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Ausstellungsleiter Volker Hütte mit einem der Exponate. Auf dem Foto sind Historiker Arno Lustiger und der ehemaliger Kommunalpolitiker Ernst Gerhardt (rechts) zu sehen, die beide im Vorstand der Stiftung aktiv waren.

Seckbach

Ein Haus für Juden und Nichtjuden

  • vonJanis Berling
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Budge-Stiftung feiert Jubiläum mit einer Ausstellung über seine wechselhafte Historie. Wegen der Corona-Pandemie sind die Exponate derzeit nicht frei zugänglich.

Ihren 100. Geburtstag feiert die Henry und Emma Budge-Stiftung an heutigen Montag, 16. November mit der Eröffnung einer hauseigenen Ausstellung. Diese soll die lange Historie der Stiftung und des dazu gehörigen interreligiösen und interkulturellen Seniorenwohnheim in der Wilhelmshöher Straße in Seckbach ins Gedächtnis rufen. Denn anders als man es von einem gewöhnlichen Altenheim denken mag, blickt das Haus auf eine wechselhafte wie einzigartige Geschichte zurück.

Am 20. November 1920 gründete der deutsch-amerikanische Kaufmann Henry Budge zusammen mit seiner Frau Emma die Stiftung, welche bald darauf ein Seniorenheim auf dem Grünhof-Gelände im Edingerweg im Westend errichtete. Der bis heute einzigartige Ansatz der Stiftung war es, ein Haus zu schaffen, in dem sowohl Juden als auch Nichtjuden gemeinsam würdevoll leben könnten. Während der Zeit des Nationalsozialismus wurden jüdische Bewohner nach und nach aus dem Haus vertrieben und die Stiftung schließlich 1939 aufgelöst.

Nach dem Krieg wurde die Auflösung als nicht rechtmäßig anerkannt. In einem langwierigen Verfahren zwischen der Stadt Frankfurt, der Jewish Restitution Successor Organization und der jüdischen Gemeinde Frankfurt wurde die Stiftung wieder eingesetzt und ein neues Heim in Seckbach gebaut. 1967 konnten dort die ersten Senioren einziehen.

„Wir haben hier ein einmaliges Projekt mit einer hochinteressanten Geschichte“, meint der Ausstellungsleiter Volker Hütte. Der Historiker arbeitet seit 19 Jahren für die Stiftung. So hat er unter anderen das hauseigene Archiv zusammengestellt, aus dem ein großer Teil der ausgestellten Stücke stammt.

Mit der Ausstellung will der Historiker die große Historie, aber auch die vielen kleinen, individuellen Geschichten des Heims und seiner Bewohnerschaft abbilden. So sollen im Mittelpunkt der Ausstellung das Leben des Gründerehepaars, die Geschichte der beiden Altenhäuser sowie die aktuelle und ehemalige Bewohnerschaft und der Beschäftigten stehen.

Um dies zu erreichen, werden knapp 200 Exponate im Erdgeschoss sowie im 1. und 2. Obergeschoss des Budge-Heims an Wänden und in Vitrinen präsentiert. Dabei handelt es sich etwa um Originaldokumente aus dem Heim, alte und neue Fotografien sowie um Autobiografien und Interviews mit aktuellen und ehemaligen Bewohnenden. Die Stücke stammen sowohl aus dem Archiv der Stiftung als auch von diversen Frankfurter Museen und Sammlungen. Zusätzlich zur Ausstellung wird zudem eine Festschrift von Volker Hütte veröffentlicht, die die Geschichte der Stiftung auf 130 Seiten komprimiert und mit historischen Bildern ausschmückt.

Die Ausstellung richtet sich aufgrund der aktuellen Lage zunächst hauptsächlich an die Bewohnerschaft und Beschäftigten des Hauses. Sobald es die Situation jedoch zulässt, soll die Ausstellung auch Gästen zugänglich gemacht werden. „Wir planen bisher, die Ausstellung bis mindestens März auszurichten“, sagt Hütte. „Wir sind jedoch guter Dinge, diese Zeit gegebenenfalls zu verlängern, sodass hoffentlich auch externe Besucher die Ausstellung besichtigen können.“

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