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Apfelweinkönigin Trina I. kostet das neue Stöffche.

Seckbach

Neues vom Stöffche

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Nach dem langen Sommer ist der Apfelweinjahrgang 2018 süß und ausgereift. 

Die Band Clambake hat gerade ihr letztes Rock’n’Roll-Stück gespielt, da kommt die Durchsage: „Wir sind komplett ausgebucht, bitte rückt noch etwas zusammen, dass alle einen Sitzplatz finden“, appelliert Gerhard Weinrich, 1. Vorsitzender vom Mainäppelhaus an die Gäste. Der traditionelle Apfelweinanstich ist die erste große Veranstaltung am Anfang des Jahres. Und ein Muss für echte Frankfurter und Freunde des Ebbelweins.

Durch den langen warmen Sommer ist der neue Apfelwein sehr süß und sehr ausgereift, weshalb zwei Prozent Speierling-saft beigefügt wurden, erzählt Gerhard Weinrich. Und der „Neue junge Lohrberger“ ist besser als im Jahr davor. 15 Hektar Streuobstwiesen, pflegen die Mitglieder des Mainäppelhauses. Insgesamt wachsen 250 verschiedene Apfelsorten auf der Fläche.

Die Kelter Ende September hat einen Ertrag von 20 000 Liter erbracht. „Das ist viel für uns“, sagt Weinrich. Davon bleibt die Hälfte Apfelsaft, der Rest, auch als Süßer bezeichnet, wird zur Gärung in Edelstahlfässer gefüllt. Zum ersten Mal gibt es dieses Jahr auf dem Lohrberg auch einen Apfel-Birnensaft. Und Ende Januar ist es dann soweit: der Apfelwein wird von der Hefe genommen, wie es fachmännisch heißt.

Zu der Tradition um das Stöffche gehört auch eine Apfelweinkönigin. Noch sitzt sie in der Menge und ist nur durch ihre Krone und das Zepter aus Holz auf dem Tisch zu erkennen: Trina I., bürgerlich Trina Watson. Das 29-jährige „echte Bergen-Enkheimer Mädchen“, wie sie sich selbst bezeichnet, wollte schon seit einigen Jahren Apfelweinkönigin werden, aus beruflichen Gründen hat es erst vergangenes Jahr im September geklappt.

Weisbecker singt

Ihr obliegt an diesem Abend die ehrenvolle Aufgabe, den Anstich zu machen. Mit wenigen Schlägen klopft sie den Zapfhahn in ein Holzfass und dann ist „der Erste am fließe“ wie es auf hessisch heißt, wenn das erste Glas gefüllt wird.

Große und kleine Bembel wandern vom Ausschank zu den Tischen, die Stimmung ist ausgelassen. Viele Gäste sind nicht zum ersten Mal beim traditionellen Apfelweinanstich. Einige von ihnen sind Pächter der benachbarten Kleingartenanlage. Wilhelm Müller, waschechter Frankfurter, spaziert zwar immer wieder auf den Lohrberg, zum Apfelweinanstich ist er das erste Mal gekommen und sichtlich angetan. „Ich besuche auch Kurse zum Obstbaumschnitt“, erzählt er. Denn das Mainäppelhaus zeigt in unterschiedlichen Kurs-Angeboten alle „Spielarten, was aus einem Apfel hergestellt werden kann“, sagt Weinrich.

Im zweiten Teil des Abends spielt der Frankfurter Mundartdichter und Liedermacher Rainer Weisbecker auf. Während die einen gemütlich beisammen sitzen und reden wollen, beschweren sich andere über zu lautes Gerede während der Lieder. Sie finden es respektlos gegenüber dem Musiker. Das alles ist schnell wieder vergessen und das Publikum hebt textsicher mit Weisbecker zu „Frau Rauscher aus der Klappergass“ an.

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