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Wie der Apfel in die Flasche kommt

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Von: Gernot Gottwals

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Sophie, Claire, Paul und Laura (von links) haben mit Dieter Wissel gekeltert.
Sophie, Claire, Paul und Laura (von links) haben mit Dieter Wissel gekeltert. © Enrico Sauda

Beim Äppelfest auf dem Lohrberg lernen Kinder und Erwachsene unter anderem, wie man keltert.

Etwas sind Lida (7) und ihr Papa Holger Steuerwald mit dem Keltern von Äpfeln schon vertraut. Doch die altehrwürdige Korbpresse der Firma Meyfarth & Co. bringt sie dann doch zum Staunen: Gut 100 Jahre ist die Presse alt, läuft aber immer noch tadellos, wenn Karsten Liebelt vom Main-Äppel-Haus und die Kinder mit ihrer Muskelkraft nachhelfen. Vier Zentner Streuobstäpfel werden beim Äppelfest auf dem Lohrberg gekeltert, was etwa 60 Liter Süßen ergibt.

„Immerhin haben wir auf unserem Gelände rund 60 Apfelsorten. Besonders wichtig sind uns auch alte Sorten wie Schafsnase, Bohnapfel oder Heuchelheimer Schneeapfel“, erklärt Gerhard Weinrich, Vorstandsvorsitzender und Geschäftsführer des Main-Äppel-Hauses. Und während es immer verführerischer nach Raclette und Grillwürsten duftet, genießen Jung und Alt an den Ständen und im Hofladen den frisch gekelterten Süßen.

Richtig zu Hause fühlt sich hier auch die Bergen-Enkheimer Apfelweinkönigin Lea I.: „Ich habe hier schon oft bei den Äppelfesten mitgefeiert und mitgekeltert, meine Großeltern kommen vom Obst- und Gartenbauverein Bergen-Enkheim“, sagt sie – und verrät, ihr Lieblingsapfel sei der Topaz: eine junge Züchtung, die sich mit ihrem saftigen Aroma eher als Tafelapfel eignet.

„Doch es gibt auch kleinere schmackhafte Äpfel, die nicht unbedingt rot werden müssen, um reif zu sein“, betont die Umweltpädagogin Britta Hirt. Kindgerecht erklärt sie den älteren Mädchen und Jungen das Aussehen einiger heimischer Sorten, während die jüngeren Papieräpfel basteln. Und ein paar Meter weiter führt Markus Kunkel, der mehrere Streubostwiesen betreut, das fachgerechte Dengeln einer Sense zum schonenden Mähen vor.

Etwas getrübt wird die Stimmung nur vom Himmel und den Lücken auf der Festmeile. „Leider haben wir kurzfristig zehn wetter- und personalbedingte Absagen bekommen“, bedauert Eventmanagerin Petra Bingemer. So gibt es nur 20 statt der vorgesehenen 30 Stände, an denen rund 4000 statt wie vor Corona 7000 Besucher:innen verweilen.

Und doch konnten Bingemer und Weinrich wieder einige Betriebe, Geschäfte und Vereine aus der gesamten Rhein-Main-Region versammeln, um den Großstadtmenschen Natur, Landwirtschaft und Handwerk näherzubringen. Zu den treuen Teilnehmenden zählt auch die Schreinerei „Freischlagende Holzkunst“:„Bei uns können die Kinder ihren Kalli gestalten, einen Holzsmiley mit eingebranntem Lächeln und Grummeln, um den Eltern ihre Laune anzuzeigen“, erläutert Künstlerin Isa Jakob-Pike. Andere Kinder und Eltern versuchen sich derweil in der mobilen Kerzenwerkstatt von Renate Happel oder bewundern die farbenfrohen Fliesen-Mosaiken von Esther Jütten-Freund sowie die gespachtelten Vogelbilder von Arma Nazir. Und als Wegzehrung gibt es zudem noch Käse- und Wurstspezialitäten.

„Wir sammeln unsere Kräfte und feiern nächstes Jahr das 30-jährige Bestehen des Main-Äppel-Hauses“, erklärt Bingemer. Ein Äppelfest wird es dafür aber wohl nicht geben: „Wir legen eine Pause ein und wollen für unsere Veranstaltungen auch mal andere Formate ausprobieren“, wirbt sie um Verständnis.

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