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Der Sängerverein Seckbach mit Chorleiter Oliver Seiler hat viel Spaß bei den Proben im Gasthaus Krone.

Seckbach

Starke Töne sind gefragt

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Viele Männer tun sich schwer mit dem Singen. Die Sängervereinigung in Seckbach macht Mut.

Als er vor vier Jahren nach Frankfurt zog, sei es eine der ersten Dinge gewesen, die er gemacht habe: Sich einen neuen Gesangsverein suchen, sagt Florian Detsch. Damals sei der heute 30-Jährige beim Seckbacher Männerchor „Starke Töne“ mit Abstand der Jüngste gewesen – heute nur noch einer der Jüngsten. Denn durch witzige Werbeaktionen ist es dem Verein gelungen, zahlreiche neue Mitglieder anzuwerben: Mittlerweile gebe es etliche in den 30ern.

„Bei den Frauen ist das anders“, sagt der Vorsitzende Thomas Englert, der seit 1993 bei den „Starken Tönen“ singt. Die ChoriFeen haben sich erst vor gut zehn Jahren gegründet. Da gab es eine Plakatwerbung. Zum ersten Treffen kamen 50 Frauen. „Die Männer muss man mehr an die Hand nehmen.“

Dabei kommen Florian Detsch und Thomas Englert aus dem Schwärmen für ihr Hobby gar nicht mehr heraus: Es mache nicht nur Spaß zusammen zu singen, nach den Proben am Dienstagabend seien sie tiefenentspannt, man könne abschalten vom Alltag, wie bei einem Kurzurlaub.

„Hmmmm, pa-pa-pa, ta-ta-ta“, bringen die 25 Männer zwischen 30 und 85 Jahren Gesichtsmuskuln, Atemwege und Stimmbänder zu Beginn der eineinhalbstündigen Probe in Schwung. Oliver Seiler, professioneller Chorleiter, dirigiert die Gruppe, arrangiert viele der vierstimmigen Stücke selbst.

Das nächste Konzert geben die „Starken Töne“ am Samstag, 11. Mai, 18 Uhr in der Kapelle des Katharinen-Krankenhauses, Seckbacher Landstraße 65. Der Eintritt ist frei, um Spenden für den Freundeskreis der Klinik wird gebeten. 

Der Männerchor probt dienstags, der Frauenchor „ChoriFeen“ mittwochs, um 20 Uhr im Großen Saal des Gasthauses „Zur Krone“, Wilhelmshöher Straße 163. Monatsbeitrag: 10 Euro. Kontakt: www.sv-seckbach.de svo

„Es ist problematisch vor dem Singen viel zu essen, aber mit einem Glas Apfelwein verträgt sich die Chorprobe schon“, sagen die Sänger. Bei den „Starke Tönen“ geht es unverkrampft und humorvoll zu, der Spaß steht mit der Qualität gemeinsam an erster Stelle, stellen sie klar.

Etabliert haben sich Auftritte beim Stoffel-Festival im Günthersburgpark oder für den Seckbacher Adventskalender. Im April waren die Sänger durch die Kooperation „Chor.Bridge“ zwischen Sängerkreis und Frankfurter Musikmesse bei Letzterer im Saal Harmonie des Congress Center zu hören. Auch bei der Landesgartenschau 2018 in Bad Schwalbach waren die „Starken Töne“ mit musikalischen Einlagen vertreten.

Hinzu kommen anlasslose Auftritte in Fußgängerzonen oder bei Aktionen wie Flashmobs, bei einem Stadtfest in Bad Vilbel und im Hessen-Center. „Da standen wir in zivil zwischen den Zuschauern einer Band und haben dann aus verschiedenen Ecken plötzlich laut angefangen zu singen, natürlich in Absprache mit der Band“, erzählt Detsch. „Das war lustig.“

Noch bis 2005 habe der Sängerverein, dessen Gründungsjahr auf den ersten Seckbacker Gesangsverein „Liederlust 1875“ zurückgeht, ein ganz anderes Konzept gehabt. Mit Anzug, Krawatte und vorgehaltenem Notenbuch seien größtenteils traditionelle Volkslieder gesungen worden, berichtet Vorsitzender Englert.

Karl-Ludwig Kirschenlohr führte von 1957 bis 2005 den Vorsitz. „Der Chor war sein Leben, bis er aus gesundheitlichen Gründen aufhören musste.“ Er habe bereits den Weg zur Modernisierung geebnet. Nach seinem Abschied sei ein radikaler Schnitt gemacht worden. Heute gehören vor allem Pop-Songs, Schlager-Lieder und Rock-Hymnen auf Deutsch und Englisch zum Repertoire.

„Wir freuen uns weiterhin über neue Gesichter“, heißt es. Man müsse kein Profi sein, leidenschaftliches Singen unter der Dusche oder im Auto würde als Vorkenntnis reichen. Man müsse sich nur überwinden.

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