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Wenn der Ortsgerichtsvorsteher kommt

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Von: Fabian Böker

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Der 59-jährige Seckbacher ist von Beruf Architekt. Das hilft ihm bei seinem Ehrenamt. Seine Sprechstunde gibt er im Rathaus.
Der 59-jährige Seckbacher ist von Beruf Architekt. Das hilft ihm bei seinem Ehrenamt. Seine Sprechstunde gibt er im Rathaus. © christoph boeckheler*

Jürgen Kircher kümmert sich ehrenamtlich um Grundstücksschätzungen, Nachlässe und Beglaubigungen. Dabei kommt er manchmal auch ins Grübeln.

Wenn Jürgen Kircher gefragt wird, was er so mache, könnte er antworten: „Ich bin Architekt.“ Das ist sein Beruf, damit können die meisten Menschen wohl etwas anfangen. Er könnte aber auch sagen, dass er Ortsgerichtsvorsteher ist. Doch dieses Ehrenamt dürfte kaum jemandem bekannt sein. Kein Wunder, gibt es diesen Posten doch nur in Hessen - und spielt im Alltag der meisten Menschen keine große Rolle.

Die Auflistung, für was ein Ortsgericht, dem Kircher seit dem 5. August vorsteht, zuständig ist, liest sich auch eher trocken und unspektakulär: Beglaubigung von Unterschriften und Abschriften, Sicherung von Nachlässen, Schätzung von Grundstücken. Doch Jürgen Kircher findet seine ehrenamtliche Arbeit alles andere als langweilig. Sie fing bereits 2018 an, als er zunächst Schöffe am Ortsgericht für den Ortsbezirk 11 (Seckbach, Riederwald, Fechenheim) wurde.

Damals ging es hauptsächlich um Schätzungen von Grundstücken, „wobei mir meine Erfahrung als Architekt sehr zugute kam“, berichtet der 59-Jährige. Grundstücksschätzungen, so Kircher, werden vor allem dann benötigt, wenn es um Steuerfragen geht. Also zum Beispiel dann, wenn jemand ein Grundstück erbt und das Finanzamt daraufhin Steuern verlangt. „Oftmals wird dabei eine zu hohe Zahlung angesetzt. Wir vom Ortsgericht schauen uns dann das Grundstück an, vermessen es genau und bewerten es nach bestimmen Parametern.“ Zu diesen zählen unter anderem der Denkmalschutz, die Barrierefreiheit oder der Bodenrichtwert. „Mit dem Marktwert hat unsere Schätzung allerdings nichts zu tun, die Summe kann sich also erheblich unterscheiden.“

Das Ehrenamt

Ortsgerichte sind Hilfsbehörden der Justiz. Es gibt sie ausschließlich in Hessen. In Frankfurt sind die Ortsgerichte an die Ortsbezirke gebunden, es gibt also 16. Sie bestehen aus einem Vorsteher oder einer Vorsteherin und vier Schöff:innen. Eine Übersicht samt Kontaktdaten und Sprechstunden ist unter frankfurt.de/service-und-rathaus/stadtpolitik/ehrenbeamte-und-beauftragte/ortsgerichte zu finden.

Jürgen Kircher bietet drei Sprechstunden im Monat an. An jedem ersten und dritten Montag ist er im Stadtteilbüro in Fechenheim, Alt-Fechenheim 80, anzutreffen, von 19 bis 20 Uhr. An jedem zweiten Montag, selbe Uhrzeit, steht er im Rathaus Seckbach, Hofhausstraße 2, für Anliegen bereit.

Telefonisch erreichbar ist er unter der Nummer 01 71 / 2 07 07 86. Dort kann man sich auch melden, wenn man Interesse an der Mitarbeit als Schöffe oder Schöffin hat. Dem Ortsgericht 11 fehlt noch genau solch eine Person. bö

Vor einigen Wochen dann fragte ihn der bisherige Ortsgerichtsvorsteher Jochen Wydra, ob sich Kircher vorstellen könnte, sein Nachfolger zu werden. „Da ich die Arbeit kannte, der Zeitaufwand überschaubar ist und ich ihn oft bei seinen Terminen begleitet habe, sagte ich zu“, erläutert der zweifache Familienvater.

Eine weitere Aufgabe, die ihn auch manchmal nachdenklich stimmt, ist die Nachlasssicherung. Die wird immer dann fällig, wenn bei einem Todesfall nicht sofort die Angehörigen ermittelt werden können. Dann wird das Ortsgericht von der Polizei beauftragt. „Ich gehe dann in die Wohnung der verstorbenen Person und suche nach Ausweisen, Sparkonten oder Hinweisen auf Verwandte.“ Dabei beschleiche ihn oft ein komisches Gefühl, „denn es ist schon irgendwie seltsam, wenn jemand stirbt und da niemand aus der Familie ist, der sich darum kümmert“.

Aber Kircher geht nicht nur raus, einige Aufgaben erledigt er auch während seiner Sprechstunden, die er in Fechenheim und in Seckbach anbietet. Da beglaubigt er zum Beispiel Zeugnisse oder andere Dokumente oder bestätigt, dass ein Kind alleine verreisen darf. Nur mit Angelegenheiten, die das Geburtsregister betreffen, hat er nichts zu tun.

Kircher übt sein Amt gerne aus. Er schätzt es, direkten Kontakt zu den Menschen im Stadtteil zu haben und seine Ortskenntnisse einbringen zu können. Denn er wisse viel um die Eigenheiten Seckbachs, wo er seit 1997 wohnt.

Wenn er nicht als Ortsgerichtsvorsteher tätig ist und Freizeit von seinem Job als Architekt hat, nutzt er diese vor allem für Fahrradtouren und Spaziergänge. „Ich genieße einfach gerne die Natur und die Ruhe.“ Am allerliebsten verbringt er seine Zeit mit seiner Familie. „Die ist das allerwichtigste.“

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