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Der Theaterkurs an der Friedrich-Ebert-Schule in Seckbach beschäftigt sich mit dem Musical "Fack Ju Göhte".

„Fack ju Göhte“

Wenn Schüler Schüler spielen

An der Friedrich-Ebert-Schule in Seckbach proben Zehntklässler eine Szene aus dem Musical.

Vor der Bühne steht ein Schüler und rappt. Etwas verschüchtert, aber klar verständlich singt er über seine Zukunft, davon, dass er Drogendealer werden und viel Geld verdienen will. Der Inhalt seines Sprechgesangs ist fiktiv, aber Schüler ist er wirklich. Rudi Stier geht in die 10. Klasse der Friedrich-Ebert-Schule. Dort probt er Ende März mit seinem Theaterkurs eine Szene aus dem Musical zu dem Film „Fack ju Göhte“.

Jens Alsbach, der mit seiner Kollegin Christina Hetzel den Kurs leitet, hatte die Idee zu dem Projekt. Er unterrichtet an der Friedrich-Ebert-Schule neben Deutsch und Englisch auch Dramaturgisches Gestalten. Zusammen mit dem Unternehmen „Stage Entertainment“, der Produktionsfirma hinter den großen Musicals in Hamburg, Berlin oder München, hat er das pädagogische Theaterkonzept erdacht. Ein perfektes Theaterstück will Alsbach mit den Schülern aber nicht schaffen. Sondern eher die Frage „Was können Zehntklässler?“ beantworten, sagt der Lehrer.

Um das Ganze umzusetzen, hat er sich einen der Schauspieler des Musicals mit ins Boot geholt: Lukas Sandmann spielte auf der Münchner Bühne den Klassenanführer Daniel „Danger“, im Theaterkurs der Friedrich-Ebert-Schule hat er die Rolle des Regisseurs eingenommen. Zwischen den Proben gibt Sandmann den Schülern Anweisungen: „Mehr Stimme“, fordert er.

Der Theaterkurs probt die Szene „Zeitkapsel“ aus dem Musical. Dort stehen am Anfang Lehrerin Lisi und Protagonist Zeki auf der Bühne. Lisi gibt ihm eine Dose, die „Zeitkapsel“. Darin befinden sich alte Aufnahmen der Schüler.. Sie erzählen darauf von ihren Zukunftswünschen und von ihrem perspektivlosen Lebensalltag.

Die „echten“ Schüler der Friedrich-Ebert-Schule singen und rappen nach, was auf den Aufnahmen zu hören ist. Eine Schülerin will Kinder kriegen, die nächste erzählt von ihrem Traum, als Youtuberin Karriere zu machen. Schauspieler Sandmann rät den Schülerinnen zwischendurch, ihre Einlagen mit Handbewegungen zu untermalen. „Die Bewegungen könnt ihr euch auch zu Hause ausdenken“, sagt er.

Schülerin Julia Duma trägt ihren Text singend vor.

Marcel Nykiel spielt den Hauptdarsteller Zeki, der sich in der Szene die Aufnahmen anhört. Er steckt in einer übergroßen Lederjacke, die er sich extra für die heutige Probe mitgebracht hat. Theaterspielen macht ihm Spaß, sagt er. Marcel hofft, bei der Premiere des Stücks „im Modus“, also nicht nervös zu sein. Bis dahin ist aber noch Zeit: Erst am 19. Juni werden die Schüler die Szene vor ihren Eltern vorführen.

Schließlich ist die dritte und letzte Probe zu Ende. Schauspieler Sandmann ist hochzufrieden. „Voll geil“, lobt er die Schüler für ihre Leistung. Ab nächster Woche wird es ernst für die Zehntklässler, dann werden sie ihr Stück zum ersten Mal vor Publikum vorführen: Zu den Generalproben werden Schüler aus den unteren Klassenstufen kommen, um zuzusehen.

Auch Lehrer Alsbach freut sich über die Fortschritte der Klasse. Er kann sich vorstellen, das Theaterprojekt in Zukunft auszuweiten. Sollte das „Fack ju Göhte“-Musical auch in anderen Städten gezeigt werden, würde Alsbach gerne mit anderen Schulen zusammenarbeiten. Und auch den Schülern dort ein bisschen Musiktheater näherbringen.

Die Generalproben am 8. April um 14.30 und um 15 Uhr sind für alle Interessierten offen.


Von Paul Siethoff

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