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„Das Normale ist ein Schatz“

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Von: Anne Lemhöfer

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Ihren Abschiedsgottesdienst hält Pfarrerin Ute Pietsch am kommenden Sonntag, 16.Oktober.
Ihren Abschiedsgottesdienst hält Pfarrerin Ute Pietsch am kommenden Sonntag, 16.Oktober. © Anne Lemhofer

Nach 25 Jahren geht die Pfarrerin der Seckbacher Mariengemeinde in den Ruhestand. Ute Pietsch hat bereits viele neue Pläne.

Kirchenmaus und Kirchenrabe: Die kennen Seckbacher Jungen und Mädchen gut, zumindest, wenn sie in den vergangenen Jahren mal den Kindergottesdienst in der Marienkirche besucht haben. Pfarrerin Ute Pietsch hat diese zwei Stofftiere eingeführt, um auch den Kleinen Geschichten aus der Bibel zu erzählen – von Noah, Abraham oder vom blinden Bettler Bartimäus. Nach 25 Jahren nehmen jetzt nicht nur Maus und Rabe Abschied, sondern auch Ute Pietsch. Die 65-Jährige geht in den Ruhestand.

Die Pfarrerin ist auch deshalb bekannt im Stadtteil, weil sie so viel mit dem Fahrrad zwischen Lohrberg und Huthpark unterwegs ist. „Manche Kinder glauben sogar, dass ich der Kirche wohne“, sagt die 65-Jährige und lacht. „Seckbach ist während meiner Amtszeit immer beliebter bei jungen Familien geworden, das hat der Gemeinde eine große Lebendigkeit gegeben.“

Die Pfarrerin sitzt im Gartensaal der Mariengemeinde, den sie vor 16 Jahren mitgeplant hat. Modern wirkt er in seiner Bauweise aus Holz, Glas und Beton, sowohl offen als auch heimelig. So sehr Pietsch Nähe und die intensiven Beziehungen in der Gemeinde immer geschätzt hat, so wichtig ist ihr noch etwas anderes: die Weite. Die Partnerschaft mit der presbyterianischen Kirche von Ghana gehört zu diesem weiten Blick raus in die Welt, genauso wie der Eine-Welt-Laden. „Außerdem sind wir Mitglied im Netzwerk ‚Faire Gemeinde‘“, sagt Ute Pietsch. „Das liegt mir sehr am Herzen.“ Das ökumenische Siegel „Faire Gemeinde“ ist eine Auszeichnung für Kirchgemeinden, Einrichtungen und Werke, die sich durch Handeln und Öffentlichkeitsarbeit für Nachhaltigkeit und globale Gerechtigkeit einsetzen.

Raus in die Welt: Das war Pietsch schon als Kind wichtig. Mit den christlichen Pfadfinderinnen hat die gebürtige Berlinerin sich Wälder, Berge und Wanderpfade erschlossen – und Freundschaften gefunden, die bis heute halten. Gemeinschaft und Weite, auch hier fand sie beides. Ihr Berufsleben hatte allerdings ganz anders begonnen, nicht in einem Kirchenraum, sondern in einer Physiotherapiepraxis. Pietsch ist ausgebildete Physiotherapeutin. Als sie begann, zunächst in Teilzeit Theologie zu studieren, wunderten sich manche Kommiliton:innen über die Studentin, die hochgeistige Themen oft in Sportklamotten diskutierte.

Dankbar erinnert sie sich an den Umbau von Kirche, Kita und Gemeinde-Areal. Mehr Licht, mehr Offenheit, mehr Weite: „Es war wirklich ein Geschenk, bei so einem großen Projekt dabei zu sein und aktiv die Räume zu gestalten, in denen ich gearbeitet und gepredigt habe.“ Sehr gerne feiere sie Open-Air-Gottesdienste. Aber gerade die Monate der Lockdowns und Kontaktbeschränkungen hätten ihr gezeigt, wie wertvoll das ganz alltägliche Gemeindeleben sei. „Auch im Normalen lässt sich Kostbares entdecken. Es muss nicht immer ein Event sein.“

Und wie geht es weiter? „Ich habe viele Pläne“, sagt Pietsch. Wandern wolle sie, viel reisen, und Zeit mit Freundinnen, Freunden und der Familie verbringen. Ihr Blick wird sich wieder weiten. Es sind nicht zuletzt die drohende Klimakatastrophe und die Zukunft des Planeten, die sie umtreiben. Sie hat bereits als Pfarrerin Kontakt zu Christians4future, einem Teil der Fridays4future-Bewegung aufgenommen: „Die Bewahrung der Schöpfung war mir immer ein großes Anliegen.“

Ihren Abschiedsgottesdienst in der Marienkirche, Zentgrafenstraße 23, hält Pfarrerin Ute Pietsch am Sonntag, 16. Oktober.

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