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Chefredakteurin Bascha Mika, Pierre Skolik und Binding-Chef Otto J. Völker (von links).

Preisverleihung

Party im Wasserhäuschen des Jahres

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Pierre Skolik nimmt den Preis für sein Wasserhäuschen „Snack FM“ in Seckbach entgegen.

Als dann eigentlich schon alle Reden gehalten waren, meldete sich Ingo Diewel zu Wort. Der Seckbacher fand nämlich, dass eine Sache noch nicht gesagt war. „Snack FM ist wie ein kleines Wohnzimmer für uns“, sagte Diewel. Und: „Hier ist es total egal, ob du jetzt 3000 oder 4000 Euro netto verdienst oder nur ein paar Hundert.“ Da lächelte Pierre Skolik, der Betreiber des Wasserhäuschens Snack FM an der Bushaltestelle Eschweger Straße in Seckbach, etwas verlegen. Wer ihn kennt, weiß, dass ihn Diewels Worte sehr gefreut haben dürften.

Zum dritten Mal hat Skolik den Wettbewerb „Wasserhäuschen des Jahres“ von Frankfurter Rundschau und Binding gewonnen. Die Leserinnen und Leser der FR wählten „Snack FM“ mit großem Abstand zum beliebtesten Büdchen der Stadt. „Ich bin so stolz auf meine Leute“, sagte Skolik am Dienstag bei der Siegerehrung mit Blick auf seine Stammkundschaft, die zumindest für einen Teil der Stimmen gesorgt haben dürfte.

„Viel zu wenige Frauen“

Bascha Mika, Chefredakteurin der Frankfurter Rundschau, widerstand der Versuchung, ihre Rede auf Frankfurterisch zu halten. Wasserhäuschen seien „eine Tradition, die in diese Stadt gehört“, sagte sie. Skolik habe sich in Seckbach eine Gemeinde geschaffen, die sich an seinem Büdchen treffe. „Aber leider mit viel zu wenigen Frauen“, stellte Mika fest und blickte in die außerordentlich männlich dominierte Runde, die zur Siegerehrung gekommen war.

Wasserhäuschen seien eine „bedrohte Spezies“, sagte die Chefredakteurin, die ebenso wie Pierre Skolik den Begriff Trinkhalle ablehnt. Es gelte, für die Einrichtungen zu kämpfen. Und Hubert Gloss, der Wasserhäuschen-Lotse, der regelmäßig Touren zu den Büdchen anbietet, hat auch schon eine konkrete Idee. Mit einer Petition soll der Magistrat aufgefordert werden, Wasserhäuschen unter Schutz zu stellen – so dass kein Spekulant auf die Idee kommt, das Grundstück einer Bude zu kaufen und darauf Luxuswohnungen zu bauen.

Der Vorstand der Binding Brauerei, Otto J. Völker, sprach von einer Renaissance der Wasserhäuschen. Vor einigen Jahren seien sie noch als soziale Brennpunkte verschrien gewesen, „heute sind das ganz tolle Treffpunkte“.

Und Pierre Skolik? Der versprach, alles dranzusetzen, um seinen Titel zu verteidigen. Allerdings erst 2021. Denn im kommenden Jahr, so besagt es die Regel des Wasserhäuschen-Wettbewerbs, darf er nicht teilnehmen.

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