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Das Bindeglied zur Stadtverwaltung

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Von: Fabian Böker

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Anja Pfeiffer in ihrem Garten in Seckbach.
Anja Pfeiffer in ihrem Garten in Seckbach. © Peter Jülich

Anja Pfeiffer ist die neue Stadtbezirksvorsteherin. In diesem Amt bildet sie die Schnittstelle der Bürger:innen zu den Ämtern der Stadt, hilft bei Wahlen und nimmt Ehrungen vor.

Zugegeben, es klingt ziemlich trocken: „Stadtbezirksvorsteher:innen sind Ehrenbeamte des Magistrats. Sie unterstützen und vertreten die kommunalpolitische Zielsetzung des Magistrats und sind Mittler zwischen den Bürgerinnen und Bürgern und der Verwaltung.“ So heißt es auf der Homepage der Stadt Frankfurt über die Aufgaben dieses Amtes. Anja Pfeiffer übt es in Seckbach erst seit wenigen Tagen aus, und wenn sie davon erzählt, wirkt alles gleich viel lebendiger.

Pfeiffer, 55 Jahre alt, sieht sich als „Bindeglied zur Stadtregierung“. Als dieses ist sie vor allem dafür zuständig, „vor Ort nach Problemen zu schauen und diese zu übermitteln“. Das kann auf vielfältige Art und Weise geschehen. Sie will natürlich selbst die Augen und Ohren offenhalten, bietet aber auch eine Sprechstunde an. Durch den gerade erst angelaufenen Austausch mit den Akteuren im Stadtteil wird sie Sachverhalte mitbekommen, derer sie sich dann annehmen wird.

Sie stellt Bescheinigungen aus, kümmert sich um Probleme mit den Ämtern, will bei sozialen Konflikten in der Nachbarschaft eingreifen, nimmt Ehrungen vor, wird angerufen, wenn ein Auto illegal abgestellt wurde. Viele Aufgaben also, aber eins ist für Pfeiffer sicher: „Ich werde jetzt nicht wie ein Sheriff durch den Ort laufen und nach Missständen suchen.“ Denn sie weiß, dass sie jetzt erst einmal dafür sorgen muss, dass die Menschen im Stadtteil sie kennenlernen.

Die Aufgaben

In Frankfurt gibt es derzeit 81 ehrenamtliche Sozialbezirksvorsteher:innen. Die Zahl ist nicht deckungsgleich mit den 16 Ortsbezirken Frankfurts. So gibt es neben dem Posten von Anja Pfeiffer in Seckbach das Amt auch im Riederwald und in Fechenheim. Außerdem sind in einigen Stadtteilen gleich mehrere Stadtbezirksvorsteher:innen tätig. In Bockenheim sind es zum Beispiel sechs, im Nordend neun und in Sachsenhausen zehn, jeweils inklusive der Stellvertreter:innen.

Wesentliche Aufgaben sind unter anderem die Beratung der Bürger:innen, Weiterleitung von Anträgen, Anregungen und Beschwerden, Mithilfe bei der Vorbereitung und Durchführung von Wahlen sowie die Ehrung von Ehe- und Altersjubilaren. Auch die Beglaubigung von Unterschriften gehören dazu.

Anja Pfeiffer hat noch keine feste Sprechstunde eingerichtet. Unter 01 76 / 38 11 69 23 können aber Termine mit ihr vereinbart werden. bö

Sie und ihr Amt. Denn aus ersten Gesprächen weiß sie, dass das längst nicht alle kennen. Kein Wunder, sagt sie, schließlich gebe es das so auch nur noch in Frankfurt. Andere Städte kennen es gar nicht. Das weiß sie zum Beispiel aus Hamburg, wo ihre Eltern herkommen. Oder aus Baden-Württemberg, wo sie geboren und aufgewachsen ist, und aus Gießen, wo sie studiert hat. Seit 1993 wohnt sie nun in Frankfurt, erst in Bergen-Enkheim, dann im Nordend und seit 16 Jahren in Seckbach.

Das Nordend habe ihr wegen der Gentrifizierungstendenzen irgendwann nicht mehr gefallen. In Seckbach indes fühlt sie sich wohl. Es sei ein gemischter Stadtteil mit vielen Alteingessenen, aber auch Zugezogenen, sagt sie. Das Zusammenleben funktioniere meistens, „aber natürlich gibt es da auch Reibung manchmal.“ Und genau da wolle sie mit ihrem Amt ansetzen, Probleme erkennen, an die Stadtverwaltung weitergeben und nach Lösungen suchen.

Pfeiffers Amt ist kein politisches, auch wenn die Politik bei der Besetzung eine wichtige Rolle gespielt hat. Denn die Grünen, die bei den Kommunalwahlen 2021 stärkste Partei im Ortsbezirk 11 (Seckbach, Riederwald, Fechenheim) wurden, hatten ein Vorschlagsrecht für den Posten, und die Wahl fiel auf das Grünen-Mitglied Pfeiffer. Bei der Fraktion ist sie seit rund 20 Jahren: „Ich bin über die Friedensbewegung in die Partei gekommen“, erinnert sie sich. „Ich bin ein Kind des Nato-Doppelbeschlusses.“

Doch die Mitgliedschaft in der Partei war nicht das Kriterium für ihre Ernennung. Als Fremdsprachenlehrerin bei der Deutschen Flugsicherung beweist sie täglich, dass sie mit Menschen arbeiten kann. „Außerdem bin ich einfach neugierig.“ Hinzu kommt ihre fast 30 Jahre währende Erfahrung als Wahlhelferin in Frankfurt. Und dass sie als frisch Geschiedene Zeit für so eine ehrenamtliche Aufgabe hat, sagt die Mutter von zwei Kindern.

Am meisten freut sie sich auf Gespräche im Henry- und Emma-Budge-Heim. Die Senioren-Wohnanlage für Menschen jüdischen und nicht-jüdischen Glaubens in der Wilhelmshöher Straße hat für Pfeiffer eine besondere Bedeutung. Denn „Gespräche wie dort kann man nicht mehr lange führen“.

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