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Regelmäßig wird die Bekämpfung von Waldbränden geübt.

Interview

„Der Trend zum Ehrenamt nimmt ab“

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Tim Kaiser, Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr in Frankfurt-Seckbach, will junge Leute möglichst früh an die Feuerwehr heranführen.

Tim Kaiser (44) ist seit fünf Jahren Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr im Frankfurter Stadtteil Seckbach. Der Einheit gehört er seit seinem 17. Lebensjahr an. Mit zwölf Jahren trat er in die Jugendfeuerwehr ein.  

Herr Kaiser, viele Vereine klagen darüber, dass es an Ehrenamtlichen mangelt. Wie sieht es bei der Freiwilligen Feuerwehr in Seckbach aus?
Wir stehen gut da, aber ich sage etwas provokativ: Wir stehen noch gut da. Ja, wir haben eine Einsatzabteilung mit 32 Männern und Frauen, das ist sehr ordentlich. Aber wir merken auch die gesellschaftliche Entwicklung. Der Trend zum Ehrenamt nimmt ab, vor allem bei jungen Erwachsenen, die zuvor mit der Feuerwehr nichts zu tun hatten. Dass jemand neu zu uns kommt und sagt, dass er gerne bei uns mitmachen würde, das kommt sehr selten vor. Deshalb ist es so wichtig, dass wir unseren eigenen Nachwuchs heranziehen.

Wie läuft das konkret ab?
Wir haben 2007 die Jugendfeuerwehr und 2014 die Minifeuerwehr gegründet. Beide Angebote werden sehr gut angenommen. Bei den Jugendlichen ab zehn Jahren haben wir 15 Mitglieder, bei den Minis ab sechs Jahren sind 24 Jungen und Mädchen dabei.

Tim Kaiser.

Löschen die auch schon?
Zumindest die Jugendfeuerwehr macht auch Übungen, bei denen auch das Löschen von Bränden gezeigt wird. Die Minifeuerwehr geht das Thema Brandschutz eher spielerisch an. Manchmal dürfen die unter strenger Aufsicht ein paar kleinere Flammen in einer Feuerschale löschen. Aber im Vordergrund steht es, die Kinder spielerisch an die Feuerwehr heranzuführen, damit sie später bei der Jugendfeuerwehr mitmachen und mit 17 Jahren in die Einsatzabteilung wechseln können. Das ist der Plan. Hinzu kommt, dass wir als Feuerwehr so oft wie möglich im Stadtteil Präsenz zeigen wollen – etwa bei Festen. Auch damit machen wir Werbung für uns.

Wie hoch ist denn der Zeitaufwand, wenn man sich in der Einsatzabteilung engagieren will?
Es gibt einmal die Woche Unterricht, sowohl theoretisch als auch praktisch. Dazu kommen halt die Einsätze.

Wie oft rücken Sie aus?
Im Durchschnitt zwischen 30 und 50 Mal im Jahr. Wobei es auch mal zwei oder drei Wochen am Stück gibt, in denen nichts los ist. Und dann gibt es eine Brandserie wie zuletzt bei uns in Seckbach in den Kleingärten, da gibt es auch mal zwei Einsätze pro Tag.

Ist denn immer sichergestellt, dass genügend Leute ausrücken können?
Wir haben keinen Bereitschaftsdienst, das wäre einfach zu viel verlangt. Wie gesagt: Wir machen das alle ehrenamtlich. Aber bei 32 Männern und Frauen in der Abteilung, die ja alle bei jedem Einsatz alarmiert werden, kommen immer genügend Leute zusammen, damit wir die Fahrzeuge besetzen können. Klar, wenn jemand gerade mit den öffentlichen Verkehrsmitteln in Sachsenhausen unterwegs ist, scheidet er für den Einsatz aus. Aber bisher haben wir die Aufgaben immer bewältigen können. Zumal wir ja auch erst ab 17 Uhr alarmiert werden. Vorher ginge das auch gar nicht, wir sind ja alle berufstätig.

Übernehmen Sie Einsätze aller Art?
Wir leisten keine technischen Hilfe bei Verkehrsunfällen, also wir befreien keine Menschen, die in ihren Wagen eingeklemmt sind. Dazu sind wir weder ausgebildet noch ausgestattet, das muss die Berufsfeuerwehr machen. Ansonsten übernehmen wir in der Tat alle Einsätze, wobei wir bei Großbränden genauso in der ersten Reihe stehen wie die Berufsfeuerwehr.

Für den Freiwilligen Polizeidienst gibt es eine Aufwandsentschädigung. Wäre das auch ein Anreiz für die Freiwillige Feuerwehr?
Das ist schwer zu sagen. Unsere Frauen und Männer, welche derzeit in der Einsatzabteilung sind, kommen aus Überzeugung. Sie möchten anderen Menschen helfen. Jedoch kann eine Aufwandsentschädigung Anerkennung und Motivation sein, in der Feuerwehr zu bleiben und neue Mitglieder zu gewinnen.

Interview: Georg Leppert

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