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Maren Kochbeck (r.) und Nicole haben viel zum Gelingen der Jungen Selbsthilfe im Ostend beigetragen.

Beratung

Selbsthilfe für junge Menschen

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Beratungsgruppe nimmt auf spezielle Lebenssituation von Leuten unter 35 Jahren Rücksicht.

Die Männer und Frauen sitzen auf Stühlen im Kreis und reden. Jeder und jede von ihnen hatte schon mal eine Krise oder steckt vielleicht gerade in einer. Zwei Themen werden in der Selbsthilfegruppe an diesem Abend besprochen. Das Besondere: Keiner der Teilnehmenden ist älter als 35 Jahre.

Genau diese Gruppe der unter 35-Jährigen sei in Selbsthilfegruppen oft unterrepräsentiert oder würde gerne über andere Themen sprechen als ältere Teilnehmer. „Bundesweit gibt es schon länger Projekte zu jungen Selbsthilfegruppen“, sagt Maren Kochbeck von der Frankfurter Selbsthilfekontaktstelle. Deshalb fragten Kochbeck und ihr Team nach, ob es junge Menschen in den zahlreichen Selbsthilfegruppen der Stadt gab. Meist lautete die Antwort: „nein“.

Die junge Selbsthilfe trifft sich montags und mittwochs von 18 bis 20 Uhr in den Räumen der Selbsthilfekontaktstelle, Sonnemannstraße 3. Kontakt vorab per Telefon 069/55 94 44 oder E-Mail an service@selbsthilfe-frankfurt.net. Infos unter www.selbsthilfe-frankfurt.net.

Die wenigen jungen Leute, die sie fanden, luden sie im Frühling 2018 zu einem Treffen ein, in dem überlegt wurde, was den Hilfesuchenden wichtig ist und wie man gemeinsam eine Gruppe entwickeln könnte.

Mittlerweile ist der Zuspruch so groß, dass es bereits zwei junge Selbsthilfegruppen gibt. Unter dem Namen „Junge Menschen in Krisenzeiten“ treffen sie sich je einmal wöchentlich für zwei Stunden. Dann geht es um Themen wie Kommunikation, Blick in die Zukunft, aber auch den Tag strukturieren oder Ängste. Die Teilnehmer sind bunt gemischt; vom 18-Jährigen Abiturienten bis zum angestellten Mittdreißiger. Was viele eint, sind eine schwere Zeit, das Gefühl des Verlorenseins oder Einsamkeit. Akute Krisen gehören jedoch nicht in die Selbsthilfegruppe, in dem Fall vermittelt die Kontaktstelle professionelle Hilfe.

Nicole ist seit der Gründung dabei. „Junge Menschen haben andere Themen, die sie beschäftigen“, erklärt die 34-Jährige. Es gehe um Studiums- und Berufswünsche, um die Frage, wo man sich in 20 Jahren sieht. Themen wie Kinder und Familie spielten oft noch keine Rolle. Kurzum, sie hätten andere Sorgen als Ältere. Auch Kochbeck spricht von einer anderen Lebenssituation bei Jüngeren, der eine spezielle Selbsthilfegruppe Rechnung trage.

Die Sitzungen seien auch keineswegs deprimierend. „Es wird viel gelacht“, sagt Kochbeck. Für viele Teilnehmer sei das Treffen das Highlight der Woche. Das liege auch daran, dass die Teilnehmer sich gut verstehen. So trifft sich die Gruppe manchmal zum Grillen, Karaoke oder Poetry-Slam. „Es ist eine spezielle Verbindung“, sagt Nicole. Man könne offen reden, werde nicht verurteilt und sei eben nicht allein mit seinen Problemen.

Wer sich unsicher ist, ob eine Selbsthilfegruppe das richtige ist, kann einmal monatlich ganz unverbindlich zum Kaffee-Plauderkreisel kommen. Das niedrigschwellige Angebot sei zum Reinschnuppern gedacht. Es gehe darum, neue Menschen kennenzulernen und einen schönen Sonntag zu erleben. Der nächste Treff findet am 16. Juni von 11 bis 14 Uhr im Restaurant Cocina Argentina, Sonnemannstraße 5, statt. Das Angebot ist kostenlos und ohne Anmeldung.

Info

Am Freitag, 24. Mai, öffnet der 36. Frankfurter Selbsthilfemarkt seine Türen. Auf dem Römerberg und im Römer präsentieren sich circa 85 Gruppen zu Themen wie Alkohol, Rheuma, Krebs, Demenz oder Trauer. Geöffnet ist der Markt von 11 bis 16 Uhr. Der Eintritt ist frei.

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