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„Ei Gude.“ Edmontosaurier unter sich. In der App.

Senckenberg-Museum

Mit der App zum Dino

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Senckenbergs Museumsführer fürs Handy weckt sogar Mumien auf.

Der Edmontosaurus im Senckenberg-Museum galt bisher als ungesellig und nicht besonders sportlich. Die vergangenen etwa 70 Millionen Jahre lag er faul herum, ehe er in Wyoming ausgegraben und nach Frankfurt verfrachtet wurde, um hier weitere rund hundert Jahre starr als Mumie zu verharren.

Umso erstaunlicher, dass der Fünf-Meter-Brocken am Donnerstagmittag plötzlich aufsteht und zur Verblüffung der Augenzeugen eine Reihe von Angehörigen seiner Art begrüßt. Panik lässt sich dennoch vermeiden, denn der weltberühmte Dino bewegt sich nur, wenn man ihn per Smartphone betrachtet. Die Animation ist Teil der neuen Senckenberg-App, die Besucher ab sofort multimedial begleitet.

„Wir reißen die Mauern des Museums ein“, sagt Katrin Böhning-Gaese vom Senckenberg-Direktorium. Doch Abrissbirne und Arbeitssaurier müssen nicht anrücken – die Wissenschaftlerin meint es subtil. Die neue App soll Barrieren abbauen, alle Altersgruppen neugierig machen, das Museum öffnen: „Auch als Ort, an dem politisch diskutiert und Einfluss genommen wird.“

Zunächst hilft das Smartphoneprogramm aber ganz praktisch. Schon zu Hause können Besucher ihre Museumstour planen und eine individuelle Route zu den Lieblingszielen ausarbeiten lassen, samt Zeitangabe, wie lang der Rundgang dauern wird. Im Museum angekommen, gibt es dann jede Menge Informationen – aber solche, die den Blick vom Handy weglenkten, sagt Projektleiterin Eva Rosmanith.

Die App zeigt also nicht nur, wo die Toilette ist und wie weit der Finnwal das Maul aufreißen kann. „Sie fordert auch dazu auf, den Finnwal abzuschreiten: Wie lang ist er eigentlich?“ Oder den Archaeopteryx mit der Handylampe anzuleuchten und zu schauen, ob man die Zähne sieht. Zwischendurch ist aber auch ein Film aus der App erlaubt. Der Finnwal, da schwimmt er.

Ein Film? Muss ja riesig sein, die App. Gar nicht, sagt Philipe Havlik, ebenfalls Projektleiter. 40 Megabyte zum Download (iOS und Android) und die großen Dateien sind per WLAN und Hotspot aus dem Netz aufzurufen. Havlik ist begeistert: sich selbst als blauen Fleck im Museum, und wie man sich ans gewünschte Ziel navigiert. Alle können künftig so ein blauer Fleck sein, können ihren Favoriten unter den Exponaten ein Herzchen schenken und gucken, welche die Favoriten der anderen Besucher sind. „Das ist natürlich auch für uns interessant“, sagt Havlik, denn das Museum wird bekanntlich umgebaut, da spielt die Frage eine Rolle: Was wollen die Leute unbedingt sehen? Alle Inhalte gibt es auf Deutsch und Englisch, erläuternde Texte zu Exponaten auch auf Italienisch, Spanisch, Türkisch und Französisch. Welche Sprache die Edmontosaurier sprechen, man weiß es nicht. Aber lustig, durchs Smartphone zu sehen, wie sie im Vorbeispazieren echten Museumsbesuchern begegnen, und die Leute merken gar nichts.

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