz. Von einem Trend zu sprechen, wäre da eher übertrieben – bundesweit sind etwa 98 Prozent der Ministranten Kinder und Jugendliche. (dpa)

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