Blick auf die Tümpel im Seckbacher Ried. (Archiv)

Frankfurt-Ost

Hütten sollen abgerissen werden

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Gärtner im Seckbacher Ried streiten mit der Unteren Naturschutzbehörde

Am Seckbacher Ried sollen künftig keine Hütten, Ställe oder sonstige Bauten mehr stehen. Die Untere Naturschutzbehörde will einen Teil des Areals zwischen Gwinnerstraße und Vilbeler Landstraße räumen. Die etwa 70 Pächter und Eigentümer sollen noch in diesem Jahr sämtliche Zäune, Gebäude und nicht heimische Pflanzen entfernen. Doch das stößt auf Widerstand.

Es sei „ungerecht und stillos“, findet Margit Wissenbach, wie die Behörde mit den privaten Eigentümern der Gärten rund um den Weg Im Enkheimer Weimerhaus umgehe. Sie machte ihrem Ärger in der Sitzung des Ortsbeirats 16 Luft. Sie soll ihr Grundstück bis zum Ende des Jahres räumen – auf eigene Kosten, ohne Ausgleich.

Schon 2011 hat die Obere Naturschutzbehörde das Gebiet zwischen dem Seckbacher Ried und der Vilbeler Landstraße als Flora-Fauna-Habitat, genannt FFH-Gebiet, ausgewiesen: Ein Naturschutzgebiet von europäischer Bedeutung, wo es Tierarten wie Schnecken, Molche und Käfer gibt, die als besonders schützenswert gelten. Zudem befindet sich das Areal im Landschaftsschutzgebiet „Grüngürtel und Grünzüge“. Schutzziel ist unter anderem, dass dort keine Bauten stehen, damit Bürger freie Flächen zur Erholung haben.

2017 sind die Besitzer am Seckbacher Ried mit einem Maßnahmenplan vom Regierungspräsidium Darmstadt aufgefordert worden, den Garten komplett zurückzubauen. Margit Wissenbach hat die Grünfläche geerbt, sie ist seit 1950 in Familienbesitz. Sie sei verhandlungsbereit und wolle keinen Ärger. Aber den Vertrag, in dem sie zustimmt, den Garten bis Ende es Jahres zu räumen, möchte sie nicht unterschreiben. Entfernt werden sollen Hütten, Zäune sowie nicht heimische Pflanzen – bei Wissmann auch ein historischer Brunnen und ein Kirschlorbeer. Sie plädiert auf Bestandsschutz. „Eine Enteignung in dem Sinne ist es nicht. Aber wenn es heißt, dass ich meinen Liegestuhl, meine Gießkannen, Untertöpfe und den Kugelgrill entfernen muss, kann ich das Grundstück kaum noch nutzen.“

Dem widerspricht Volker Rothenburger, der Leiter der Unteren Naturschutzbehörde. Die Fläche könnten weiterhin genutzt werden. Nur Hütten oder Beete sind nicht erlaubt. Denkbar sei, dort etwa eine Streuobstwiese anzulegen – oder die Fläche an Landwirte zu verpachten, die dort Heu- und Frischfutter machten. Eine Laube dürfe nur bleiben, wenn es eine Baugenehmigung gibt. Das Argument des Bestandsschutzes lässt Rothenburger nicht gelten. „Auch früher schon brauchte man für eine Gartenhütte eine Genehmigung.“ Er könne nachvollziehen, dass es schmerze, seinen Garten aufzugeben. „Es gibt aber keine Rechtsgrundlage, die eine nachträgliche Legalisierung zulässt.“

Weil Monika Gockert in ihrem Garten alte Pferde hält, darf sie ihn noch bis 2022 behalten. Den befestigten Zaun solle sie aber schon entfernen, sagt sie: „Ich habe einen Teich mit Fröschen. Wenn er zugänglich ist und irgendetwas passiert, bin ich haftbar“, klagte sie dem Bergen-Enkheimer Ortsbeirat ihr Leid. „Vieles ist undurchsichtig.“ Das alte Naturschutzgebiet in Seckbach dürfe eingezäunt sein. Und am Lohrberg habe es Sondergenehmigungen gegeben, wundert sie sich. Außerdem habe sie, wie andere Eigentümer die Sorge, dass der Bereich weiter vermüllt.

Dass dort Müll abgeladen werde, sei nicht zu verhindern, sagt Rothenburger. Dieser könne jedoch wieder abtransportiert werden. Zudem stehe für das FFH-Gebiet als EU-Projekt Geld für die Pflege zur Verfügung. Darüber könne die Stadt sich um die Fläche kümmern.

Der Ortsbeirat sei über die Ausweisung des FFH-Gebiets nicht glücklich, sagt Ortsvorsteherin Renate Müller-Friese (CDU). Das Stadtteilgremium sei nie informiert, geschweige denn gefragt worden. „Auch wir befürchten, dass der Bereich verwildert, wenn sich keiner darum kümmert. Nur haben wir als Ortsbeirat fast keine Handhabe.“ Sie möchte weiter vermitteln und würde sich freuen, wenn eine Entschädigung durch eine nahe gelegene Ersatzfläche erzielt werden könnte.

Es gebe auch eine junge Nachbarin, die 2012 in Unwissenheit über die Zukunft des Gebiets ein Gartengrundstück gekauft habe. Das habe jetzt nur noch ein Zehntel des Wertes, heißt es in der Ortsbeiratssitzung. „Die Untere Naturschutzbehörde handelt rigoros“, ärgert sich Margit Wissenbach. Sie habe den Eindruck, dass die Behörde private Eigentümer benachteilige, und dass für die Stiftung Waisenhaus, der ein großer Teil der Fläche gehöre, andere Regeln gelten würden.

Das sei nicht der Fall, sagt Volker Rothenburger. „Alle werden gleich behandelt. Wir können nicht nach Sympathie entscheiden, sondern nur nach objektiven Kriterien.“ In diesem Sinne habe das Amt sämtliche Eigentümer kontaktiert. Die meisten hätten bereits Verträge unterschrieben. „Viele sehen ein, dass sie gegen Recht und Gesetz verstoßen.“ Die Behörde mache es sich nicht leicht: „Wir geben uns viel Mühe, zu kommunizieren. Wir wollen eine gütliche Einigung.“

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