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Seebrücke Frankfurt: Protest gegen das Sterben im Mittelmeer

  • Helen Schindler
    vonHelen Schindler
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Die Seebrücke Frankfurt fordert eine Entkriminalisierung der Seenotrettung.

Wir bauen eine Brücke zu sicheren Häfen – das ist das Motto der Seebrücke. Die Bewegung, die sich vor knapp zwei Jahren gegründet hat, solidarisiert sich mit Menschen auf der Flucht und wird von verschiedenen Bündnissen sowie Akteurinnen und Akteuren der Zivilgesellschaft getragen.

„Die Bewegung ist im Sommer 2018 gestartet, als sich die Lage im Mittelmeer immer mehr zuspitzte und Schiffe der privaten Seenotrettung auf See festgehalten wurden“, erinnert sich Matthias Maier, der sich bei der Seebrücke Frankfurt engagiert. „Damals haben viele gesagt: Es reicht, das können wir nicht länger mitansehen.“ Am 7. Juli 2018 ging die Seebrücke das erste Mal auf die Straße, „und wir in Frankfurt waren direkt mit dabei“, so Maier. Inzwischen sei die Seebrücke deutschlandweit in mehr als 200 Städten aktiv.

Die Aktivistinnen und Aktivisten fordern von der deutschen und europäischen Politik sichere Fluchtwege, eine Entkriminalisierung der Seenotrettung und eine menschenwürdige Aufnahme der Menschen, die fliehen mussten oder noch auf der Flucht sind. Sie setzen sich ein für ein offenes Europa, solidarische Städte und sichere Häfen. „In den vergangenen zwei Jahren ist die Situation auf dem Mittelmeer immer schlimmer geworden“, sagt Maier. Mit fadenscheinigen Argumenten würde die Seenotrettung daran gehindert, Menschen zu retten. „Mit immer größerem Aufwand wird versucht, Menschen daran zu hindern, in Europa Schutz zu suchen. Nicht nur im Mittelmeer, sondern auch auf dem Balkan, der Ägäis und anderen Orten.“

Wie Sie helfen können

Die Seebrücke wurde im Sommer 2018 gegründet, seit diesem Zeitpunkt gibt es auch die Frankfurter Ortsgruppe. Aktuell engagieren sich rund 40 Menschen aktiv bei der Seebrücke Frankfurt: www.seebruecke-frankfurt.de

Spenden will die Seebrücke Frankfurt selbst nicht annehmen. Sie freut sich stattdessen darüber, wenn jemand die Seenotrettungsorganisation Sarah (sarah-seenotrettung.org) unterstützt: Kontoinhaber: SAR aH gemeinnützige UG, Bahnhofstr. 14, 88605 Messkirch. IBAN: DE 68 6905 1620 0000 5949 86. BIC: SOLADES1PFD. Für eine Spendenquittung (bei mehr als 200 Euro nötig) im Verwendungszweck angeben: Spende für SAR aH gUG von Vorname, Nachname (oder Firma), Straße, Hausnummer, PLZ, Ort. hsr

Die Seebrücke versucht, diese Themen im öffentlichen Bewusstsein zu halten und Widerstand zu organisieren. „Auch das solidarische Gestalten vor Ort ist uns wichtig“, betont Maier. Die Ortsgruppen der Seebrücke setzen sich dafür ein , sichere Häfen zu schaffen. So versucht auch die Seebrücke Frankfurt seit geraumer Zeit durchzusetzen, dass sich Frankfurt dazu bereiterklärt, mehr Geflüchtete aufzunehmen, als der Stadt zugewiesen werden. „Damit sollen die Kommunen ein deutliches Signal gegen die Politik des Bundes setzen“, sagt Maier. Zwar hat sich Frankfurt noch immer nicht zum sicheren Hafen erklärt. Aber immerhin sei die Stadt nach dem Brand des Flüchtlingslagers auf Moria dazu bereit, Geflüchtete aufzunehmen.

In Frankfurt veranstaltet die Seebrücke regelmäßig Mahnwachen und Demonstrationen. Für Aufsehen hatte eine Aktion im Sommer 2019 gesorgt. Damals seilten sich Aktivistinnen und Aktivisten von der Alten Brücke ab und blockierten mit Schlauchbooten den Waren- und Personenverkehr auf dem Main.

Aktuell engagieren sich laut Maier rund 40 Menschen bei der Seebrücke Frankfurt. „Wir sind, wenn man so will, eine anarchische Gruppe.“ Es gebe keine Hierarchie; wer für die Bewegung spricht, wechsle. „Wir wollen unsere Vielfalt nach außen tragen“, sagt er. In der Seebrücke Frankfurt sind von Studierenden bis Rentnern alle Altersklassen aktiv.

Die 750 Euro, die die Frankfurter Rundschau an die Seebrücke Frankfurt spendet, will die Bewegung nicht für sich selbst behalten, sondern weitergeben. „Wir werden das Geld an die Seenotrettungsorganisation Search And Rescue for All Humans (Sarah) spenden“, sagt Maier. Die Organisation sammelt momentan Geld für ein Schiff, das sie zur Seenotrettung im Mittelmeer nutzen will. „Jedes Schiff mehr wird gebraucht“, resümiert Maier.

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