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So ein Saurier birgt viele Geheimnisse.

Senckenberg Museum

Senckenberg Museum Frankfurt: Edmonds Magen

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Eine ausgefallene Ausstellung und interessante Erkenntnisse bei Senckenberg.

Er sieht immer ein bisschen so aus, als würde er gerade schwungvoll um die Ecke segeln: „Edmond“, der Edmontosaurus, eine der großen Attraktionen im Senckenberg-Naturmuseum. Ihm und seiner Zeit vor fast 70 Millionen Jahren sollte sich die Sonderausstellung „Edmonds Urzeitreich – Eine Dinograbung in Frankfurt“ widmen, die in diesen Tagen begonnen hätte, wenn nicht das Coronavirus überall für geschlossene Museen sorgte.

Die Naturforscher haben aber trotzdem interessante Neuigkeiten. Denn passend zur geplanten Ausstellung hat der Paläobotaniker Dieter Uhl, Sektionsleiter für die Klima- und Umweltforschung in grauer bis steinerner Vorzeit, den angeblichen Mageninhalt von Edmond untersucht. Seine Einschätzung: „Mehr als unwahrscheinlich, dass es sich bei den fraglichen Resten wirklich um den Magen- oder Darminhalt der Frankfurter Edmontosaurus-Mumie handelt.“

Edmond, der Entenschnabelsaurier, war Anfang des 20. Jahrhunderts in Wyoming ausgegraben und vor gut 100 Jahren nach Frankfurt verkauft worden. 1922 publizierte ein Uni-Professor, was er für den Mageninhalt hielt. Überliefert sind aber lediglich ein handschriftlicher Zettel, mikroskopische Pflanzenreste aus dem mutmaßlichen Magen sowie Blattabdrücke und Sedimentproben aus dem Sandstein, der die ehemalige Leibeshöhle des Dinosauriers ausfüllte.

Uhl befasste sich eingehend damit und kam zu dem Schluss: Die versteinerten Pflanzenreste stammen wohl eher aus dem Sediment, das sich lange nach Edmonds Tod um ihn herum bildete – zumal der angebliche Magen an einer Stelle gefunden wurde, an der er kaum hätte liegen können, es sei denn, Edmond hätte seine zehn Tonnen Gesamtgewicht noch einmal auf die andere Seite gewälzt, und zwar ebenfalls nach seinem Tod.

So müssen Urzeitfreunde also erst einmal ohne Edmond verdauen, dass sie die Ausstellung nicht sehen können. Sollte sie später nachgeholt werden, gibt es Spannendes über den alten Entenschnabel hinaus zu sehen. Wer es schon mal wissen will, findet es hier: https://museumfrankfurt. senckenberg.de/de/ausstellung/ vorschau/edmonds-urzeitreich.

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