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Senckenberg:Pension für Papageien

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Die Vogelburg in Weilrod eröffnet eine tropisch-surreale Welt – mitten im Taunus

Als die Kinder die große Voliere betreten, werden sie angebellt. Verwirrt schauen sie sich um. Tatsächlich: Es war der Gelbbrustara, der nun über einen Steinsims auf sie zuhopst. Ein anderer Ara flattert auf den Arm eines Jungen – und rupft ihm keck das Papiertütchen mit dem Futter aus der Hand. Überraschungen gehören zum Programm der Vogelburg, die versteckt im Wald nahe Hasselbach in Weilrod liegt.

Exotische Vögel in allen Farben gibt es dort, aus Südamerika, Afrika, Asien, Australien. Fast 800 Aras, Amazonen, Agaporniden, Sittiche und Kakadus leben in den Volieren und Gebäuden. Sie pfeifen, krächzen, kreischen. Oder bellen. Was sie sich eben so abgehört haben von ihren zwei- und vierbeinigen Gästen. Zuweilen schallt sogar ein „Hallo“ aus den Ästen, von den Stangen und Podesten, auf denen die Vögel teils frei ohne Gitter oder Ketten hocken.

Türmchen und Erker säumen den kopfsteingepflasterten Pfad, der sich windet wie ein Labyrinth. Hier steht ein kurioser Brunnen, da ein Pflanzenpavillon, dort eine skurrile Skulptur. Wer die Vogelburg besucht, fühlt sich versetzt in ein tropisches, surreales Märchenparadies. Und das im tiefsten Hintertaunus.

Schöpfer dieser Welt ist Hans Gerd Steiner. Er hat vor mehr als 40 Jahren begonnen, das Vogel-Refugium zu errichten. Aus ganz Deutschland hat er Material von Abbruchhäusern ankarren lassen: Türen, Rahmen, Torbögen, Kuppeln, Ornamente. Kombiniert mit Schieferbruchstein wurde eine fantastische Architektur in die Landschaft modelliert. Alles für die Papageien. Um sich in Ruhe ihrer Pflege und Zucht zu widmen, hatte Steiner 1981 das abgelegene Gelände gekauft. Doch die Behörden erteilten ihm nur eine Genehmigung unter der Prämisse, die Anlage öffentlich zugänglich zu machen. Seit 1986 ist sie es. Ein klassischer Vogelpark aber ist die Vogelburg nie gewesen. Sie gilt als einzigartig in Deutschland.

Einzigartig auch deswegen, weil die Einrichtung sämtliche Tiere aufgenommen und keines erworben hat. Die Besitzer:innen haben sie in Obhut gegeben und zahlen für ihre dauerhafte Unterbringung. Gründe dafür gibt es einige. Viele Papageien werden sehr alt und daher weitergegeben, mitunter entwickeln Menschen eine Allergie. Oder Nachbarn beschweren sich über den Lärm. Oft aber wollen die Halter:innen ihrem Vogel einfach ein möglichst artgerechtes Leben in Gesellschaft von Artgenossen ermöglichen.

Dem Homo Sapiens begegnen die Vögel meist neugierig und freundlich. Doch Respekt ist geboten. Die intelligenten Tiere haben ihre Vorlieben und Launen – und scharfe Schnäbel.

Die Vogelburg in Weilrod-Hasselbach ist vom 15. März bis 31. Oktober täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet 8 Euro für Erwachsene und 6 Euro für Kinder bis 14 Jahre.

www.vogelburg.de

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