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Der junge Mann und das Meer: Senckenberg-Kurator Philipe Havlik im neuen Themenraum Korallenriff.
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Der junge Mann und das Meer: Senckenberg-Kurator Philipe Havlik im neuen Themenraum Korallenriff.

Senckenberg-Museum

Frankfurt: Weltweit einzigartiges Korallenriff im Senckenberg-Museum

  • Thomas Stillbauer
    VonThomas Stillbauer
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Ergreifende Schönheit, bedrohte Natur: Das Senckenberg-Museum erweitert seinen Meeresbereich um ein eine Korallenwelt und mahnt die Menschen.

Frankfurt - Ein Schnorchel ist nicht nötig. Zum Eintauchen ins Ökosystem Korallenriff lädt Senckenberg-Museumsdirektorin Brigitte Franzen aber ausdrücklich ein. Möglich, dass manche in der neuen Dauerausstellung Augen machen, groß wie Taucherbrillen.

Etwa 3000 Individuen haben die Zoologische Präparatorin Hildegard Enting und ihr Team an diesem Riff im Senckenberg-Museum untergebracht – auf gut 50 Kubikmetern. Da guckt ein Papageifisch aus einer Höhle heraus. Ein Leopard-Drückerfisch gibt mit seinem Raubtiermuster an. Eine Spanische Tänzerin gaukelt vorbei; das ist eine rote Meeresschnecke. Und wenn wir so weitermachen, sind wir am Ende der Sommerferien noch nicht fertig mit dem Aufzählen.

Frankfurt: Dreieinhalb Jahre wird im Senckenbergmuseum am Korallenriff gebaut

Dreieinhalb Jahre hat es gedauert, bis dieses Riff in Frankfurt fertig war, flankiert von einem an der Saaldecke schwebenden Rochen namens Alfredo, den wir kürzlich schon näher kennenlernten. „Es ist unser nächster Schritt hin zu einem Museum von Weltformat“, sagt Katrin Böhning-Gaese vom Senckenberg-Direktorium. Nur 0,1 Prozent des Meeresbodens sei von Korallenriffen bedeckt, sagt sie, aber dort lebe ein Drittel der Meerestierwelt.

Klar, dass es sich um einen schützenswerten Lebensraum handelt. Bitter, dass er durch den Klimawandel extrem bedroht ist. Eine von mehreren interaktiven Stationen im Saal zeigt das drastisch: Studierende der Hochschule Trier haben unter anderem einen Regler angebracht, mit dem das Publikum die Meerestemperatur beeinflussen kann – um zuzusehen, wie schnell es vorbei ist mit dem Riff. „Zwei Grad“, sagt der Trierer Professor Daniel Gilgen, „und das Meer hat Fieber.“ Jeder Mensch könne mit dem Fieberthermometer nachempfinden, wie stark ihn zwei Grad erhöhte Temperatur belasteten; so leide auch das Meer.

DIE SCHAU

Am Freitag, 16. Juli, eröffnet Senckenberg den Themenraum Korallenriff als Dauerausstellung, gleich neben den Tiefsee-Räumen.

Im Jubiläumsjahr – das Museum gibt es seit 200 Jahren – ist es ein Meilenstein auf dem Weg zum neuen Ausstellungskonzept mit den vier Pfeilern Mensch, Erde, Kosmos, Zukunft.

Etwa 100 Personen haben daran mitgearbeitet, darunter das Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung, die Hochschule Trier und mehrere Stiftungen. Weitere Informationen unter www.senckenberg.de

Das Senckenberg-Museum befindet sich immer noch im Ausbau. Bis 2025 soll die Ausstellungsfläche in Frankfurt von 6.000 auf 10.000 Quadratmeter wachsen.

Senckenberg-Museum in Frankfurt: „Das Riff ist der erste Kipppunkt“

Davon ahnt die Echte Karettschildkröte nichts, die gerade auf der Tageslichtseite des Riffs von Putzerfischen bearbeitet wird, während auf der Nachtseite ein Rudel Riffhaie wie eine Rabaukenbande aufkreuzt. Umso mehr hat das Seepferdchen von den Veränderungen durch uns Menschen mitbekommen. Es klammert sich an ein Wattestäbchen, und unter ihm: Müll, Fangnetze, abgestorbene Korallenteile.

„Das Riff ist der erste Kipppunkt“, sagt Böhning-Gaese. Gelinge es nicht, den Wettlauf gegen die Klimakatastrophe zu gewinnen, sei dieser wichtige Lebensraum verloren, mit Folgen auch für uns Menschen. Es gelte, die Transformation anzustoßen, hin zu einer nachhaltigen Welt. Die Ausstellung appelliert an den Dialog des globalen Nordens mit dem globalen Süden – und ermöglicht ihren Gästen virtuelle Dialoge mit Menschen, die von und mit Korallenriffen leben: einer Meeresbiologin, einer Speerfischerin, einem Korallengärtner, einem Tropenforscher. Zugleich schafft die Schau einen Ort zum Innehalten und Staunen und Nachdenken. Sie hat so viele Sitzgelegenheiten wie kein anderer Museumsbereich. „Dieses Riff ist eine solitäre Skulptur, der Inbegriff von Schönheit und einer besonderen Ästhetik“, schwärmt Direktorin Franzen. Sie sei naturnah, aber auch eine künstlerische Interpretation, die alles in einem Exponat vereine: Tag, Nacht, Vitalität und Zerstörung. „Alle wichtigen Facetten im Zeitraffer.“

Frankfurt: Im Senckenberg-Museum liegt alle Aufmerksamkeit auf dem Riff

Unter der blauen Saaldecke im Senckenberg-Museum, unter der Meeresoberfläche also, gibt es an den Wänden nicht viel. Mit Absicht, sagt Kurator Philipe Havlik, es gehe ja darum, die ganze Aufmerksamkeit auf das Riff zu lenken, auch auf das, was der Mensch mit der Natur anstelle: „Es ist zum Weinen.“

„Jaa, da juckt’s – weiter links!“ Karettschildkröte mit Putzerfischen.

Aber nicht nur. Diese kleine Muschel, wer ist denn da drin? Ein Kokosnussoktopus. Er habe, sagt Havlik, den Präparatorinnen freitags einen Film gezeigt, in dem der kleine Krake aus seiner Muschel aussteige und erledige, was kleine Kraken eben so zu erledigen hätten, ehe er wieder heimkehre und die Muschel von innen zuklappe. Montags war das Modell von Oktopus und Muschel praktisch fertig. Besagter Film wird im Media Guide in der Senckenberg-App zu sehen sein. Dürfte ein Blockbuster werden.

Weltweit einmaliges Korallenriff im Senckenberg-Museum in Frankfurt

„Das gibt es so nicht noch einmal auf der Welt“, sagt Havlik über das Senckenberg-Riff. Ein schönes Gefühl, das Ganze fertig zu sehen, sagt Kay Weber vom Präparatorinnenteam. Ihre Kollegin Anna Frenkel hat die Riffhaie gemacht, was eine aufwendige Arbeit war, denn: „Sie sind viele, sie sind groß, jeder hat eine andere Form.“ Einer beißt dem anderen gerade in die Flosse. „Ja, die sind bei der Kopulation, da ist das üblich unter Haien, dass sie sich ineinander verbeißen.“ Wieder was gelernt. Und was kommt als Nächstes, jetzt, nach dreieinhalb Jahren Arbeit am Korallenriff. „Erst mal Urlaub.“

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