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Eileen Helm, Vanessa Lasys, Elena Stromberger, Mehdi Koubba und Hund Chaplin (v.l.). 

Seckbach

Seckbach: Bruchbude wird zum Kunstraum

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Ein Künstlerkollektiv will im Atelier an der Borsigallee ausstellen und Veranstaltungen organisieren.

Einen Rohdiamanten haben Elena Stromberger und Eileen Helm mit ihrem Künstlerkollektiv vor vier Monaten gefunden und eifrig geschliffen. „Da war es noch eine richtige Bruchbude“, sagen die Gründer des „Kulturquartiers“ über die ehemalige Hausmeisterwohnung in einem Gewerbegebäude an der Borsigallee. Vorher beherbergte es ein Küchengeschäft, zukünftig wird die Ateliergemeinschaft es sich mit einem demnächst öffnenden Trampolinpark teilen.

Die beiden kommen ein kleines bisschen zu spät mit dem Fahrrad auf den Hinterhof gerollt – Künstler eben. „Wir waren grade noch im Baumarkt einen Feuerlöscher kaufen. Das ist eine der Anforderungen, die wir jetzt als Verein erfüllen müssen.“ Wichtig, wenn die Gründung in wenigen Tagen mit einer öffentlichen Veranstaltung gefeiert wird. Die Bilder sind gehängt, die letzten Bandproben sind bis draußen zu hören. „Das stört hier im Industriegebiet zum Glück niemanden“, freuen sie sich.

Neben Bürozimmern, Küche und Balkon mit Wald-Blick gibt es einen großen, lichten Atelier- und Ausstellungsraum mit selbstgebauter Bar. Die Dachterrasse darf aus Sicherheitsgründen noch nicht betreten werden. Weitere Herzstücke sind der Hinterhof und ein Konzert- und Proberaum, der schon ohne Musik atmosphärisch wirkt: Nur wenig Beleuchtung, rundherum schwarze Stoffbahnen, riesige Perserteppiche und ein Dutzend einladende Sofas. „Vieles haben wir von Flohmärkten oder aus dem Internet. Wenn wir von unserem Projekt erzählt haben, sind viele mit dem Preis runter oder haben uns sogar beschenkt.“

Der neue Verein Kulturquartier hat in der Borsigallee 24 ein Atelier eröffnet, in dem ein interkulturelles Kulturprogramm angeboten werden soll.

Die Eröffnung wird am Samstag, 9. November ab 18 Uhr mit Ausstellung, Performance und Jazz- und marokkanischem Gnaoua-Konzert gefeiert. 

Live-Musik nimmt eine große Rolle im Konzept des Kollektivs ein Bei der Eröffnung spielt die Jazz-Band „kojoxregentag & friends“, später gibt es eine Jam-Session und marokkanische Gnaoua-Musik. „Gnaoua ist ein Teil der marokkanischen Kultur, eine Subkultur eher“, erklärt Stromberger. Sie sei eng mit den rhythmischen Klängen traditioneller Instrumente verbunden. „In Marokko gibt es eine sehr spezielle Art der Gastfreundschaft.“

Deshalb haben die sieben Kunstschaffenden, alle in den 20ern, die Seckbacher Gewerbefläche auch nicht für sich alleine gemietet. „Lesungen, Konzerte, Vorträge, Film- und Bar-Abende zum Netzwerken“, zählt Helm auf. Im Hinterhof können sie sich ein kleines Festival oder einen Kunstmarkt vorstellen. Gerne würden sie Bewohner der angrenzenden Flüchtlingsunterkunft einbeziehen. Dass sich der Wagenplatz nebenan wegen der Bauarbeiten am Riederwaldtunnel unlängst auflösen musste, bedauern sie.

Außerdem Teil des Konzepts ist Kunstschaffenden „ohne Namen“ Raum zum Ausstellen zu geben und Kurse anzubieten. Es wurden bereits Workshops in Stimmbildung und Jazzgitarre, Bandcoaching, Töpfern und Malen erarbeitet. Der erste offizielle Termin ist für Kinder, den wollen die Initiatoren aus der Kunstpädagogik selbst geben.

Bisher teilen sich die sieben Studierenden aus den Bereichen Musik, Performance, Bildende Kunst, Pädagogik und Tanz die gesamte Miete. Weil sie die Kurse gerne günstig anbieten würden, hoffen sie langfristig eine Förderung für ihr Projekt zu erhalten.

Termine, Kurse, Ausstellungen werden unter www.hereinquartiert.wordpress.com angekündigt.

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