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Trauer in Seckbach - nach dem Tod des Sechsjährigen sind viele Fragen offen. 

Seckbacher Kita

Tragischer Tod des Jungen offenbart städtisches Versagen

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Die Stadt Frankfurt spricht erst auf Nachfrage über die Tragödie in der Seckbacher Kita, zum Gedenken kommen keine hochrangigen Politiker. Das ist beschämend. Ein Kommentar.

Nach dem unfassbar tragischen Tod des sechsjährigen Jungen in der Kita am Frankfurter Atzelbergplatz sind noch fast alle entscheidenden Fragen offen. Eines aber lässt sich sagen: Der Umgang der Verantwortlichen der Stadt mit der Katastrophe ist beschämend.

Kita in Seckbach - Mutter macht schwere Vorwürfe

Das fängt mit der Informationspolitik des Bildungsdezernats an. Der Junge starb am Dienstag. Bereits am Mittwochmorgen wurden die Eltern der Zentgrafenschule in Seckbach von der Schulleitung informiert – zu Recht, denn die Mütter und Väter müssen ihren Kindern die Tragödie beibringen. Das Bildungsdezernat aber bestätigte den Tod des Jungen erst am Nachmittag auf Nachfrage (!) der FR und gab keine weiteren Informationen heraus. Zu dem Zeitpunkt wurde in Seckbach längst darüber diskutiert, wie es zu dem Unglück kommen konnte. Was genau das Bildungsdezernat unter Stadträtin Sylvia Weber (SPD) mit dieser Verzögerungstaktik bezweckte, ist völlig unklar. Selbstverständlich müssen bei einem tödlichen Unfall in einer städtischen Kita sofort alle bekannten Fakten öffentlich gemacht werden.

Kein Kontakt zu den Menschen in Seckbach

Am Donnerstag dann trafen sich rund 100 Menschen zu einer Gedenkveranstaltung auf dem Atzelbergplatz, unter ihnen zahlreiche Eltern, die ihre Kinder in die betroffene Einrichtung schicken. Sie wirkten verzweifelt, verstört und verunsichert, sie wollten von einem Verantwortlichen hören: „Wir werden alles dafür tun, dass sich so etwas nie, nie, nie mehr wiederholt.“ Das aber hat niemand gesagt. Abgesehen von Ortsvorsteher Werner Skrypalle hat gar kein Vertreter der Stadt gesprochen. Dafür sagte die Mutter des toten Jungen „Scheiß Kita“ und machte der Einrichtung schwere Vorwürfe, die unwidersprochen blieben.

Sylvia Weber hätte zwingend beim Gedenken sprechen müssen – auch wenn sie vermutlich beschimpft und ausgebuht worden wäre. Natürlich kann sie einwenden, die Veranstaltung sei sehr kurzfristig angesetzt worden. Doch Weber hat genügend Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, um von solchen Terminen zu erfahren. Dafür hätte das Bildungsdezernat aber den Kontakt zu den Menschen in Seckbach suchen müssen, statt sich einzuigeln und die schlimmste denkbare Tragödie nur auf Nachfrage bekanntzugeben.

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