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Im Seckbacher Ried wird um den Naturschutz gerungen.

Seckbach

Hütten droht Abriss

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Streit von Eigentümern im Ried mit Naturschutzbehörde. Stadt soll Umsetzung von EU-Richtlinie prüfen.

Julia Lanzendörfer ist empört. Seit 2012 besitzt sie einen rund 1000 Quadratmeter großen Garten in der Nähe des Naturschutzgebietes Seckbacher Ried. Auf das Grundstück hat Lanzendörfer eine kleine Holzhütte gebaut.

Vor einigen Wochen forderte die Untere Naturschutzbehörde der Stadt sie und zwanzig weitere benachbarte Grundstücksbesitzer auf, alle Zäune, Gebäude und nicht heimischen Pflanzen zu entfernen und ihren Garten für die Öffentlichkeit zu öffnen. Der Grund: Ihr Grundstück liegt in einer Landschaftsschutzzone und muss nach der EU-Richtlinie Fauna-Flora-Habitat von baulichen Anlagen freigehalten und der Allgemeinheit zur Erholung angeboten werden. Für Eigentümer kommt das nahezu einer Enteignung gleich.

„Wir können unsere Grundstücke so nicht mehr sinnvoll nutzen“, sagt Lanzendörfer. Volker Rothenburger von der Naturschutzbehörde verteidigt das Vorgehen: „Das Seckbacher Ried und die umliegende Fläche liegen in einer ehemaligen Rinne des Main-Altarms“, erklärt Rothenburger. „Es handelt sich dabei um eine Auenlandschaft, die zu einem europaweiten Netz aus Schutzzonen gehört.“ Außerdem lebten auf dem Gebiet seltene Arten.

Man wolle den Eigentümern nicht ihre Grundstücke wegnehmen, sondern dafür sorgen, dass die einheimische Artenvielfalt erhalten bleibe. Ziel sei auch, alle Bürger der Stadt an der Natur teilhaben zu lassen.

Julia Lanzendörfer kann das Anliegen der Naturschutzbehörde nachvollziehen, allerdings müsse man einen Kompromiss finden. Sie fürchtet durch die Entfernung der Zäune eine Vermüllung ihres Grundstückes. „Man sieht in den Schwanheimer Dünen, wo die Richtlinie vor ein paar Jahren umgesetzt wurde, dass nun Sperrmüll und Elektroschrott auf den Privatgrundstücken liegt“, berichtet sie. „Ich glaube nicht, dass man die Natur so besser schützt.“. Am Ende müssten dann die Grundstücksbesitzer für die Müll-Entsorgung aufkommen.

Karl Reitz, der ein rund 4500 Quadratmeter großes Grundstück am Wallfahrtsweg besitzt, sorgt sich vor allem um das Wohlergehen seiner zwei Pferde. Diese benötigten einen Unterstand auf ihrer Weide, den die Naturschutzbehörde nicht genehmigen will. „Dabei tragen unsere Pferde zu einem ausgewogenen Naturschutz bei. Durch sie findet eine natürliche Beweidung statt“, sagt er.

Generell sei die Pferdehaltung kein Problem, sagt Rothenburger. Die Beweidung müsse aber einer „guten fachlichen Landwirtschaft“ entsprechen. Ställe oder andere Gebäude auf der Weide seien nicht möglich.

Um das Problem zu lösen, schlägt Ortsvorsteherin Renate Müller-Friese (CDU) eine Begehung der Grundstücke mit Anwohnern und Naturschutzbehörde vor. „Ich bin mir sicher, dass man individuelle Lösungen finden kann“, so Müller-Friese. Fraktionskollege Michael Reiß legt den Garteneigentümern nahe, zivilen Ungehorsam zu leisten. „Die Eigentümer sollten sofort Widerspruch einlegen“, rät der hauptberufliche Rechtsanwalt.

Der Ortsbeirat 16 hat nun interfraktionell beschlossen, dass die Stadt die Rechtmäßigkeit der Umsetzung der Richtlinie prüfen soll.

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