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So soll der Neubau an der Wilhelmshöher Straße einmal aussehen.

Seckbach

„Wilhelmshöfe“ in Seckbach – Ärger über neue Wohnsiedlung

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Anwohner vermuten bei den „Wilhelmshöfe“ eine Missachtung der Erhaltungssatzung. Der Charakter des Seckbacher Ortskerns sei gefährdet.

Seit gut zwei Wochen wird auf dem Areal an der Wilhelmshöher Straße 106 gearbeitet – das Bauschild zeigt: Hier entstehen die „Wilhelmshöfe“. Derzeit wird entkernt, kommendes Frühjahr gebaut und Mitte 2021 sollen die 31 Eigentumswohnungen zwischen Wilhelmshöher Straße und Zeuläckerstraße bezogen werden können. Obwohl städtischer Wohnraum knapp ist, zeigen sich nicht alle von dem Projekt begeistert.

Zuletzt sei das Gewerbe-Loft vom Pharmaunternehmen Hormosan genutzt worden, sagt Juliane Fischer, Geschäftsführerin des noch jungen Unternehmens „Fischer Smits & Coll“, das sich als professioneller Bauherr versteht. „Ein Teil stammt aus dem 19 Jahrhundert“, sagt Projektentwickler Toni Hartmann und zeigt auf derzeit freigelegte Backsteinmauern und hölzernes Tragewerk.

„Früher war hier eine Likörfabrik. Wegen fehlender Unterlagen konnten wir dazu leider nicht mehr herausfinden.“ Ohnehin sei durch vergangene Sanierungen von der alten Bauweise kaum noch etwas sichtbar. Am liebsten würden sie innerstädtische Areale und Bestandsbauten weiterentwickeln, sagt Fischer. „Wenn man so was mal kriegt. So viel gibt es ja gar nicht mehr.“

Für die „Wilhelmshöfe“ sollen zwei Gebäude nahe der Wilhelmshöher Straße saniert werden. Am derzeit brachliegenden Hang wird ein Anbau und ein Schuppen entfernt, die mit zwei Neubauten ersetzt werden. Alles soll energieeffizient sein. Für die Zwei- bis Fünf-Zimmer-Wohnungen, Wohnfläche zwischen 52 und 173 Quadratmetern, sind 38 Tiefgaragen-Stellplätze geplant. Von beiden Straßen ist ein Zugang zum Areal geplant, die Außenflächen werden begrünt.

Wilhelmshöfe: Nachbarn haben Zweifel

„Die weißen Fassaden mit Backsteinoptik in den Erdgeschossen erzeugen ein durch und durch stimmiges Gesamtbild mit den Nachbargebäuden“, heißt es auf der Webseite. Das bezweifeln vor allem sie: die Nachbarn.

Dass demnächst wesentlich weniger Licht in sein Haus einfällt sei zwar schade, sagt Anwohner Christopher Pospiech, aber dass die Erhaltungssatzung missachtet wird, sei sogar gesetzeswidrig. Er vermutet die pure Wohnungsnot stecke hinter der Genehmigung.

„Die Erhaltungssatzung wurde 2007 von der Stadtverordnetenversammlung beschlossen“, erklärt Mark Gellert vom Dezernat Planen und Wohnen. „Es ist quasi ein Ortsgesetz, das die Stadt sich selbst auferlegt hat.“ Sie soll verhindern, dass städtebauliche Eigenarten beschädigt werden.

Damit der Charakter des Seckbacher Ortskerns erhalten bleibt, liegt auch die Wilhelmshöher Straße 106 im Geltungsbereich. „Die Einhaltung muss bei jedem Bauantrag von der Bauaufsicht geprüft werden“, sagt Gellert. Trotz Ermessensspielraum, werde sorgfältig geprüft. „Aber jeder der Zweifel hat, kann eine Prüfung beantragen und Klage einreichen.“

Seckbach: Dächer passen nicht in Umgebung

Das hätten die Nachbarn vor, so Pospiech gegenüber der FR. Ihre Vorwürfe: Die Dächer passen nicht in die Umgebung, statt steiler Satteldächer werden Mansardendächer gebaut. Außerdem habe man sich bei der Höhe am höchsten Gebäude orientiert, nicht am Durchschnitt. „Inklusive Mansardendach werden vier Etagen gebaut.“ Vier Millionen Euro mehr könne durch den unrechtmäßigen Wohnraum eingenommen werden, zudem sei der hohe Quadratmeterpreis unverhältnismäßig und provoziere steigende Mieten.

„Wir bauen eine moderne Interpretation der Gründerzeit-Siedlung“, versichert dagegen Projektentwickler Hartmann. Man habe sich die Umgebung genau anschaut. „Wir erreichen nicht ansatzweise diese Höhe“, zeigt Fischer auf die Zeuläckerstraße 10. Alle Gebäude hätten zwei Etagen, plus Dachgeschoss und Souterrain in Hanglage.

„Die Preise liegen im unteren Mittelfeld“. Drei Zimmer auf 100 Quadratmetern stehen derzeit für 649 000 Euro zum Verkauf. „Noch ist nichts verkauft, aber es gibt schon Interessenten. Sowohl Kapitalanleger also auch Eigennutzer.“ Für Anfang August seien Anwohner zu einer Führung und klärenden Gesprächen eingeladen.

Mehr Info zu den Wilhelmshöfen: www.wilhelmshoefe-ffm.de.

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