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Selenskyj spricht bei Frankfurter Demo: „Wenn die Ukraine fällt, fallen wir alle.“

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Von: Kathrin Rosendorff

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Wolodymyr Selenskyj
Wolodymyr Selenskyj © christoph boeckheler*

Der ukrainische Präsident Selenskyj spricht per Live-Schalte bei einer Demo in Frankfurt. 2000 Menschen sind gekommen, um gegen Putins Krieg zu demonstrieren.

Frankfurt - Viele der 2000 Menschen am Römerberg haben am Freitagabend Tränen in den Augen. Manche weinen, auch der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj ist emotional berührt, er sieht abgekämpft aus. Er sitzt vor einer weißen Wand am Schreibtisch in olivgrüner Jacke. Er ist live zugeschaltet und auf einer riesigen Leinwand vorm Römer zu sehen, als er seine Ansprache an das europäische Volk richtet und sagt: „Wenn die Ukraine fällt, dann fallen wir alle. Also bitte schweigen Sie nicht. Kommen Sie raus und unterstützen Sie die Ukraine so viel wie möglich.“ Und dann betont er: „Und wenn wir gewinnen, und ich bin sicher, dass wir gewinnen, wird das der Sieg für die ganze demokratische Welt. Der Sieg unserer Freiheit.“ Am Ende hebt er triumphierend die geballte Faust. Und sagt: „Ruhm der Ukraine.“

Die Menge in Frankfurt applaudiert. Ruft immer wieder auf Ukrainisch: „Ruhm der Ukraine.“ Auch wenn durch die Rückkopplung, die Rede schwer und meist nur abgehackt zu verstehen ist. Die Emotion, die Message des ukrainische Präsidenten kommt aber bei allen an. Am Freitag gab es in mehreren europäischen Städten Demos gegen den russischen Angriff auf die Ukraine. Die Live-Schalte mit Selenskyj läuft zeitgleich auch in Wien, Vilnius, Bratislava, Prag, Lyon und Tiflis. Auch dort schwenken die Menschen wie in Frankfurt die ukrainische Flagge. In Frankfurt wurde die Veranstaltung von der Europa Union Frankfurt und mehreren Parteien organisiert.

Ukraine-Krieg: proteste in Frankfurt - Ansprache von Selenskyj

Auch tagsüber gab es in der Mainmetropole mehrere Proteste, unter anderem von Schüler:innen der integrierten Gesamtschule (IGS) Süd und der Carl-Schurz-Schule, die mit einer Menschenkette gegen den Krieg demonstrierten. Die Stadt Frankfurt gab am Freitag bekannt, dass sie Übernachtungsmöglichkeiten für Geflüchtete ausbaue. Das Deutsche Rote Kreuz richtet provisorische Unterkünfte für Geflüchtete in zwei Sporthallen der Stadt her.

In der Nacht zum Freitag hatten russische Truppen das Atomkraftwerk in der Stadt Saporischschja beschossen und unter ihre Kontrolle gebracht. Und so sieht man auch viele Schilder auf dem Römerberg, auf denen der russische Präsident beschimpft wird. Auf einem ist er als Teufel gezeichnet. Auf einem anderen steht auf Englisch: „Stoppt Putin, bevor er das Leben auf diesem Planeten stoppt.“ Das Zeichen für radioaktive Strahlung ist daneben gemalt. Ein Demonstrant, der einen „FCK Putin“- Sticker an der Jacke hat, sagt, Putin lebe in einem Paralleluniversum. „Ich habe Angst, dass es eskaliert.“ Minütlich wechsle seine Stimmung zwischen Angst, Ohnmacht und Wut.

Ukraine-Krieg: Europa hält gegen Putin zusammen

Diese Worte sagen viele Demonstrierende unter ihnen auch viele Ukrainer:innen, die in Frankfurt leben. Sie wollten ein Zeichen setzten, Putin zeigen, dass Europa im Ukraine-Konflikt gegen ihn zusammenhält. Auch Tanja (26) steht am Römerberg. Die Ukrainerin ist aus Lwiw (Lemberg) unweit der polnischen Grenze. „Ich bin seit drei Tagen hier in Frankfurt. Ich bin mit meiner vierjährigen Tochter geflohen. Mein Mann ist geblieben, um zu kämpfen“, sagt sie. In dem Moment ruft er sie per Videoanruf an. Er lächelt sie an. Sie weint fast und sagt: „Es war sehr hart, meinen Mann zurückzulassen. Ich habe große Angst um ihn.“ Und sie betont: „Ich bitte Europa: Stoppt Putin. Ich will zurück in mein Land. Es ist mein Zuhause. Meine Tochter soll dort aufwachsen.“

In seiner Rede bittet Selenskyj die Demonstrierenden um eine Schweigeminute für die, die im Kampf für ihr Land gefallen sind und all die anderen Kriegsopfer, die unschuldigen Zivilist:innen, die seit dem Angriff Russlands auf das osteuropäische Land ums Leben gekommen sind. Er blickt nach unten. Auch der Römerberg ist für einen Moment still.

Eine Studentin aus Moldawien sagt. „Mein Onkel und mein Opa leben in der Ukraine. Mein Opa ist 70. Er will seine Heimat, sein Haus nicht verlassen. Deswegen ist er nicht geflohen.“ Eine proeuropäische Aktivistin auf der Bühne spricht unter Tränen. Sie sei Deutsch-Ukrainerin. Sie betont, dass es nicht reiche, „Gebäude blau-gelb anzuleuchten“. „Das rettet keine Leben. Schützt unseren Himmel.“ Dann ruft sie in Richtung Menge: „Wir müssen so laut sein, dass die Wände im Kreml beben.“ Am Ende singen alle zusammen die ukrainische Nationalhymne. (Kathrin Rosendorff mit tim)

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