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Am Willemer-Häuschen sammeln sich Besucher. Zur Installation schaffen es nur wenige.

Veranstaltung

Sehr frei nach Goethe

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Ein etwas schräger Osterspaziergang, kuratiert von Annette Gloser, führt durch Frankfurt-Sachsenhausen.

Eva Weingärtner steht im zweiten Stock des Willemer-Häuschens und wirkt etwas beunruhigt. „Auf diese Installation muss man sich schon ein bisschen einlassen“, sagt die Künstlerin beim Anblick der Wanderschar. Rund 50 Menschen sind dem Aufruf zu einem Osterspaziergang auf Goethes Spuren gefolgt. Treffpunkt am Ostersonntag war zunächst das Goethehaus. Im Inneren ist nicht viel los. Der Besuch sei „eher mittelmäßig“, sagt ein Mitarbeiter des Museums. Kein Wunder bei dem schönen Wetter, bei dem auch Goethe selbst sicherlich nicht zu Hause rumgesessen hätte. Daher schließen sich auch eher spontan noch ein paar Touristen der Gruppe an, die von Helmut Gimbel vom Volkssportverein Frankfurt Richtung Mühlberg geleitet wird. Der Spaziergang nach Dribbdebach könne auch für das Internationale Volkssportabzeichen gewertet werden, betont Gimbel noch. Mancher läuft der Gruppe aber lieber voraus. Es scheint etwas suspekt, von einem Wanderverein durch die eigene Stadt gelotst zu werden.

Den diesjährigen Osterspaziergang hat Annette Gloser kuratiert. Das hat sie vor zwei Jahren schon gemacht, diesmal ist es eine etwas abgespeckte Form mit nur drei Stationen, alle in Sachsenhausen. Eigentlich war um Voranmeldung gebeten worden. Das haben 20 Leute gemacht. Doch die Gruppe, die sich nun auf die erste Station, das kleine Willemer-Häuschen zubewegt, ist mehr als doppelt so groß und findet dort im Turmstübchen gar keinen Platz, um der Installation beizuwohnen. Für die Performance drängeln sich gut ein Dutzend Osterspaziergänger in das stickige Kämmerchen, als Eva Weingärtner sich in einem großen Standspiegel betrachtet und dabei den Mephisto aus Faust rezitiert. „Ich bin ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft.“ Den Osterspaziergängern im Studierzimmer ist vor allem warm. „Das hat viel zu lange gedauert, es stehen noch so viele Leute draußen“, zetert eine Rentnerin nach der Performance.

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Marc Behrens hat im ersten Stock eine Art Chemielabor installiert. Darunter hat er hartgekochte Eier aufgeschnitten und drapiert. Die Eier sind innen unterschiedlich gefärbt. „Das Essen ist mit Farbe kontaminiert, das soll Goethes Farblehre darstellen, aber das ist von ganz weit draußen fabuliert“, sagt der Künstler. Da hat er recht.

Helmut Gimbel von den Wanderfreunden will jetzt aber mal weiter. Die nächste Station ist die Goetheruh. Dort wird es ein bisschen esoterisch. Haike Rausch und Torsten Grosch vom Projekt 431 art kümmern sich ganz liebevoll um Zimmerpflanzen. Das Duo liest aus einem Buch Biografien von Zimmerpflanzen vor, die irgendwo ein neues Zuhause gefunden haben. Wer möge, könne auch noch an einem „Empathietraining“ teilnehmen, ermuntert Rausch. An einem Baum prangt ein Schild: „Teile einen Gedanken mit der Pflanze (denke laut und deutlich). Beobachte, welcher Gedanke darauf folgt.“ Zum Auditorium mitten im Wald gehört auch Sibylle Nicolai. „Das Buch hat mich beinahe wirklich interessiert“, gesteht die Schauspielerin und ihr Begleiter Peter Lack nickt.

Die dritte Station ist das urige Häuschen des Sachsenhäuser Jagdklubs. Die Installationen im Innern interessieren aber nicht so wirklich, dafür ist das Wetter einfach zu gut. Die Stars dieser Station sind Riesling und Grüne Soße, die im Garten gereicht werden. Und natürlich das nach wie vor prächtige Wetter. Schauspielerin Nicolai und Radiomoderator Lack resümieren. „Wir haben ein paar schräge Performances gesehen“, sagt Nicolai und Lack ergänzt: „Wir hatten einen schönen Nachmittag.“

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