1. Startseite
  2. Frankfurt
  3. Seckbach

Seckbacher Bürgerinitiative: „Keine Industrie ansiedeln“

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Georg Leppert

Kommentare

Rechenzentren in ihrer Nachbarschaft will die Bürgerinitiative nicht mehr.
Rechenzentren in ihrer Nachbarschaft will die Bürgerinitiative nicht mehr. © Privat

BI-Sprecher Ingo Stürmer spricht im FR-Interview über die Entwicklung an der Gwinnerstraße in Seckbach.

Die Stadt Frankfurt will für das südliche Seckbach einen Bebauungsplan aufstellen. Das Gebiet rund um die Gwinnerstraße ist sowohl von Wohnen als auch von Gewerbe geprägt. Eine Bürgerinitiative setzt sich dafür ein, dass sich keine weiteren Industrieunternehmen und erst recht keine Rechenzentren dort ansiedeln. Nun haben die Stadtverordneten eine Maßgabe beschlossen: Neue Industrie soll sich nach Möglichkeit nur neben bestehenden Industrieflächen ansiedeln. Für Ingo Stürmer, einer der Sprecher der „Bürgerinitiative für gesundes Wohnen und nachhaltiges Gewerbe in Seckbach“, ist das ein erster Teilerfolg.

Herr Stürmer, sind Sie zufrieden mit der Entscheidung der Stadtverordneten?

Durchaus. Zum einen haben wir erreicht, dass sehr rasch ein Bebauungsplan aufgestellt wird. Das ist wichtig, um das Gebiet zu ordnen. Gerade für Mischquartiere ist ein Bebauungsplan, der sowohl Wohnen als auch nachhaltiges Gewerbe vorsieht, von großer Bedeutung.

Ingo Stürmer ist Sprecher der „Bürgerinitiative für gesundes Wohnen und nachhaltiges Gewerbe“.
Ingo Stürmer ist Sprecher der „Bürgerinitiative für gesundes Wohnen und nachhaltiges Gewerbe“. © Privat

Zur Person:

Ingo Stürmer ist Sprecher der „Bürgerinitiative für gesundes Wohnen und nachhaltiges Gewerbe“. 

Sie betonen, dass es um nachhaltiges Gewerbe geht. Was macht sie so sicher, dass sich nicht laute und schmutzige Industrieunternehmen ansiedeln, die sie im südlichen Seckbach nicht mehr haben wollen?

Das stünde nicht im Einklang mit dem Aufstellungsbeschluss, dem einstimmigen Beschluss des Ortsbeirates 11 und der Maßgabe, die die Stadtverordneten im Haupt- und Finanzausschuss beschlossen haben. Danach sind solche Ansiedlungen nur in direkter Nachbarschaft zu bestehenden Flächen möglich. Rund um die Gwinnerstraße gibt es vier Betriebe. In deren Nachbarschaft ist aber nichts frei. Dort befinden sich etwa die Vatterstraße mit dichter Bebauung, die historischen Gwinnerhöfe oder die Batschkapp. Da kann sich keine Industrie ansiedeln.

Sind Sie da nicht zu optimistisch? Michael Müller von der Linken hat im Ausschuss betont, diese Maßgabe sei nicht verbindlich und beschreibe nur den Versuch, die Industrie entsprechend anzusiedeln.

Wir halten die Maßgabe schon für richtungsweisend. Sie dürfen aber auch eines nicht vergessen: Wir stehen am Anfang eines jahrelangen Prozesses, in dem der Bebauungsplan aufgestellt wird. In diesen Prozess können und werden wir uns einbringen und – wenn es nötig ist – auf die gemeinsame Position aller Parteien im Ortsbeirat 11, keine Industrie anzusiedeln, und die gestern auf Stadtebene beschlossene Maßgabe verweisen.

Was für eine Entwicklung wünschen Sie sich für das Gebiet?

Ich kann mir durchaus Gewerbe vorstellen. Das können etwa Handwerksbetriebe sein. Das Areal ist hervorragend angeschlossen, hier können viele Leute arbeiten. Früher gab es hier auch einen kleinen Lebensmittelladen, in dem die Handwerker einkauften. So etwas wäre schön. Das verstehe ich unter nachhaltigem Gewerbe. Was nicht geht, sind Betriebe, die für noch mehr Lärm- und Feinstaubbelastung für die hier lebenden Menschen sorgen. Damit meine ich auch Rechenzentren.

Sie haben mehrfach betont, dass sie Rechenzentren grundsätzlich für notwendig halten, aber eine weitere Ansiedlung im südlichen Seckbach ablehnen. Klingt ein bisschen nach Sankt-Florian-Prinzip, oder?

Das weise ich ganz entschieden zurück. Die Nachbarschaft und wir wohnen seit fünf Jahren in unmittelbarer Nähe zu einem Rechenzentrum. Wir haben uns nicht beschwert, als das zweite, das dritte und das vierte gebaut wurden. Erst als 2018 der erste schwarze, riesige Klotz in den Himmel wuchs, der sich mit 30 Meter Höhe überhaupt nicht ins Gewerbegebiet einfügte, hat sich Widerstand formiert und die Bürgerinitiative gebildet. Ganz schnell wurden vier dieser Riesenklötze hochgezogen, weitere sind geplant. Jetzt muss Schluss sein. Die Belastung wird sonst zu groß, und das etablierte und nachhaltige Gewerbe wird verdrängt.

Interview: Georg Leppert

Auch interessant

Kommentare