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Nach dem Fassanstich: Apfelweinkönigin Sissy I. (Sissy Cale) und Gerhard Weinrich (1. Vorsitzender) verkosten den neuen Apfelwein.

Seckbach

Apfelwein-Anstich am Lohrberg

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Aus über 80 Apfelsorten keltert das Streuobstzentrum Main-Äppel-Haus Apfelwein und andere Spezialitäten. Am Samstag durften Besucher den neuen Jahrgang verkosten.

Hoch oben auf dem Lohrberg, dem einzig verbliebenden Weinberg Frankfurts, hat es sich der kleine Verein „Main-Äppel-Haus Lohrberg“ zur Aufgabe gemacht, eine der wenigen noch vorhandenen Streuobstwiesen im Umkreis der Stadt zu erhalten und der städtischen Bevölkerung diese traditionsreiche und ökologisch wichtige Form des Obstbaus näherzubringen. Zu den wahrscheinlich angenehmsten Pflichten gehört dabei die alljährliche Kelterung des Apfelweines, der diesen Samstag in der Halle auf dem Lohrberg verkostet werden konnte.

Etwa 80 Apfelsorten wachsen auf dem Gelände des Streuobstzentrums. Äpfel, die nicht verkauft werden, werden zu Saft, Secco, Edelbrand oder eben Apfelwein weiterverarbeitet. „Jeder neue Apfelwein ist etwas besonders“, beschreibt Karsten Liebelt, hauptverantwortlich für den neuen Wein. „Jeder Jahrgang ist eine Überraschung. Der Diesjährige ist etwas milder und hat mehr Süße als der Apfelwein im letzten Jahr.“ Der Betriebsleiter des Naturerlebnisgartens des Vereins kam 1990 nach Frankfurt und musste sich erst an die hiesige Apfelweinkultur gewöhnen. „Zunächst hab ich mich gefragt, wer dieses Zeug trinken kann“, erzählt er lachend. Mittlerweile hat er den Äbbelwoi ins Herz geschlossen und für seine Gäste nur einen Tipp: Trinken, bis er alle ist.

Den Gefallen tun ihm seine Gäste gerne. Eine besondere Spezialität des Hauses stellt der sogenannte Vollmond-Apfelwein dar, der später am Abend ausgeschenkt wird. Der zugegeben etwas esoterisch anmutende Name täuscht, denn laut einhelliger Meinung der Gäste hebt sich dieser nochmal deutlich positiv von dem regulären Äbbelwoi ab. Sogar interkulturelle Gäste weiß der Wein zu überzeugen. Thomas aus Österreich und Walter aus den Niederlanden wohnen zwar in Frankfurt, mit Apfelwein sind sie aber bisher noch nicht allzu oft in Berührung gekommen. Umso besser, dass sie mit Axel einen Begleiter dabei haben, der selbst einen Obstgarten besitzt und die kulturelle Einweisung über Weinqualität und die Gesundheit von Obstbäumen übernehmen kann. „In Österreich machen wir richtigen Wein und brauchen keine Sekundärfrüchte“, gibt Thomas lachend zurück. Komplettiert wird das Quartett von Rike, die den Wein zwar lobt, allerdings den im letzten Jahr besser fand. Erst der Mondscheinwein kann die gesamte Gruppe vollends überzeugen.

Neben neugierigen Frankfurtern kommen die Gäste auch aus der Region. Viele besitzen selbst eine Obstwiese und stellen eigenen Apfelwein her. Günter Winter und Dieter Wissel etwa sind die Vorsitzenden des Vereins „Obstwiesenretter Kahlgrund-Spessart“. Der Verein verfolgt eine ähnliche Idee wie die Lohrberger. Sie bieten etwa Schnittkurse an oder ermutigen junge Erwachsene, selbst zu keltern. „Das kann wirklich jeder. Es schmeckt besser und ist billiger“, erzählen sie lachend. Wie zum Beweis bietet er eine Spezialität der Gegend an, einen Hutzel, eine getrocknete Scheibe Obst. „Die Teile machen süchtig, da braucht man keine Chips mehr.“

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