Pascal I. und Selina 1. promoten nachhaltige Mode: Der Prinz hat seine alten Gehaltsabrechungen geschreddert und trägt sie nun als Schulterklappe.

Frankfurter Prinzenpaar

Inthronisations-Feier des Frankfurter Prinzenpaars

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Bei der Inthronisations-Feier des Frankfurter Prinzenpaars im Festzelt gibt es tolle Showtänze, aber auch weniger gelungene Witze.

Sie gehe als Marokkanerin. „Aber eine aus der oberen Schicht“, betont Gisela Fischer. Ihr weißes Kleid, das sie mit goldfarbener Handtasche und goldfarbenen Schuhen kombiniert hat, habe sie vor 40 Jahren in Marokko gekauft. „Für zehn Mark.“ Am Freitagabend sitzt der Fastnachtsfan nun im närrischen Festzelt am Ratsweg an einem der vielen Tische. 600 Narren klatschen laut Veranstalter im Saal mit. Frau Fischer freut sich am meisten auf Andy Ost. Den Sänger und Comedian feiert sie für seine Parodien auf bekannte Songs. Doch er ist erst so in drei Stunden dran – bei der Big Party zur Inthronisation des Frankfurter Prinzenpaares: Diese sind seine Tollität Pascal I. und Ihre Lieblichkeit Selina I.

Neben Gisela Fischer aus Dreieich sitzt ihr Lebensgefährte. „Er ist als Südstaatler verkleidet“, sagt sie und lacht. K.U.K – so der Name der Frankfurter Party-und Fastnachtsband- bestreitet in Glitzersakkos derweil mit zwei Tänzerinnen das Warm-up. Das legendäre „Highway to Hell“ wird zu „Ich bin ein Frankfurter Bub“. Nach 20 Jahren ist das übrigens K.U.K.s letzte Saison. Oberbürgermeister und Präsident des Ehrensenats Peter Feldmann (SPD) ist auch da: Er dichtet Dinge wie „Die neue Altstadt, was ein Hit, da kommt so schnell wohl keiner mit.“ Dann erzählt er auch gleich noch einen „Manni und Blondie“- Witz.

Frankfurter Prinzenpaar kommt aus Mainhausen und Karben

Wo aber bleiben die Stargäste? Das Frankfurter Prinzenpaar? Das kommt etwas verspätet, dafür aber mit viel Tamtam herein: Vorneweg laufen zwei echte Straßenreiniger der FES, die mit Laubbläsern hübsch Konfetti in die Luft wirbeln. Das geht so schnell, dass die meisten Zuschauer nur das Konfetti, nicht aber die Laubbläser sehen. Die Frankfurter Entsorgungs- und Service GmbH (FES) ist diesmal das Prinzliche Haus, also Hauptsponsor der Kampagne, und durfte das Prinzenpaar stellen. „Das FastnachtsFESt ist eine Zier – keiner macht das so wie wir“ ist das Motto. Pascal Wunderlich – so lautet der bürgerliche Name des 27-jährigen Prinzen, der in Mainhausen unweit von Seligenstadt lebt – arbeitet bei der FES als Assistent der Geschäftsführung.

Die 28-jährige Fastnachtsprinzessin heißt im Alltag Selina Landwehr und kommt aus Karben. Sie ist Kauffrau bei der FES-Tochtergesellschaft Frankfurter Fußweg-Reinigung. Dass beide keine Frankfurter sind, sei gar kein Problem. „Wichtig ist, dass das Prinzliche Haus ein Frankfurter Unternehmen ist“, erzählt Klaus Fischer, Ehrenpräsident des Großen Rats. „Ich bin so etwas wie der gute Opa beim Großen Rat“, sagt er und lacht. Er betont, dass es überhaupt kein Skandal sei, dass der Frankfurter Prinz in Offenbach geboren wurde.

Richtug gut war das Tanzprogramm am Abend.

Auf der Bühne aber müssen sich Prinz und Publikum abgedroschene Offenbach-Witze anhören. Axel Heilmann, Präsident des Großen Rats, sagt beispielsweise: „Man kann viel über Offenbach sagen. Nur nichts Gutes.“ Oder Heilmann erzählt, wie er einmal im Auto geflucht habe: „Fahr doch zur Hölle!“ und dann die Stimme seines Navigationssystems ertönte: „Ihre Route nach Offenbach wird neu berechnet.“ Bei der Nummer von „Partygast“ alias Patrick Fiederer muss man sehr genau hinhören. Seine Sprache ist eine Mischung aus sehr hessisch und sehr undeutlich. Undeutlich wohl, weil er einen Betrunkenen mimt. Bei RTL hätte er eine Bauchbinde bekommen, so dass der Text in Hochdeutsch eingeblendet werden würde. Andererseits ist es auch nicht schlimm, dass man vieles nicht versteht. So erzählt er in seiner Rolle als „Partygast“, dass er so betrunken gewesen sei, dass er einen Damenmantel angezogen habe und befürchtete: „Uh, dann bekomme ich noch meine Tage.“ Ansonsten geht es auch mal ums Brechen. Der Applaus ist mäßig.

Sehr gelungene AUftritte

Aber es gibt auch sehr gelungene Auftritte. Die haben nichts mit Reden, von denen es ebenfalls wenige gibt, sondern mit Tanzen zu tun. So begeistert die 15-jährige Chantal Andemicael des Nieder Carneval Clubs 1969 als Solistin mit einer Mischung aus Tanz und Turnen. Super kommt auch das Männerballett der Mainzer Klinik-Athleten an. Ihre coole Piraten-Choreo performen sie zu Songs von Backstreet Boys bis Tote Hosen.

Die Showtanzgruppe des Sport- und Kultur-Club (SKC) Glaubergs wird besonders gefeiert. Und das nicht nur, weil die 27 Mädchen und Frauen super synchron und ausgezeichnet tanzen, sondern weil ihre Fischschwarmnummer auch eine Botschaft hat: Es geht um die tödliche Gefahr von Plastikmüll für die Fische im Meer. Am Ende rufen sie: „Rettet unsere Welt“. Das will auch das Prinzenpaar. So werfen sie sich am Anfang des Abends in besondere Kostüme: Prinzessin Selinas Rock ist aus einer alten Zeltplane und die aufgenähten Röschen aus einem alten Prinzessinnenkleid. „Und ich trage einen abgetragenen Pulli.“ Prinz Pascal I. erzählt, dass er seine alten Gehaltsabrechnungen geschreddert habe. Diese dienen nun als Schulterklappen seiner Uniform.

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