Seckbach

Eltern in Seckbach schlagen Alarm

  • schließen

An der Zentgrafenschule in Frankfurt-Seckbach fehlen Ganztagsplätze. Das Kultusministerium arbeite derzeit an einer Lösung des Problems.

Viele Familien in Seckbach sind derzeit in heller Aufregung. Ende Mai haben die Eltern der künftigen Erstklässler von der Zentgrafenschule ein Schreiben erhalten, dass ein Ganztagsplatz für ihr Kind an der Grundschule nicht mehr sicher ist. Ein Teil könne nur bis 12.30 Uhr betreut werden. Rund 20 Familien haben sich jetzt in einer Elterninitiative zusammengeschlossen und schlagen Alarm.

„Wir gingen davon aus, dass wir den Platz sicher haben“, sagt Mutter Martina Brand. Noch im Januar habe es geheißen, das klappt auf jeden Fall. Daraufhin habe sich keiner der Eltern um einen Hortplatz bemüht. Dass sie jetzt nicht wüssten, wie lange ihr Kind betreut werde, wenn es nach den Sommerferien eingeschult wird, sei äußerst unbefriedigend. Für viele sei dies eine existentielle Bedrohung, sagt Brand. Sie arbeite in Wiesbaden. Müsse sie ihren Sohn schon um 12.30 Uhr von der Schule abholen, „dann brauche ich gar nicht mehr zur Arbeit zu fahren“. Nicht jeder könne seine Arbeitszeiten einfach reduzieren, sagt auch Mutter Ulrike Goldau.

Eltern befürchten zudem, dass ihr Kind seine Freunde verliert, wenn es als einziges keinen Ganztagsplatz erhalte. Viele der Mädchen und Jungen kennten sich bereits seit der Krabbelstube, sagt Brand. Bekomme ihr Sohn nur einen Halbtagsplatz, verliere er sein soziales Umfeld. Die Familien beklagen, dass sie erst kurzfristig informiert wurden. Bereits im März 2018 hätten sie sich für einen Halbtags- oder Ganztagsplatz entscheiden müssen: „Das war absehbar.“

Die Rektorin der Zentgrafenschule kann die Sorgen der Mütter und Väter nachvollziehen. „Die Eltern brauchen Planungssicherheit“, sagt Mechthild Ossenbeck. Doch habe sie schon bei der Anmeldung „klipp und klar gesagt“, dass es keine Garantie für einen Ganztagsplatz gebe. Erst im Mai habe sich herauskristallisiert, dass die Schülerzahl nicht für eine vierte erste Klasse ausreiche. Auch habe das Kultusministerium eine nötige Aufstockung der Lehrerversorgung nicht genehmigt. Da sie eine Halbtagsklasse vorhalten müsse, könne sie nicht allen Familien einen Ganztagsplatz anbieten.

Die Schule habe sich deshalb einen Kompromiss überlegt, eine gemischte Klasse mit Halbtags- und Ganztagskindern anzubieten, sagt Ossenbeck: „Doch dafür fehlen uns zehn Lehrerstunden.“ Diese habe sie beantragt.

Bekomme sie die Stunden nicht, sei sie gezwungen, eine Auswahl zu treffen. Dabei werde sie unter anderem berücksichtigen, in welchem Umfang Eltern arbeiten und ob sie alleinerziehend sind. Bevorzugt werden Familien, die bereits ein Kind im Ganztagsbereich haben, sowie Kinder, bei denen Zuhause kaum Deutsch gesprochen werde und die keine Unterstützung bekämen. Die Eltern lehnen das Verfahren ab. Dieses sei anfechtbar, sagt Vater Felix Weihnacht. Er rechnet damit, dass Familien versuchten, sich einzuklagen, „dann wird es noch komplizierter“.

Dem Kultusministerium ist das Problem an der Zentgrafenschule bekannt. Die Fachabteilung arbeite gerade an einer Lösung, sagt Sprecher Philipp Bender auf Anfrage. Er sei optimistisch, dass ein Weg gefunden werde, der die Eltern zufrieden stelle. Da der Sachverhalt komplex sei, werde es noch einige Tage dauern, bis etwas spruchreif sei. Das Staatliche Schulamt verweist auf das Ministerium.

Das Bildungsdezernat kündigt an, mit dem Stadtschulamt über die Hortsituation in Seckbach sprechen zu wollen, „welche Möglichkeiten die Familien haben und welche Optionen sich vor Ort abbilden lassen“. Und wenn alle Stricke reißen, könnten die Kinder der Halbtagsklasse wenigstens über das Mittagessen bis 13.30 Uhr bleiben, bietet Ossenbeck an.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare